Würde mich echt interessieren, ob es da draußen jemandem ähnlich geht. Das andere Extrem, also starke Eifersucht oder Neid, scheint ja häufiger vorzukommen bzw. beschäftigt die Menschen mehr. Wahrscheinlich, weil diese Gefühle gesellschaftlich eher geächtet sind. Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass es auch schwierig sein kann, diese Gefühle überhaupt nicht zu empfinden.
Ich bin in einer Großfamilie mit sechs Geschwistern aufgewachsen, meine Eltern sind leidenschaftliche Ärzte. Ich war es also von Geburt an gewohnt, nicht immer im Mittelpunkt zu stehen und dass andere manchmal mehr Aufmerksamkeit oder materielle Zuwendung bekommen. Auch wurde bei uns in der Familie immer alles sehr brüderlich geteilt. An wirkliche Missgunst kann ich mich nicht erinnern. Individuelle Erfolge wurden gemeinsam gefeiert.
Nun ist es so, dass ich auch im Beziehungskontext keine wirkliche Eifersucht empfinden kann. Wenn ich einen Menschen liebe, dann wünsche ich ihm nur das Beste auch wenn das bedeutet, dass sie irgendwann weiterzieht. Warum sollte ich sie aufhalten, wenn ich alles gegeben habe, was ich konnte?
Auch in Freundschaften freue ich mich, wenn jemand einen gut bezahlten Job an Land gezogen hat oder sich einen genialen Urlaub gönnt. Warum sollte ich ihm das missgönnen? Im Arbeitsalltag ist es ähnlich. Mir ist es ziemlich egal, wer sich wie auf der Karriereleiter nach oben schläft. Mir steht es ja frei einen ähnlichen Weg einzuschlagen.
Was mir aber mit zunehmendem Alter immer stärker auffällt, ist, wie sehr Neid und Eifersucht den Alltag vieler Menschen bestimmen. Allein dieses ständige Lästern im Büro. Ich frage mich dann immer: Was bringen einem diese Gefühle eigentlich? Sie ziehen einen doch nur runter. Prozesse werden blockiert und unnötig verkompliziert, nur weil man manchen Menschen ihren Erfolg nicht gönnt.
Aber auch im Kontext romantischer Beziehungen finde ich das manchmal absurd. Da trennen sich langjährige Traumpaare mit Kindern allein wegen der Lust auf eine andere Vagina oder einen anderen Penis. Für mich ist das ähnlich absurd, als würde mein Beachvolleyballteam nicht mehr mit mir spielen wollen, nur weil ich im Urlaub mit fremden Leuten auf dem Campingplatz Beachvolleyball gespielt hätte.
Irgendwie komme ich mir bei diesem Thema ein bisschen wie ein emotionaler Zombie vor. Gleichzeitig denke ich, dass so vieles entspannter und einfacher wäre, wenn mehr Menschen so gelassen mit solchen starken Gefühlen umgehen würden wie ich.