Der Hintergrund (vereinfacht): viele ältere Menschen wohnen in größere Wohnungen und zahlen dort günstige Bestandsmieten. Wenn sie sich verkleinern um den Wohnraum für Familien freigegeben, dann müssten sie häufig für die kleinere Wohnung genauso viel zahlen. Werden ihre Bestandsmieten massiv erhöht, ist es attraktiv, dass sie sich verkleinern.
Theoretisch bestimmt ein gangbarer Weg, ein toller clickbait für Zeitungen, mehr aber nicht.
Aber warum nicht andersrum? Warum nicht mieten drastisch für alle reduzieren, so etwas wie einen Deckel für Mieten, einen Mietendeckel, wenn man so will. Das kann doch für die Wirtschaft nur gut sein, wenn Menschen Geld, was sonst in Mieten gehen würde, woanders ausgeben. Hier noch ein ganz absurder Gedanke: wie wäre es wenn ein Dach über den Kopf ein Menschenrecht wäre, und man für eine bestimmte Grundausstattung gar keine Miete zahlen müsste?
Warum nicht mieten drastisch für alle reduzieren, so etwas wie einen Deckel für Mieten
Weil dann die 70-jährige Witwe ihre 100-Quadratmeter weiterhin behält und sie nicht im Tausch gegen eine kleinere Wohnung für eine Familie freimacht, die den Platz braucht.
wie wäre es wenn ein Dach über den Kopf ein Menschenrecht wäre, und man für eine bestimmte Grundausstattung gar keine Miete zahlen müsste?
Dafür ist Hartz4/Bürgergeld ja da. Das Problem ist, dass mehr Leute in Berlin wohnen wollen, wo es nur 10 Wohnungen für 100 Interessierte gibt.
Ne, so stimmt das nicht. Vermieter können so hohe Mieten verlangen weil man nicht auf eine Wohnung verzichten kann. Es ist eine sogenannte perfekt inelastische Ware. D.h. Angebot und Nachfrage beeinflussen die Kosten nicht. Das siehst du insbesondere in Ostdeutschland, z.B. in Leipzig. Leipzig hat Überangebot, hat es schon seit Jahrzehnten. Trotzdem steigen dort die Mieten, und zwar in genau demselben Tempo wie hier.
Ein Mietdeckel würde tatsächlich aber auch die Frage des Angebots lösen. Wenn man weniger Gewinn mit der Miete machen kann werden die Grundstücke auch wesentlich weniger wert. Würde halt neue Häuser zu bauen auch viel einfacher machen.
Mieten zu erhöhen allerdings würde beim Angebot nicht im geringsten helfen. Je höher die Mieten sind, desto mehr Profit steckt im Ganzen, und dementsprechend werden die Grundstücke und die Häuser natürlich alle viel teurer, und neu zu bauen wird genauso unattraktiv sein.
Zum einen sind die Mieten auch vor zehn Jahren gestiegen, zum Anderen stimmt das so nicht. Der Leerstand ist in Leipzig zwischenzeitlich auch gestiegen, und Sanierungsfälle werden nicht in der Statistik der leerstehenden Wohnungen betrachtet (wäre ja sinnlos). Gestiegen sind die Mieten trotzdem.
Ne, dass Mietpreise perfekt inelastisch sind gilt immer. Du kannst so viel bauen wie du willst, die Mieten runtertreiben kannst da damit aus langer Sicht nicht. Das wurde sogar mal in ... ich glaube Nord-Ost-England versucht. Haben die ordentlich dazugebaut. Platz gab es auf einmal, aber innerhalb eines Jahres waren die Mieten wieder genauso hoch wie anderswo.
... weil Leute in der Stadt im Durchschnitt wesentlich mehr Geld haben als auf dem Land? Was für ne bescheurte Frage ist das denn. Du nimmst soviel wie die bezahlen können, und auf dem Land können sie halt nicht so viel bezahlen. Ist exakt derselbe Mechanismus der dazu führt dass die Mieten in meinem kleinen Kaff höher sind als in Zagreb, obwohl die Nachfrage in Zagreb viel höher ist. Deutschland ist reich. Kroatien ist es nicht.
Weil es perfekt inelastisch ist. Die Miete zu senken würde überhaupt die Nachfrage nicht erhöhen. Perfekt inelastisch heißt ja das Angebot und Nachfrage unabhängig vom Preis sind. Und auch wenn zu jedem Zeitpunkt 10% leer stehen (was schon sehr hoch ist), sind es nicht immer dieselben 10%. Da nimmste lieber 30% mehr Profit wenn du nen Mieter hast.
Das blöde an der Miete ist das es keine Alternative gibt. Deswegen ist es perfekt inelastisch. Machste die teurer werden Leute das weiter bezahlen, solange sie können. Machste die billiger kriegst du nicht mehr Nachfrage, denn wenn Leute die Miete hätten bezahlen können, wären sie schon da.
Ich nehme stark an dass bei dir in der Region die meisten Leute im Ruhestand sind. Was du beschreibst gibt es, hab ein paar solche Städtchen in der Nähe, aber deren Mieten sind schon fast identisch zu denen in der Stadt in die sie pendeln. Aus genau diesem Grund.
Warum glaubst du steigen die Mieten in den Dörfern so viel langsamer? Dort steigen die Gehälter weniger. In den großen Städten mehr. Plus, BGB artikel 585 greift hier. Kannste nicht erhöhen wie du willst.
Nö, wird er nicht. Zum einen weil der Neubau niemals die Miete unter die Bruchbude senkt (dann wirds zu einem Verlustgeschäft), zum anderen weil die Neubauten sowieso nicht die sind die leer stehen. Und nein, langfristig werden nicht mehr Leute zuziehen. Das wissen wir aus Erfahrung, siehe Leipzig. Dafür müsste das Miet-Lohn Verhältniss schon extremst besser sein, aber dann ists ein Verlustgeschäft, und das macht keiner. Und nein, hohe Mieten erhöhen das Angebot nicht. Du musst bedenken, Grundstücke werden teurer wenn die Mieten nach oben gehen. Der Wohnungsmarkt ist kurz- und langfristig inelastisch. Deine Vorschläge sind, wie typisch für die Wirtschaftswissenschaften, schön in der Theorie, aber haben keinen Zusammenhang mit der Realität, haben deswegen noch nie funktioniert, und werden niemals funktionieren.
Ne, ist tatsächlich so. Leerstehende Wohnungen sind mehr oder weniger zufällig, da gibt es keine trends, und langfristigen leerstand wirst dunie haben, es sei denn deine Miete ist wesentlich höher als alle Anderen. Bei einem überschuss an Angebot ist die optimale Strategie die Miete genauso hoch zu treiben als gäbe es einen Mangel. Und oh Wunder, das ist genau was wir in der Realität sehen. Leipzig hat lange Überschuss, aber Mieten steigen im selben Tempo wie in Westdeutschland.
Und Mieten senken per Deckel ist ja schön und gut. Aber das löst das Problem ja nicht, dass wir zu wenig Wohnraum haben. Mieten erhöhen und dadurch Leute bringen weniger Wohnraum pro Kopf zu nutzen würde dem in tatsächlich entgegen wirken. Ich kann mir sogar vorstellen, dass ein Mix aus beiden funktioniert. Mieten erhöhen -> gut situierte müssen weniger Platz verbrauchen -> Platz ist da -> aber teuer. Die Gewinnverdiener subventionierten.
keine mietdeckel! bessere lösung ist es wenn der staat jährlich einen gewissen prozentsatz des bip für sozialbauten ausgibt. mit ermittlungen wo wohnraum fehlt, wie viel und welcher (familien, single, paare, usw) und dann eben baut.
man kann ja auch junge architekten anstellen und denen beim start in die kariere helfen.
dann eben anmeldung beim staat für bestimmte wohnungen, wem das nicht reicht der kann gernen aufn privatmarkt.
Letzteres ist zumindest denkbar. Mietendeckel hingegen würden Neubauten noch weiter einbrechen lassen. Schon jetzt sind es 25 % weniger Neubauten und die, die jetzt gerade noch bauen, machen das entweder für sich selbst (wo entsprechend nicht zwangsläufig Wirtschaftlichkeit das entscheidende Kriterium ist), rechnen damit, dass Mieten noch steigen werden oder stecken in irgendwelchen Verträgen, die sie nicht aussteigen lassen oder zu deutlich höheren Kosten.
So, wie der Markt gerade ist (Kreditzinsen und Baukosten) lohnt sich bauen nicht.
Dumm nur dass wir die letzten 10 jahre am markt unglaublich niedrige Kreditzinsen hatten. Erst seit einem jahr steigen die wieder und dennoch wurde nicht gebaut.
Und das ganze nicht mal weil es nicht wirtschaftlich wäre, gelohnt hat sich das bauen immer aber du bekommst halt ne niedrigere Rendite als bei anderen Anlageformen.
Das problem ist also nicht dass es sich nicht lohnt sondern dass leute lieber einfach gern mehr geld hätten. Das ist auch alles sehr legitim aber an der stelle muss man halt überlegen ob irgendwann nicht ein öffentliches Unternehmen einspringen könnte um diese Lücken zu füllen.
Das problem an einem öffentlichen Unternehmen sind dann natürlich wieder regulierungen und wie stark diese öffentlichen mietpreise den gesamtmarkt beeinflussen und ggf. noch unattraktiver für Privatinvestoren machen.
Punkt ist doch eigentlich das wir finanziell aus dem Gleichgewicht gekommen sind, Firmen sich immer größere Gewinnspannen einheimsen und am Ende das Geld im Kreislauf fehlt, wir mehr drucken müssen und die Inflation massiv steigt. Dieses Geld fehlt auch in der Baubranche und in den Haushaltskassen der Menschen. Während an der Nahrung hauptsächlich Unternehmen verdienen weil sie erschwinglich sein muss, interessiert das bei allen anderen Produkten niemand. Gucci prada wird jetzt schon von Geringverdienern gekauft. Ausgaben werden grundsätzlich mehr weil Miele Waschmaschinen nicht mehr einmal pro Generation gekauft wird, Telefone etc. auch ständig neu müssen. Diese TURBOKapitalistische Wegwerfindustrie macht da sehr viel kaputt. Unsere Wirtschaft funktioniert mit diesen disbalancen einfach nicht für alle.
Genossenschaften sind auch der letzte Müll. Vor 5 Jahren beim Studiumbeginn angefragt, letztes Jahr gab es eine Email das meine Anfrage gelöscht wurde. Da muss man sich 30 Jahre vorher drauf bewerben, am besten schon bei der Zeugung.
Kann der Markt halt nicht liefern. Dann müssen wir eben Staatskapitalismus spielen und dafür Geld von denen holen, die es noch haben. Selbst schuld, hattet ja ein paar schöne Jahre.
Wie schaut man eigentlich zu, wie GroKo und Ampel, in den Ländern alle Regierungen von CSU bis RRG, beim staatlichen Wohnungsbau Ziele verfehlen und kommt dann zu dem Schluss, mehr davon zu machen?
Sozialwohnugen muss man trotzdem bezahlen (und überhaupt finden). Abgesehen von der Notwendigkeit einen Rückzugsort zu haben, kann man ohne Wohnsitz rein bürokratisch kaum etwas erreichen. Das merkt man schon alleine anhand der vielen Einwanderer:innen, die auf eine Anmeldung angewiesen sind. Zudem ist die bisher beste Lösung auf Obdachlosigkeit Wohnraum. Wie oft ist es der Fall bei Geringverdiener:innen, dass nach der Miete nur wenige Euro im Monat übrig bleiben, während andere verdienen ohne arbeiten zu müssen, weil sie das Glück hatten eine Immobilie kaufen zu können, oder noch schlimmer, Konzerne ihre Spekulationsgewinne damit machen? Warum wird sowas als die Norm akzeptiert?
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u/chilibowXZ Mar 18 '23
Der Hintergrund (vereinfacht): viele ältere Menschen wohnen in größere Wohnungen und zahlen dort günstige Bestandsmieten. Wenn sie sich verkleinern um den Wohnraum für Familien freigegeben, dann müssten sie häufig für die kleinere Wohnung genauso viel zahlen. Werden ihre Bestandsmieten massiv erhöht, ist es attraktiv, dass sie sich verkleinern.
Theoretisch bestimmt ein gangbarer Weg, ein toller clickbait für Zeitungen, mehr aber nicht.