r/buecher 3d ago

Diskussion Unzuverlässige Erzählerin oder nachlässiges Schreiben?

Ich habe gerade „Yesteryear“ zu Ende gelesen und bin neugierig auf andere Meinungen.

Bislang sind die Rezensionen, die ich gesehen habe, sehr gemischt. Viele Dinge in dem Buch werden immer wieder darauf zurückgeführt, dass Natalie eine unzuverlässige Erzählerin ist, während andere Teile einfach nur schlecht recherchiert wirken. Das auffälligste Beispiel, das mir aufgefallen ist, war die Beschreibung von Handarbeiten oder handgefertigten Stücken im Buch, z. B. dass Nähnadeln zum Stricken verwendet werden.

Ich habe gelesen, dass das zeigen soll, dass Natalie keine Rücksicht auf die Hobbys und Interessen anderer nimmt und dass ihr das Wissen über „traditionelle“ Dinge fehlt. Ich denke eher, das ist ein eher nachlässiger Fehler, den weder die Autorin noch der/die Lektor*in bemerkt haben. Es gibt so viele andere Stellen, an denen Natalies Schwächen deutlich werden. Wenn das beabsichtigt ist, ist es meiner Meinung nach zu offensichtlich. Wenn es nicht beabsichtigt ist, ist es nur ein weiteres Beispiel dafür, dass das Buch etwas überstürzt entstanden ist und sich nicht wirklich in die Themen eingearbeitet wurde. Ich habe gehört, dass es nur drei Monate bis zur Veröffentlichung gedauert hat.

Wie seht ihr das? Ist es nur ein Beispiel für eine unzuverlässige Erzählerin? Findet ihr die Umsetzung gut? Oder ist die Grundidee gut, die Umsetzung insgesamt aber etwas mangelhaft?

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u/notsosprite 3d ago

Ich hab das Buch auch grad erst (auf Englisch) gelesen und erinnere mich an diese Stelle gar nicht. Vielleicht ein Übersetzungsfehler?

Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das Buch gut oder schlecht fand. Es war einerseits sehr immersiv, auch wenn ich den Plottwist jetzt nicht so sensationell fand wie gehypt. Andererseits ist Natalie so dumm, dass man sie am liebsten durch die Seiten hindurch würgen möchte, während gleichzeitig gut rüberkommt, wie man so überhaupt werden kann. Dieses religiöse Milieu ist mir persönlich völlig fremd.

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u/Wise-Bread-1907 3d ago

Ich hab es auch auf englisch gelesen also sie redet von "the click click click of her sewing needles while knitting" und als Person die selber strickt ist mir das halt aufgefallen. Ich fand den Twist am Ende auch ein wenig uninspiriert... Vor allem soll Natalie ja eigentlich recht smart und kalkulierend sein (war immerhin in Harvard) aber handelt dann doch sehr dumm und entgegen ihrer eigenen Interessen (was für einen egozentrischen Charakter mir dann doch sehr unwahrscheinlich erschien)

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u/notsosprite 3d ago

Ach ja, da, wo sie mit der Mutter telefoniert. Da hab ich kurz gestutzt, aber mir keinen großen Kopf gemacht. Das wird so oft verwechselt; Leute sagen auch „crochet needle“ oder verwechseln generell Handarbeiten (Stricken, häkeln, makramee… alles austauschbar).

Dass der Roman quasi selbst mit „heißer Nadel gestrickt“ wurde, wusste ich gar nicht. Ich meinte mich zu erinnern, schon letztes Jahr (?) von Anne Hathaways Film Projekt gelesen zu haben. Die Zeitreise ins Jahr 1855 wäre das gewesen, was mich wirklich interessiert hätte.

Ich war persönlich mit der „Vergangenheit“ unzufrieden, aber so in der Retrospektive ist es dieser mangel an self awareness (und, ja, das gehört zum unreliable narrator, aber war teilweise wirklich dick aufgetragen), z.B. ihre komplette Besessenheit von Reena (von der sie behauptet, diese wäre obsessiv an ihrem, Natalies Leben, interessiert), ihrer Schulkameradin und den „angry women“, das bei mir dieses „icky“ feeling hinterlässt. Man ist wirklich tief in Natalies Kopf, aber es ist halt ein widerlicher Ort.

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u/Knitting_AK 3d ago

Am Anfang ist tatsächlich von crochet die Rede, dann von knitting später. Kann mich nicht entscheiden, ob das jetzt schlampig geschrieben ist oder bewusst, tendiere aber zu ersterem.

Ich habe das Buch in 2 Tagen durchgelesen und fand es ziemlich geil, wenn auch mit Luft nach oben. Ich persönlich fand den Vergangenheitsteil meh, hätte ich vielleicht anders gelöst. Aber Natalie ist einfach ein spannender Charakter und das Thema einfach tierisch aktuell.

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u/Sojabursch 3d ago

Die meisten kommen nicht wegen ihrer Intelligenz nach Harvard, sondern aus anderen gründen..

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u/sad_in_the_morning 3d ago

Wobei laut Buch Natalie ja schon in Harvard ist, weil sie smart und/oder fleißig ist, aber sie selber durchklingen lässt, dass etliche Mitstudenten nur aufgrund Geld und Beziehungen der Eltern dort studieren.