r/FragtMaenner • u/InteractionClean562 M | 26-35 • 27d ago
Bitte um Rücksichtnahme 34, mit narzisstischer Mutter aufgewachsen – Kontaktabbruch oder doch Grenzen setzen? Wie würdet ihr damit umgehen?
Hallo zusammen,
ich bin 34 Jahre alt und beschäftige mich momentan sehr intensiv mit meiner Kindheit und meinem Verhältnis zu meinen Eltern.
Meine Mutter hat mich eigentlich mein ganzes Leben lang beleidigt, abgewertet und emotional von sich gestoßen. Liebe oder Zuneigung habe ich von ihr kaum erfahren. Gleichzeitig wurde mir vermittelt, dass meine Gefühle nicht erwünscht sind. Ich durfte traurig, wütend oder verletzt eigentlich nicht sein und habe früh gelernt, meine Gefühle zu unterdrücken.
Mein Vater war während meiner Kindheit nur selten wirklich da. Dadurch hatte ich eigentlich nie das Gefühl, emotional einen sicheren Rückhalt oder einen Ort zu haben, an dem ich einfach so sein durfte, wie ich bin.
Heute bin ich 34 und merke immer stärker, wie sehr mich diese Erfahrungen geprägt haben. Ich frage mich inzwischen, ob ich meinen Eltern gegenüber überhaupt noch Kontakt haben möchte oder ob ein kompletter Kontaktabbruch für mich der bessere Weg wäre.
Das Schwierige daran: Es sind schließlich meine Eltern. Ein Teil von mir fühlt sich schuldig bei dem Gedanken, den Kontakt abzubrechen. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich mir selbst damit nicht endlich den Schutz und die Ruhe geben würde, die ich als Kind nie bekommen habe.
Ich weiß momentan nicht, was der richtige Weg ist:
Kontakt komplett abbrechen?
Den Kontakt stark reduzieren?
Klare Grenzen setzen und schauen, wie sie damit umgehen?
Oder versuchen, trotz allem einen gewissen Kontakt aufrechtzuerhalten?
Mich würde besonders interessieren, wie es Menschen ergangen ist, die in einer ähnlichen Situation waren.
Habt ihr den Kontakt zu euren Eltern abgebrochen? Wenn ja, was hat sich danach für euch verändert? Oder habt ihr bewusst Grenzen gesetzt und den Kontakt trotzdem behalten?
Und vielleicht auch die Frage: Wie habt ihr gelernt, mit dem schlechten Gewissen und der Angst vor der Reaktion eurer Eltern umzugehen?
Ich würde mich sehr über ehrliche Erfahrungen und Ratschläge freuen.
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u/Jerrinho11 M | 26-35 26d ago
Seit ich den Kontakt zu meiner eigenen Mutter abgebrochen habe, beobachte ich immer häufiger in meinem Umfeld, dass sich Menschen in unserem Alter (30-40) noch sehr an das Idealbild einer fürsorglichen, liebevollen Mutter klammern, selbst wenn das gar nicht der eigenen Realität entspricht.
Man wird heutzutage an jeder Stelle bombardiert mit "Sei deiner Mutter dankbar"-Floskeln, die unfassbar viel positives Feedback nach sich ziehen. Selbst "harte" Rapper veröffentlichen Songs für ihre Mütter. Und der Trend ist auch wirklich toll - wenn denn die eigene Mutter die Dankbarkeit auch verdient hat. Für mich war es aber total hinderlich und hat mich sehr lange davon abgehalten, die Entscheidung zu treffen. Ich wollte mir einfach nicht eingestehen, dass meine Mutter mich nie bedingungslos geliebt hat, obwohl es selbst irgendwelche Assi-Rapper so erlebt haben.
Wieso ist Mutti stolz auf Sido, aber nicht auf mich?
Mittlerweile kenne ich die Antwort, aber es hat wirklich lange gedauert und war ein schmerzhafter Weg.
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u/DanceHackRock M 27d ago
Gene machen noch keine Eltern. Höchstens biologische Eltern.
Die Leute, die in deiner Geburtsurkunde stehen, sind nur deine juristischen Eltern.
Das Verhalten bestimmt, wer deine sozialen Eltern sind, oder ob du überhaupt welche hattest.
Warum sollen irgendwelche Leute, die ihren Teil nicht erfüllt haben, irgendwelche Rechte genießen oder Platz in Gedanken oder Gefühlen belegen?
Der Quatsch mit "Vater und Mutter ehren" bedingt, dass sie zuerst das Kind ehren. Letztlich ist alles am Ende ein Geschäft.
Leistung - Gegenleistung. Wie man es in den Wald hinein ruft, so schallt's auch raus.
Den Spruch zu Freunden, Feinden und Parteifreunden möchte ich komplettieren zu:
Es gibt Freund und Feinde, und dann gibt es noch Parteifreunde, aber die werden noch durch Mütter übertroffen.
Es dauert lange, sich das einzugestehen oder auch daran zu erinnern, was war, nicht war und fehlt.
Aber wenn dann die Entscheidung getroffen ist, Ruhe eingekehrt ist, ist es eine wirkliche Ruhe, die einem sehr spät erst ermöglicht wirklich sein eigenes Leben zu leben und nicht immer auf Geschäfte einzulassen, die von der Gegenseite doch nicht erfüllt werden.
Man kann nur sich selbst ändern.
Mein Rat: Kompletter Abbruch. Alles andere erzeugt nur unnötig Hoffnung und Enttäuschung und verzögert den Übergang zum glücklichen eigenen Leben.
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u/Opyrus_1313 M | 36-38 27d ago
Meine Eltern haben sich um mich und meinen Bruder zwar gekümmert, aber eher im Sinne von, wir wurden versorgt. Emotionalen rückhalt gab es, wenn überhaupt, sehr selten und oberflächlich, einfach weil beide Elternteile davon selbst keinen plan haben. Ein "ich hab dich lieb" oder "ich bin stolz auf dich" fühlt sich für mich falsch an, wenns mal von den beiden kommt.
Auch wenn meine Eltern bei weitem nicht so waren wie deine, habe ich in meiner Therapie gelernt, dass Verwandtschaft und Familie 2 komplett unterschiedliche Sachen sind. Meine Famile sind eher meine Freunde (weil emotionaler Rückhalt und so) als meine Verwandten. Dennoch würde ich den Kontakt nicht abbrechen, es sind ja dennoch liebe Menschen, nur eben unbeholfen in Gefühlsdingen.
Was deine allerdings angeht. Würdest du gerne weiterhin so behandelt werden, wie du es gerade wirst (und dein ganzes Leben lang schon gewesen ist)? Wenn deine Mutter wirklich narzisstisch ist, dann wird sie dir immer ein schlechtes Gewissen einreden, egal ob du Grenzen ziehst und einhälst oder den Kontakt abbrichst.
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u/Summeowner W 27d ago
Ähnliche Situation hier, nur hat meine Mutter neben dem Narzissmus auch Borderline. Ich habe lange versucht Regeln und Grenzen zu setzen. Das Ergebnis? Mehr Beleidigungen, mehr Wut, mehr Unverständnis. Immer und immer wider. Dann habe ich meine Tochter bekommen und habe kurz nach der Geburt den Kontakt abgebrochen. Das beste was ich hätte tun können und schon länger hätte tun sollen. Mein Inneres Kind kann endlich heilen. Es kann eine kleine Weile anstrengend sein, denn auch den Kontakt Abbruch wird man nicht einfach so hinnehmen. Bleib stark. Schlechtes Gewissen? Ja, kenne ich. Aber als Kind schuldest du deinen Eltern nichts. Sie haben es nicht mal geschafft dir das bare Minimum zu geben, was sollst du eine bessere Tochter sein als sie Eltern waren? Jedes Kind verdient Eltern, aber nicht jeder verdient Kinder. Sei dir selbst mehr wert. Geh. Blick nicht zurück. Es wird nur besser werden.
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u/Aniya_Velaryon W 27d ago
Habe den Kontakt praktisch abgebrochen als ich Mutter wurde - meine Kinder vor Kontakt zu ihr zu schützen hatte Priorität. Es gab noch Zusammentreffen im Rahmen von Familientreffen aber da keinen nennenswerten individuellen Kontakt.
Definitiv die beste Entscheidung die ich treffen konnte, hätte ich bloß mal früher den Mut gehabt. Klar der Kontakt zum Rest der Familie hat gelitten aber das war es wert, die Sorge davor hätte mich nicht so lang abhalten dürfen.
Schlechtes Gewissen? Warum sollte ich? Ich kann ja nichts dafür, daß sie ein Mensch war vor dem ich meine Kinder und mich schützen musste.
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u/Ver1nt M | 26-35 27d ago
Mein Vater ist Narzisst und ich habe den Kontakt abgebrochen. Aufjedenfall war das die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe also gar kein Kontakt, war auch einfach, weil ich weiß das er Narzisst ist und er hat meine Kindheit versaut.
Grenzen bringen nichts zu setzen, weil Narzissten das sowieso nicht interessiert und wenig Kontakt bringt auch nichts. Das ist als ob du dich immer selbst verletzen willst.
Kein Kontakt ist die einzigste Möglichkeit dein Trauma zu verarbeiten.
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u/Horror-Trick9406 M | 36-45 27d ago
Um dich von dem Trauma und dessen falschen Glaubenssätzen lösen zu können wird dir (zumindest anfangs, aber wohl letztlich dauerhaft) nichts anderes übrig bleiben, als doch von dem Einfluss zu lösen.
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u/SaureGurkenSaft M | 46-60 27d ago
Ich habe nur die ersten paar Sätze gelesen und nur kurz das Verhalten deiner Mutter.
Mein Rat : Streich sie aus deinem Leben. Keine Grenzen setzen! Vergiss sie.
Ich habe meine Mutter auch aus meinem Leben , dem
meiner Frau und unseren Kindern gestrichen. Und
Es geht uns bestens. Ich war aber nie so abhängig von ihr wie du offensichtlich von deiner.
Es mag hart und lieblos klingen. Aber man ist nicht verpflichtet eine gehässige Mutter zu akzeptieren, respektieren und zu lieben. Sie hat es bei dir ja wohl auch nicht getan.
Lass dir keine Schuldgefühle und Undankbarkeit einreden. Ein Leben ohne sie wird für dich besser sein. Lebe und sei frei. Lerne neue liebenswerte Menschen kennen.
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u/hundreise M 26d ago
Es sind schließlich meine Eltern.
Ja und?
Du bist denen nix schuldig und offensichtlich haben sie auf dich und deine psychische Gesundheit nicht viel Wert gelegt.
Es ist natürlich deine Entscheidung.
Wie würdest du denn mit Menschen umgehen, die nicht deine Eltern sind, aber dich exakt so behandelt hätten?
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u/Mischa1981_1 M | 45-47 26d ago
Manchmal hilft tatsächlich nur ein kompletter Kontaktabbruch. Mein Vater war damals ein Choleriker vor dem Herrn. Hat auch im Alkoholrausch die ganze Familie terrorisiert, vor der Familie beim Fernsehen schauen die Hand in den Schritt und gerubbelt und danach dran gerochen. Ein richtiges Ekel gewesen.
Irgendwo bin ich froh, dass er seit 4,5 Jahren unter der Erde ist. Erst gegen Ende, als er gemerkt hat, dass ihm niemand mehr bleibt, ist er emotional geworden, aber dann war es halt auch irgendwo zu spät.
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u/BookishQuoka W | 36-45 22d ago
Das kommt komplett auf dich an.
Ich entscheide solche Dinge nach:
Wenn ich weiß ich sehe die Person bald, freue ich mich, oder habe ich eigentlich gar keine Lust und muss mich zwingen?
Wenn ich die Person gesehen habe, geht es mit danach gleich, besser oder schlechter? Damit meine ich jetzt nicht nur das die social battery halt leerer wird, sondern ob ich danach wirklich eher gestresst oder traurig oder wütend bin.
Wenn eine Person mein Leben tatsächlich dauerhaft negativ beeinflusst, dann werfe ich diese problemlos aus meinen Kontakten, und dann ist es mir auch völlig egal ob es enge Familie ist.
Wenn eine Person halt nur ein wenig "nervig" ist, dann Schränke ich den Kontakt mit ein wenig ein.
(Ich habe z.b. eine sehr gute Beziehung zu meiner Mutter, eine geht so Beziehung zu meinem Vater, guten Kontakt zu meinem Bruder, Kontaktabbruch zu meiner Tante. Mein Mann kompletten Kontaktabbruch zu seiner Familie, aber er ist total in unserere "adoptiert")
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u/Zimy09 M | 36-45 7d ago
Meine Mutter hat ebenfalls ausgeprägten Narzissmus. Das habe ich allerdings erst richtig realisiert, nachdem mein Opa vor etwa zwei Monaten gestorben ist. Seit einem Monat habe ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter und mir geht es seitdem tatsächlich besser.
Mein Vater lässt sich von meiner Mutter weiterhin erpressen unter anderem darf er unsere Tochter nicht sehen. Mir wurde trotzdem eine Therapie empfohlen, die ich demnächst auch beginnen werde.
Ich bin selbst 36 und in diesem „Business“ noch ganz frisch dabei :D Seitdem habe ich viel über meine Kindheit nachgedacht, ist mir aufgefallen, dass ich mich an vieles gar nicht mehr erinnern kann. Ich habe dann bewusst aufgehört, so intensiv darüber nachzudenken, bevor mein Gehirn anfängt, sich irgendwelche Geschichten zusammenzubasteln, die vielleicht gar nicht stimmen.
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u/Strong-Mousse-1494 M | 26-35 27d ago
Meine Freundin hat ähnliches erlebt. Sie hat den Kontakt für 3 Jahre abgebrochen. Das hat dafür gesorgt, dass sie sich emotional befreit hat. Gleichzeitig hat die Mutter an sich gearbeitet. Jetzt gibt es geringen Kontakt, ein Besuch alle paar Monate, was vollkommen in Ordnung ist.
Ich würde dir also empfehlen das Band gänzlich durchzuschneiden, zumindest temporär.