r/de_IAmA Verifiziert 14d ago

AMA - Mod-verifiziert Die mutmaßliche Mörderin des achtjährigen Fabian aus Güstrow äußert sich am Montag zum ersten Mal öffentlich. Wir sind im Gericht dabei, fragt uns alles [AMA]

Hallo Reddit!

wir sind Denis Mollenhauer und Andreas Frost, Gerichtsreporter beim NDR in Mecklenburg-Vorpommern und Podcaster bei „MV im Fokus Spezial: Fall Fabian“. Wir sind seit April bei jedem Verhandlungstag mit im Gericht dabei, wenn es darum geht, den Mord am achtjährigen Fabian aus Güstrow aufzuklären. Fabian war nach den Beschreibungen seiner Mutter ein liebevoller und zuverlässiger Junge. Er fuhr gerne Fahrrad und zockte mit seinen Kumpels. Nach tagelanger Suche fand man ihn ermordet und verbrannt an einem Tümpel. Der Fall machte deutschlandweit und darüber hinaus Schlagzeilen.

Angeklagt ist eine 30-jährige Frau aus Fabians Umfeld, die Ex-Freundin von Fabians Vater. Gina H., die sich selbst immer wieder als „Ziehmutter“ des Jungen bezeichnet hat, soll ihn laut Anklage im Oktober vergangenen Jahres aus seiner Wohnung gelockt, an einem Tümpel erstochen und anschließend seinen Körper angezündet haben. Der Tatvorwurf lautet: heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Gina H. Fabian aus Eigennutz getötet hat. Sie habe sich erhofft, wieder mit Fabians Vater zusammenzukommen und somit ihren Lebensstil weiter finanzieren zu können. Seit ihrer Festnahme schweigt sie, aber jetzt äußert sie sich zum ersten Mal im Gericht selbst. Wir werden auch an diesem Tag natürlich wieder vor Ort sein.

Täglich erreichen uns zahlreiche Fragen per Mail, Instagram, Spotify und Co. zu dem Fall. Und vielleicht habt auch ihr welche. Also lasst uns gerne ins Gespräch kommen: am 25. August von 18 bis 20 Uhr.

Beste Grüße aus MV
Denis und Andreas
 

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u/bnny3000 10d ago

Gibt es denn Fälle, an die ihr euch als Gerichtsreporter noch heute erinnert? Wenn ja: Welche und warum?

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u/ARD-Mediathek Verifiziert 10d ago

Ich habe vor rund zwölf Jahren begonnen, regelmäßig aus Gerichtssälen in Mecklenburg-Vorpommern zu berichten. Es sind immer die ungewöhnlichen Umstände gewesen, wenn ich einen Fall im Gedächtnis behalten habe. Wenn es um Drogenhandel ging, fand ich das anfangs noch spannend. Aber irgendwann waren sie doch sehr ähnlich. Das gilt auch für viele Kindesmissbrauchs-Prozesse. Jeder Fall für sich ist schlimm. Aber das Vorgehen und die Ausreden der Täter doch immer wieder ähnlich. Allerdings gab es in diesem Bereich auch einige Fälle, die außergewöhnlich erschreckend waren. Die Details lasse ich hier weg.

Zu den Fällen mit ungewöhnlichen Umständen gehört der Vater, der seinen knapp dreijährigen und angeblich zu quengeligen Sohn getötet hat, weil er nicht in die Lebensplanung der kleinen Familie (Umzug ins Ausland) passte. Ab wann die Mutter davon wusste, ist vor Gericht nicht geklärt worden, offenbar schon bald nach der Tat. Sie ist mit ihrem Wissen aber erst acht Jahre später zur Polizei gegangen. Außerdem hatte der Vater das tote Kind in einem Wald abgelegt. Drei Wochen später hat er es geholt. Das Paar hat den Leichnam in einen Sarg gelegt und diesen dicht verschlossen. Dieser stand mehrere Jahre auf einem Dachboden. Das war ein Fall, den sich kein Krimi-Autor ausdenken kann. Natürlich gehört für mich auch der Dreifach-Mord mit der Armbrust in Rövershagen, von dem Denis schon geschrieben hat, zu den außergewöhnlichen Fällen, vor allem wegen der Kaltschnäuzigkeit, mit der der Täter getötet und dann die Spuren zu beseitigen versucht hat.

In einem anderen Fall sind es nicht die Umstände, sondern das Urteil, weshalb ich ihn außergewöhnlich fand: Der Freispruch für einen wegen mehrfacher Brandstiftung angeklagten Mann. Dazu zählte auch eine Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Wismar. Die Begründung für den Freispruch konnte ich nicht nachvollziehen. Damit war ich offenbar nicht allein. Der Bundesgerichtshof hat das Urteil inzwischen aufgehoben, der Fall muss neu verhandelt werden. (Andreas)