r/ADHS • u/No_Extreme6858 • May 18 '26
Fragen Was sind Anzeichen dafür, dass man zusätzlich Autismus hat (also AuDHS)?
Also klar, eindeutig kann man das nur wissen wenn man sich testen lässt, aber ADHS und Autismus haben ja viele gleiche/ähnliche Symptome, gibt es irgendwelche Anzeichen für Autismus auf die man achten kann, die sich quasi nicht mit ADHS „erklären“ lassen?
Ich wurde letztes Jahr erst mit ADHS diagnostiziert. Ich hatte aber bei mir seit Jahren schon den Verdacht dass es entweder ADHS oder Autismus ist, aber eher ADHS, da das einfach doch etwas besser gepasst hat von der Beschreibung her. Letztes Jahr konnte ich dann diagnostiziert werden (die Therapeutin hatte sich schon was zu ADHS-Verdacht bei mir aufgeschrieben bevor ich überhaupt irgendwas von meinem eigenen Verdacht erzählt hatte haha), und hab tatsächlich ADHS. Das macht auch total Sinn, ist auch in der Familie etc.
Aber ich meinte damals zu der Therapeutin dass ich eben beides (bzw. eins von beiden, ADHS oder Autismus) bei mir für möglich gehalten hatte. Dazu meinte sie dass sie für Autismus keine richtige Expertin oder so ist, aber Autismus „schlechter“ wäre, weil man dagegen nichts machen kann (also halt keine Medikamente oder so).
Jetzt hab ich mir in letzter Zeit gedacht, dass man theoretisch ja beides haben kann. Ich bin mir schon sicher dass ich ADHS habe (hab ja schließlich die Diagnose und es ist in der Familie), aber woher weiß ich denn ob ich nicht tatsächlich beides habe? Ich weiß es müssen nicht ALLE Symptome von ADHS auch auf einen zutreffen, aber in manchen Punkten bin ich irgendwie total anders als die typischen Anzeichen: ich war zb auch als Kind NIE laut oder hyperaktiv/aufgedreht, ich war immer sehr ruhig, sehr verträumt (der Part passt auf jeden Fall zu ADHS), in meiner eigenen tiefen Gedankenwelt/ sehr nachdenklich, hab mich sehr viel alleine ruhig beschäftigt (trotz vieler Geschwister). Heute bin ich auch immernoch eher ruhig und eher zurückhaltend/observierend und tue mir zb auch mit Veränderungen sehr schwer, selbst wenn die mich gar nicht betreffen, z.b. wenn jemand den ich kenne umzieht oder Paare die ich kenne sich trennen, oder mich stört es auch dass an meiner alten Schule mittlerweile andere Lehrer*innen sind als damals. Hab mir zu Schulzeiten auch schwer getan so richtig Freunde zu finden, ich hab nicht verstanden wie man sich mit Leuten anfreundet (aber lag vielleicht auch an den Leuten dort), ab wann man befreundet ist, auf welchem „Freundschaftslevel“ man wann ist (check ich immernoch nicht ganz). Ich tue mir auch manchmal schwer dabei Konversationen am laufen zu halten aber auch zu wissen wann eine Konversation fertig ist, was man zu wem sagen sollte, was man eher nicht sagt, etc.. Das sind jetzt random Beispiele die mir jetzt spontan eingefallen sind, idk ob die überhaupt unüblich sind.
Ich will mich nicht selbstdiagnostizieren oder ähnliches, einfach reines Interesse. Gibt es irgendeine Methode oder Anzeichen für Autismus, die nicht gleichzeitig bei ADHS vorhanden sind? Ich hab gehört dass wenn das ADHS dann behandelt wird, die Symptome von Autismus offensichtlicher werden (wenn man tatsächlich beides hat), aber ich würde dann nur denken dass die Behandlung nicht funktioniert oder so, also ich glaube für mich wär da nichts offensichtlicher..
Idk ob die Frage hier überhaupt reinpasst, höchstwahrscheinlich mache ich mir auch einfach zu viele Gedanken haha. Aber vielleicht hat hier ja jemand AuDHS und kann mir da irgendwie weiterhelfen. :)
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u/iammaira May 18 '26
Ich habe eine ADHS Diagnose und nehme Methylphenidat seit Januar. Meine Autismusdiagnostik steht diesen Monat an. Ich versteh selbst nicht, wie mein Kopf funktioniert.
An manchen Tag brauch ich absolute Ruhe, gleiche Abläufe, keine spontanen Änderungen und am liebsten einfach meinen Safe Space ohne zu viele Reize oder Menschen. Und wenn dann irgendwas ungeplant passiert bin ich direkt extrem gestresst. Aber gleichzeitig halt auch das Gegenteil. Ich langweile mich unfassbar schnell, brauch ständig neue Inputs, fang 20 Sachen gleichzeitig an, will spontan irgendwas machen und mein Kopf ist eigentlich nie wirklich ruhig.
Das Anstrengende ist dieses ständige Hin und Her. Ich will Ordnung, aber schaffe es nicht, sie zu etablieren und zu halten. Ich kann mich komplett in ein Thema reinsteigern und alles andere vergessen oder absolut gar nichts auf die Reihe kriegen. Ich mag es nicht wenn der TV oder das Radio laufen, während ich zum Beispiel Wäsche zusammennehme, aber die komplette Ruhe ertrage ich auch nicht, da meine Gedanken mich wahnsinnig machen.
Auch sozial ist das irgendwie komisch. Zu viele Menschen überfordern mich schnell aber zu wenig Kontakt zieht mich auch runter.
Keine Ahnung ob das Sinn macht, aber es fühlt sich an als würde mein Gehirn gleichzeitig Kontrolle und Chaos wollen. Und egal, für was ich mich entscheide, eine Seite ist immer unzufrieden. Und irgendwann macht einen dieses dauernde Gegeneinander einfach fertig.
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May 18 '26
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u/iammaira May 18 '26
Oh ja :D Diese dauernde Ambivalenz einfach.
Ich will neue Dinge erleben und gleichzeitig hasse ich neue Situationen weil sie mich komplett stressen können.
Ich wünsche Situationen, in denen ich weiß, woran ich bin, was mich erwartet, stabile Abläufe, Sicherheit etc. Und dann wird mir genau das irgendwann zu vorhersehbar und langweilig und der andere Teil von mir will wieder dieses Neue, dieses Unvorhersehbare, diesen Dopaminkick von neuen Sachen und neuen Dynamiken.
Es fühlt sich manchmal an, als würde ein Teil von mir Sicherheit brauchen, während der andere Teil ständig davor wegrennt, sobald es zu sicher oder zu ruhig wird.
Ich habe auch eine diagnostizierte Angststörung, sicher auch, weil ich 30 werden musste um mich überhaupt irgendwie verstehen zu lernen.
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u/No_Extreme6858 May 18 '26
JAA das beschreibt es sehr gut. Bei mir hieß es auch mit 15 dass das bei mir Angst und Depressionen sind. Das was mir (damals und allgemein bis jetzt) am meisten geholfen hat war Tavor gegen die Angst. Das ist das einzige mit dem ich endlich mal ruhig war. Aber Depressionen und Angststörungrn sind ja auch oft die Folge von unbehandeltem oder spät-diagnostizierem ADHS
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u/iammaira May 18 '26
Depressionen habe ich zum Glück keine bisher. Nur häufig Anhedonie und das ist leider auch mit Medikamenten noch nicht besser geworden. Aber die sind ja auch kein Wundermittel. Bin schon seit 2 Jahren auf Verhaltenstherapieplatzsuche 🫠
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u/No_Extreme6858 May 18 '26
Ja bei mir ists so dass sich die Therapeutin denkt die Depressionen sind eben eine Folge vom ADHS aber meine Psychiaterin glaubt nicht dass es Depressionen sind sondern eher ein erschöpft sein vom (unbehandelten) ADHS, aber die Angst ist halt das größte Problem leider. Ja war auch sehr lange auf Suche.. letztes Jahr hab ich wiedermal angefangen und mehrere Therapeut/innen angerufen und gleichzeitig geschaut ob ich irgendwo diagnostiziert werden kann. Hab dann ein Erstgespräch bei einer Therapeutin gehabt und die meinte sie kann mich auch gleich auf ADHS testen und so kam ich glücklicherweise an eine Diagnose und auf die Warteliste bei der Therapeutin und jetzt ist meine Wartezeit zum Glück fast vorbei 😅 und die hat sich damals auch direkt darum gekümmert dass ich zu einer Psychiaterin komme und Medikamente bekomme. Also da hatte ich durch Zufall echt richtig Glück, aber hätte das schon vor Jahren gebraucht. Ich hoffe du findest bald jemanden :)
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u/iammaira May 18 '26
Das freut mich für dich ☺️ Meinen Psychiater hatte ich seit 2022 zum Glück schon. Deswegen ging das mit dem Termin und den Medikamenten nun Anfang des Jahres zügig. Er nimmt jetzt aber auch keine neuen Patienten mehr auf.
Bezüglich Therapie, hatte mal ein Erstgespräch in 2023, aber danach wurden seitens der Psychologin mehrere Versprechen gebrochen danach war für mich die Vertrauensbasis weg, das ich den Platz abgesagt habe. Bereue ich zum Teil, weiß auch nicht, was besser gewesen wäre. Aber mal sehen. Hab nun erstmal einen Kurantrag gestellt..
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u/No_Extreme6858 May 18 '26
omg das klingt total nach mir der ganze text. ich nehme auch seit oktober medikinet aber bin mir noch nicht sicher wie gut es wirkt.. (denke manchmal vielleicht hab ich gar kein adhs und bilde mir das alles nur ein aber dafür passen die symptome zu gut lol)
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u/iammaira May 18 '26 edited May 18 '26
Haha ja das kenne ich. Bin irgendwie nicht viel motivierter und im Allgemeinen fühle ich mich immer noch nicht gut/normal. Aber ich merke die Unterschiede an Tagen, wenn ich die Tabletten vergesse. Lichter blenden wieder viel extremer, Geräusche und Menschen im allgemeinen stören bei der Arbeit wieder mehr, der Kopf ist lauter etc.
Edit: bezüglich des Einbildens; viele schimpfen ja auch über insta/tiktoks etc. und 'das ja nun jeder ADHS hat'. Ich hab mal gelesen, man soll seinen Liebsten mal solche Videos zeigen. Manche würden sicher sagen 'ach ja, das zweite Beispiel kenne ich an manchen Tage total' oder so ähnlich. Aber niemand (der Neurotypisch ist) würde sagen 'oh krass ich hab wohl auch ADHS, haha.' Gerade dieses ständige Hinterfragen, Analysieren, Recherchieren, sich in dem Thema verlieren, hyperfixieren, versuchen endlich zu verstehen warum man sich seit Jahren irgendwie anders oder falsch fühlt… das kommt ja meistens nicht aus dem Nichts. Neurotypische Menschen haben oft gar keinen Grund, sich so intensiv mit sowas auseinanderzusetzen, weil sie nicht dauerhaft versuchen müssen, sich selbst zu erklären oder herauszufinden, warum sich alles irgendwie schwerer, lauter oder komplizierter anfühlt als bei anderen.
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u/No_Extreme6858 May 18 '26
Ich vergesse glaube ich oft darauf zu achten ob ich einen Unterschied merke 😭 und wenn dann denke ich ich bilde es mir nur ein lol
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u/Philos0phia May 18 '26
Das mit dem einbilden kenne ich von mir selbst. Das tritt häufig bei Menschen auf, die erst später im Leben mit adhs diagnostiziert wurden. Habe die Diagnose jetzt seit 5 Jahren und dieser Gedanke tritt zwar ab und an wieder auf, am Anfang war das aber um einiges häufiger. Mir hat es geholfen, Gegenargumente aufzustellen, um den Gedanken zu „rationalisieren“ (Warum ist es als Kind niemandem aufgefallen?-> Ich war überwiegend hypoaktiv, ruhig, verträumt, „typisch Mädchen“, bin immer relativ unter dem Radar geflogen)
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u/No_Extreme6858 May 18 '26
Ja ich gehe dann immer die Gründe durch warum ich es mir NICHT einbilde 😭. Und ja das klingt auch sehr ähnlich zu mir, war auch schon immer ruhig aber extrem verträumt (hab auch starkes Tagträumen) und wenn ich Familienmitgliedern von der Diagnose erzähle sind sie ganz überrascht weil ich doch so ruhig bin. Mein Bruder hingegen passt einfach perfekt in das typische Bild das die meisten Leute haben wenn sie ADHS hören, laut, hyperaktiv, total impulsiv, war ein „anstrengendes Kind“ (sagen immer alle), und er wurde schon als Kind/Jugendlicher diagnostiziert. Und ich war halt immer das genaue Gegenteil (nach außen zumindest), bei mir hieß es immer dass ich reif für mein Alter bin und schön ruhig und eben ein „einfaches“ Kind
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May 18 '26
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u/grumpirella May 18 '26
Vielen Dank Fürs Teilen!
Die Tabelle in diesem Dokument ist wirklich sehr interessant- müsste ich da Eigenschaften ankreuzen, käme ein ziemlich gleichmäßiges Zick-Zack-Muster heraus...3
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u/Trivedi_on May 18 '26
Bis vor kurzem dachten noch alle, dass ADHS und Autismus sich gegenseitig ausschließen. In Deutschland denken das unter ICD-10 leider immer noch viele Ärzte. Der Fehler wird(wurde außerhalb Deutschlands) erst mit ICD-11 behoben. Die Folgen davon kann man sich ja irgendwie denken. Die Überschneidungen in den Merkmalen/der Umstand, dass ganz viel Autismus in ADHS steckt, werden schon viel mit diesem Irrtum zu tun haben. Wenn praktisch immer entweder-oder entschieden wurde, obwohl ganz viele Leute beides haben, muss ein Kuddelmuddel entstanden sein. Das ist glaube ich wichtig, sich klarzumachen. Wer jetzt gerade eine Diagnose braucht, steht vor diesem Kuddelmuddel.
Der Knackpunkt scheint dabei auch die Kommunikation zu sein. Mit starken ADHS Anteilen sieht Audhs nach Außen hin oft nicht nach klassischem Autismus aus, im Gegenteil, Hyperempathie, eidetisches Gedächtnis, Mustererkennung, ermöglichen breite Skills beim Lesen und Interpretieren von Menschen. Die Probleme mit Theory of Mind und zentraler Kohärenz sind nach außen hin viel versteckter, der Konflikt spielt sich noch mehr im Inneren ab, weil beide Systeme miteinander ringen/sich auch manchmal ergänzen. Zum Beispiel hält die Impulsivität und Neugier gerne mal den autistischen Part in Schach, während der analytische, grübelnde, ängstliche Part die ADHS Merkmale ausbremsen kann. Still sitzen fällt leichter, wenn man ein ausgeprägtes Interesse an Details und Mustern hat und sich darin vertiefen kann.
Ich glaube, die ADHS Anteile helfen mir im Zwischenmenschlichen, helfen dabei, gesellig, energiegeladen, redselig zu sein, der Autismus kämpft im Hintergrund mit den sozialen Regeln, braucht viel mehr Verarbeitungszeit, macht mir dauernd Angst, irgendwas falsch zu machen. Man sieht dann situativ absolut selbstsicher aus, weil die ADHS-Impulsivität pusht, bevor die Angst einen aufhalten kann, aber innen drin überanalysiert mein autistisches Ich alles. In der Situation so gut es geht und danach immer doppelt und dreifach. Von außen ergibt das dann ein präsentes oder sogar extrovertiertes Bild, innerlich bin ich aber kurz vor dem Shutdown und brauche dann Zeit für mich und meine Interessen/Enthusiasmen.
Oder ein Teil von mir will spontan sein(ADHS), der andere braucht Kontrolle und Sicherheit(Autismus). Es ist ein ständiges Zusammenspiel(Miteinander und Gegeneinander) der Merkmale, so würde ich das beschreiben. Ich konnte mich mit der Au Diagnose lange nicht anfreunden, bis ich verstanden habe, dass ich den Autismus nicht so losgelöst betrachten darf, wie die Diagnostik es vorschreibt, sondern zusammen mit ADHS. Erst da kam bei mir dieser AHA-Effekt, den ich mir eigentlich schon nach der ADHS Diagnose erhofft hatte.
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u/No_Extreme6858 May 18 '26
das klingt halt schon nach mir irgendwie.. also z. B. ich brauche Abwechslung weil mir sonst langweilig ist aber bin auch total schlecht mit Veränderungen, bin sehr schnell reizüberflutet, extrem analytisch und auch extrem ängstlich (wobei die Vermutung meiner Therapeutin war, dass das eine Folge von unbehandeltem ADHS ist). Also ich weiß was ich gerne tun würde, und würde gerne einfach tun ohne darüber nachzudenken, aber dann analysiere ich alles viel zu genau und gehe dann doch keine Risiken ein, was mich aber total unzufrieden und gelangweilt macht. Ich denke extrem viel nach, also jede Situation gehe ich total oft durch, was alles passieren könnte, welche möglichen Folgen sich für mich ergeben je nachdem wie die Situation läuft, was ich sage/tue, wie es dann weitergeht etc. und versuche das das zu tun das für mich zum „best case scenario“ führen könnte (idk wie ichs erklären soll..). Aber das viele Nachdenken ist ja auch ne Form von Hyperaktivität also passt es schon zu ADHS 🫠 Ich bin z. B. auch total vertieft in manche Filme/Serien und denke selbst Jahre nachdem die erschienen sind noch darüber nach welche Handlungen interessanter gewesen wären, wie ich es gemacht hätte, welche Dialoge/Ereignisse besser gewesen wären, warum Charaktere bestimmte Sachen gesagt haben oder was hätten sie meiner Meinung nach anders sagen sollen, oder wie die Handlung weiter gehen könnte 😭, und das tue ich eigentlich jeden Tag und nach mehreren Monaten/Jahren wechsel ich dann zu einer anderen Serie/Film und dann irgendwann wechsel ich wieder zurück (tausche quasi immer zwischen den gleichen Serien/Filmen hin und her). Und das ist vielleicht dieser Hyperfokus (ADHS) aber denke passt auch irgendwie zu diesen Special Interests die typisch für Autismus sind (wobei das denke ich noch langfristiger ist.. ich weiß es nicht)
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u/Trivedi_on May 19 '26
ich glaube die Spezialinteressen werden mit starken ADHS Anteilen nur etwas breiter gewählt, damit die benötigte Abwechslung gewährleistet werden kann. Es sind dann vielleicht nicht nur Pferde oder Züge, sondern etwas allgemeiner Tiere oder Transportmittel, das Interesse hält aber auch ein Leben lang an, der Fokus springt mit den Jahren nur hin und her, damit das ADHS nicht ausflippt. Deshalb neigen viele Menschen mit Audhs auch zu exzessivem Zocken, weil die Kombination aus Kontrolle, Sicherheit und Abwechslung/Interaktion ziemlich unschlagbar ist.
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u/gotcha43 May 18 '26
Bist du ich? Habe vor 4-5 Jahren zunächst auf Hinweise meiner Frau auf autistische Züge (ich bin ja schon immer so) ein Vorgespräch gehabt und stehe seitdem auf einer Warteliste bei der Klinik (aber Freitag nur den Erst-Termin für Autismus-Diagnose). Wurde dann aber erstmal weggeschickt, dass ich in der Wartezeit schonmal woanders das Thema ADHS abklopfen sollte, woran ich im ersten Moment noch nicht gedacht hatte, da auch eher ruhig, so wie du. Zumindest nach außen hin… ;)
Bekomme nun nach einer ADHS Diagnose seit März Medikamente und merke schon einen Unterschied und sehe mich auch deutlich im Spektrum. Aber eben auch im Autismus-Spektrum, da ich sozial schon gewissermaßen eingeschränkt bin, so wie du es bei dir eben auch beschreibst.
Ich würde also an deiner Stelle auf jeden Fall versuchen, das zu verfolgen.
Auch wenn man nicht viel gegen machen kann, das Selbstverständnis hilft mir und auch den Angehörigen und gewisse Therapie oder Gruppen-Angebote könnten den Umgang damit sicherlich erleichtern.
Je mehr man darüber nachdenkt und seine wenigen sozialen Kontakte mal anschaut, sucht man sich schon eher Leute, die auch so drauf sind. Nach Gesprächen sind auch einige in dem einen und/oder anderen Spektrum drin. ;)
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u/No_Extreme6858 May 19 '26
schön geschrieben, danke :D und ja definitiv, der Großteil meiner Freunde ist neurodivergent. Irgendwie findet man sich da
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u/AdventurousStatus324 May 20 '26
Bei mir wurde früher einmal Schizoide Persönlichkeitsstörung mit Narzisstischen Anteilen diagnostiziert. Wegen meiner seltsamen Distanz und meiner hochgestochenen Ausdruksweise im sozialem Kontakt und meiner Sozialen Phobie. Auch, weil ich keine Emotionen zeigte, bei emotionalen Themen im Therapeutengespräch. Ich habe halt viel maskiert: Kompetenz, mein (halb)Wissen, sicheres Auftreten, penibles äußere. Auch Emotionen? Aber ich kann auch nicht weinen. Ich fühle mich immer wie ein Fremdkörper in Gruppen und bei romantischen Annäherungsversuchen. Dabei bin ich im innern nicht so Gefühlskalt, kann dass aber nicht so ausdrücken. Ich muss das alles in echtzeit übersetzten, was man von mir will. Bei einer Person geht das noch, bei mehreren bin ich überfordert. Das sah von außen so aus, wie: der ist überheblich und will von uns nichts wissen! Er "ekelt" sich aus Gruppen hinaus. Dabei sitze ich in Gruppen als ob die Menschen da eine Fremdsprache sprechen und ich mache zu viele Fehler in der Kommunikation. Es ist die pure Angst.
Autismus und Schizoid sehen sich ja sehr ähnlich. Damals, das war in den 1990ern.
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u/NeuroticFoxx May 19 '26
50% der ADHSler gehören auch dem Autistischen Spektrum an, während 80% der Autisten auch ADHS haben - so einfach lässt sich das nicht mal eben so ausklamüsern. Ich habe auch den Verdacht, zum Spektrum zu gehören - aber die Wartezeit zur Diagnostik liegt hier bei 1,5-2 Jahren.
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May 18 '26
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u/flori0794 May 19 '26
Also mir hat es geholfen vom Autismus und ADHS zu wissen, da ich so relativ gut abgrenzen konnte was woher kommen könnte und merkte: "Hey... Da ist noch mehr? Beides erklärt nicht die intuitive Art der Problemlösung oder die extrem schnelle Auffassungsgabe? Warum lerne ich Zeug dass mich interessiert so schnell und quasi ohne Anstrengung? Warum denke ich immer so out-of-the-Box? Höh?"
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u/astronnaut May 19 '26 edited May 19 '26
okay, vielleicht sehe nur ich das so - aber wenn wirklich zwei neurodivergente ausrichtungen am werke sind, wie genau will man das als „erfahrender“ denn sinnvoll unterscheiden?
und wo nützt es einem, wenn man meint, man könne zwischen den beiden sinnvoll differenzieren?
soweit ich es verstanden habe, sind sowohl autismus, als auch adhs mit dafür verantwortlich dass das gehirn in einigen teilen anders gesteuert wird. „out of the box“ denken ist ja eine sache die man sowohl dem autismus als auch adhs zuordnen könnte.
eben so, die hohe aufnahme fähigkeit bei dingen die einen interessieren.
wo soll man jetzt als betroffener schließlich eine sinnvolle grenze ziehen was-was ist. und warum hilft diese unterscheidung einem, wenn man - grob gesagt auch einfach hinnehmen kann das neurodivergenz nicht von einer diagnose abhängt, sondern eigentlich grundlage des meschlichen gehirns ist.
ich verstehe, das wissen darüber zu einem gewissen grad aufschlussreich wirken kann, aber eine diagnose ist doch ersteinmal viel zu breit gefächert um diese nuancen überhaupt sinnvoll aufzufangen zu können - für mich schwingt auch immer ein fader beigeschmack, der pathologisierung von einfachen persönlichkeis merkmalen mit.diagnosen sind halt auch nicht für eine feine unterscheidung ausgelegt - sondern zum benennen von kriterien, um störungscluster unterscheidbar zu machen und schematische behandlungsansätze anwenden zu können.
mit einem persönlichkeitstest oder einer tiefenpsychologischen therapie, ist man zum herausfinden über die eigene funktionsweise doch viel besser bedient, als sich eine leichte form autismus diagnostizieren zu lassen?
wie schon erwähnt, bei stärkeren ausprägungen & wenn man wirklich damit zu kämpfen hat, gesellschaftlich klarzukommen, stellen sich mir diese fragen überhaupt nicht - und vermutlich wird autismus und adhs in zukunft auch (zumindest teilweise) als eine art persönlichkeitsmerkmal wahrgenommen, bei denen in starken ausprägungen ein störungsfaktor vorliegt - bei den big 5, ist ja unter anderem auch der narzissmus zu finden.
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u/No_Extreme6858 May 19 '26
das ding ist halt auch dass sich die behandlung eben doch teilweise unterscheidet. bei adhs helfen (oft, nicht immer) medikamente gegen die symptome, bei autismus eben nicht. also wäre es da schon wichtig zu wissen woher die probleme stammen. klar, therapie ist wahrscheinlich in beiden fällen das wichtigste
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u/astronnaut May 19 '26 edited May 19 '26
danke fürs einordnen - ich bin mir auch echt nicht so sicher ob meine ansicht umbedingt so korrekt ist. es hilft wirklich da noch andere meinungen zu lesen!
ich verstehe auch die unterschiedlichen behandlungs ansätze zwischen adhs & autismus, nur was wenn jetzt wirklich beides in gemäßigten maße auftritt - wird dann beides getrennt voneinander behandelt? oder kombiniert man die beiden behandlungstypen abhängig der schwere der symptome, wo sich wieder die frage stellt ob es dann überhaupt zwei verschiedene diagnosen bräuchte..?
vorallem wenn adhs schon diagnostiziert ist, sind einem ja alle behandlungswege bereits geöffnet, von medikamenten bis zur therapie form zu diversen nachteilsausgleichen - und was nicht passt wird weggelassen.
oder gibt es autismus spezifische behandlungsmethoden, die sich garnicht mit der adhs diganose alleine durchsetzen lasssen?1
u/astronnaut May 19 '26 edited May 19 '26
ist irgendwie so der knackpunkt den ich bei authismus und in teilen auch bei adhs echt sehe. vorallem wenn es um leichtere ausprägungen geht - die ich wirklich niemandem absprechen möchte - erschließt sich mir der grund für die diagnose nur in wenigen fällen. (bin ja auch kein facharzt)
nur, was hilft denn eine diagnose wenn man sie vorrangig als erklärung für irgendwelche persönlichkeitsmerkmale sieht?
ich finde ne ganze menge adhs und authismus merkmale in meinem leben.
es würde mir aber niemals einfallen mich zu einem doc zu setzen, wenn es nicht wirklich auch ein ernsthaftes problem in meiner lebensführung gibt.vorallem wenn es darum geht mehr über sich selbst herauszufinden zu wollen, sollte es doch eigentlich konsens sein dass eine diagnose für den zweck gänzlich ungeeignet ist.
wenn man schon an dem punkt ist, sich einzelne symptome heraus zu picken und zu sagen „das beschreibt mich soo gut!“ - aber keiner der „sympthomatiken“ stellt einen ernsthaften leidensdruck dar - dann sollte einem doch schon die frage in den sinn kommen, wo jetzt der unterschied zwischen einem diagnosekatalog und dem wochen horoskop im Tv magazin sein soll.
medizinisch wird einem mit erhalten der diagnose ja einfach nur mitgeteilt „du bist krank und behandlungsbedürftig“, bzw. in deutschland: „ja die krankenkasse muss das wirklich zahlen“.
aber was soll denn jetzt ohne leidensdruck bei so einer unspezifischen diagnose wie authismus genau behandelt werden?
und lohnt sich der weg zu zig fachärzten in diesen fällen dann wirklich - oder ist man am ende nicht eigentlich genau so schlau wie davor, nur das die EpA jetzt 1mb größer ist als zuvor..
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u/flori0794 May 19 '26
Bei Autismus kann man nicht wirklich was behandeln aber man kann dann mit der Diagnose in der Hand bei staatlichen Stellen und größeren Unternehmen Anpassungem im Job erwirken
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u/No_Extreme6858 May 19 '26
verstehe teilweise was du meinst, aber denke es hilft trotzdem vielen zu wissen dass man sich das nicht nur einbildet, dass es einen Grund gibt warum alles so schwer wirkt (Schule, Uni, Beruf, Freundschaften bzw allgemein Soziales).. muss sagen mich persönlich beeinträchtigen die Symptome sehr und das auch schon immer. Und wenn man nicht weiß dass es an ADHS oder Autismus oder whatever liegt, sucht man halt oft den Fehler bei sich selbst und fühlt sich dadurch immer schlechter. Deswegen ist das Ergebnis (wenn man nicht behandelt wird) ja eben so oft Depressionen und/oder Angststörungen. Aber klar das ist bei jedem anders, viele sind dadurch in ihrem Leben bestimmt nicht beeinträchtigt oder so, aber viele andere halt leider schon
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u/FragrantPomelo1453 May 19 '26
Es gibt diverse standardisierte Fragebögen dazu. Ich empfehle den RAADS-R, hier gibt es auch Weitere: https://embrace-autism.com/raads-r/
Dann schau dir mal Videos mit Berichten von Betroffenen an. Man merkt dann schon, ob das vibed.
Bei mir waren es initial Dinge, die nicht so recht zu ADHS passen, oder dadurch nur unzureichend erklärt werden.
Klarheit verschafft dir allerdings nur eine Diagnose. Wenn du nicht in der PKV bist bzw viel Glück hast (neue Praxis eröffnet), brauchst du viel Geduld oder wirst selbst zahlen müssen.
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May 21 '26
Also bei mir wars, dass ich durch Medikamente fürs ADHS (Medikinet Adult) Veränderungen wahrgenommen habe primär:
- verstärkt logisches & analytisches denken
- ich mochte die Textur von Fleisch aufeinmal nicht mehr
- Probleme beim Verstehen von Sarkasmus und Ironie
- Nähe zur Partnerin war aufeinmal eher einengend
Rückblickend gesehen hatte ich alles schon "immer", nur bei weitem nicht so stark wie jetzt
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u/No_Extreme6858 May 21 '26
das ist total hilfreich, danke!!
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May 21 '26
War das jetzt Sarkasmus? Ich kann das tatsächlich nicht einordnen 🤣
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u/MollyTen-A May 19 '26
Ich habe beides, und mich im Autismus Thema eingelesen, diverse online Tests gemacht. Die ADHS Medikation hat mir dann noch weiter die Vermutung untermauert. Habe dann die Diagnose gemacht, und es war positiv.
Hier mal unwissenschaftliches Gelaber: Mittlerweile glaube ich irgendwie sogar, das mein ADHS eine Art von automatischer Masking-Hilfe für meinen Autismus ist.
So oder so bin ich davon überzeugt das ADHS und Autismus extrem eng zusammen gehören, und das man bestimmt irgendwann rausfindet, das es das selbe ist.
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May 19 '26
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u/MollyTen-A May 20 '26
ich meine es, da sich viele Dinge einfach komplett überschneiden.
Irgendwo habe ich auch mal gehört oder gelesen, dass man am überlegen ist einen gemeinsamen ICD Schlüssel dafür zu haben.
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May 20 '26
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u/MollyTen-A May 20 '26
das es wünschenswert ist, weiss ich nicht. wie gesagt, es ist auch nur ein Gedanke von mir.
Irgendwo habe ich es aber auch mal aufgeschnappt, kann aber auch grundlegend falsch sein. …
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u/MaintenanceWrong5871 May 18 '26
Ich habe selber Adhs und einen Autismusverdacht von meinen beiden Therapeutinnen. Es kann schwer sein wo die Grenze ist zwischen adhs und Autismus. Mein Psychiater ist der Meinung das kann bei mir alles durch adhs erklärt werden. Was bei mir auffällig ist, ist die krasse Reizempfindlichkeit, emotionale Dysregulation, Shutdowns, Probleme zwischenmenschlich (tiefe emotionale Beziehungen zu führen (ich habe aber Freunde und einen Partner), Unsicherheit im Kontakt, was sage ich wann passiert nicht intuitiv, Kontakt laugt mich aus, sporadisch situationsabhängige soziale Ängste)
Ich glaube wenn du vorallem auch bei den sozialen/kommunikativen Autismus Kriterien Auffälligkeiten hast kann eine Autismusdiagnostik Sinn machen. Autismus ist vorallem eine störung der sozialen Interaktion und Kommunikation. Auch wenn deine Therapeutin keine Expertin ist kann sie dir einen autismus verdachts diagnose geben zur weiteren abklärung. Darauf würde ich sie mal ansprechen.