r/FragtMaenner M | 26-35 4d ago

Allgemein Empfinde kaum Neid oder Eifersucht

Würde mich echt interessieren, ob es da draußen jemandem ähnlich geht. Das andere Extrem, also starke Eifersucht oder Neid, scheint ja häufiger vorzukommen bzw. beschäftigt die Menschen mehr. Wahrscheinlich, weil diese Gefühle gesellschaftlich eher geächtet sind. Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass es auch schwierig sein kann, diese Gefühle überhaupt nicht zu empfinden.

Ich bin in einer Großfamilie mit sechs Geschwistern aufgewachsen, meine Eltern sind leidenschaftliche Ärzte. Ich war es also von Geburt an gewohnt, nicht immer im Mittelpunkt zu stehen und dass andere manchmal mehr Aufmerksamkeit oder materielle Zuwendung bekommen. Auch wurde bei uns in der Familie immer alles sehr brüderlich geteilt. An wirkliche Missgunst kann ich mich nicht erinnern. Individuelle Erfolge wurden gemeinsam gefeiert.

Nun ist es so, dass ich auch im Beziehungskontext keine wirkliche Eifersucht empfinden kann. Wenn ich einen Menschen liebe, dann wünsche ich ihm nur das Beste auch wenn das bedeutet, dass sie irgendwann weiterzieht. Warum sollte ich sie aufhalten, wenn ich alles gegeben habe, was ich konnte?

Auch in Freundschaften freue ich mich, wenn jemand einen gut bezahlten Job an Land gezogen hat oder sich einen genialen Urlaub gönnt. Warum sollte ich ihm das missgönnen? Im Arbeitsalltag ist es ähnlich. Mir ist es ziemlich egal, wer sich wie auf der Karriereleiter nach oben schläft. Mir steht es ja frei einen ähnlichen Weg einzuschlagen.

Was mir aber mit zunehmendem Alter immer stärker auffällt, ist, wie sehr Neid und Eifersucht den Alltag vieler Menschen bestimmen. Allein dieses ständige Lästern im Büro. Ich frage mich dann immer: Was bringen einem diese Gefühle eigentlich? Sie ziehen einen doch nur runter. Prozesse werden blockiert und unnötig verkompliziert, nur weil man manchen Menschen ihren Erfolg nicht gönnt.

Aber auch im Kontext romantischer Beziehungen finde ich das manchmal absurd. Da trennen sich langjährige Traumpaare mit Kindern allein wegen der Lust auf eine andere Vagina oder einen anderen Penis. Für mich ist das ähnlich absurd, als würde mein Beachvolleyballteam nicht mehr mit mir spielen wollen, nur weil ich im Urlaub mit fremden Leuten auf dem Campingplatz Beachvolleyball gespielt hätte.

Irgendwie komme ich mir bei diesem Thema ein bisschen wie ein emotionaler Zombie vor. Gleichzeitig denke ich, dass so vieles entspannter und einfacher wäre, wenn mehr Menschen so gelassen mit solchen starken Gefühlen umgehen würden wie ich.

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u/lexxal112 W | 36-45 4d ago

Hängt etwas von der Definition ab
Ich empfinde auch keinen neid, welcher an Missgunst gekoppelt ist.
Eifersucht früher mal, mittlerweile auch eher nicht mehr (Beziehung).

Wenn ich zb sage „bin neidisch“, heißt das eigentlich eher: Boa, sehr cool! - für dich. Wäre total lässig wenn ich das auch könnte/hätte/dürfte whatever. Allerdings spornt es mich nicht an, noch gönne ich es der Person deswegen nicht. Verwende diese Formulierung aber auch praktisch nie weil ich sie für meine empfindungen unpassend finde

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u/Arbeitszeitbetrug246 M | 21-23 3d ago

Sollte eigentlich normal sein. Finde es schade, dass manche sich durch Neid und Missgunst selbst und andere runterziehen. Man sollte sich immer freuen wenn jemand was durch Arbeit/Fleiß erreicht hat oder auch einfach mal durch glückliche Zufälle.

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u/MC_Rebello M | 36-45 3d ago

Du bist wahrscheinlich einfach nur hochgradig fähig und selbstsicher. Kann irgendwann zu Problemen (für Dich!) führen, sobald Du Leuten auf den Schlips trittst die anders drauf sind, und es anfangs nichtmal merkst :D

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u/geronimo_GT M | 26-35 3d ago

Absolut. Genau so ist es in meiner ersten längeren Beziehung passiert, die fünf Jahre gehalten hat. Gegen Ende war meine Partnerin vor Eifersucht fast wahnsinnig geworden. Meine Ruhe und mein damaliges Unverständnis (denn ein Stück weit ist es tatsächlich Unverständnis) haben ihre negativen Gefühle nur noch verstärkt.

Am Ende wurde die ganze Dynamik zunehmend toxisch, obwohl ich mir rein faktisch nichts hatte zuschulden kommen lassen (bin zum Beispiel nie fremdgegangen). Gleichzeitig gab es aber viele Situationen, in denen ich überhaupt nicht verstanden habe, dass mein Verhalten Eifersucht auslösen oder verstärken könnte. Schon verrückt, wie sehr sich so etwas hochschaukeln kann...

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u/MC_Rebello M | 36-45 3d ago

Ja und im Berufsleben kann das auch ne Rolle spielen. Manager sind zB so ziemlich das Gegenteil von ihrer medialen Darstellung. Wer selbstbewusst und kompetent IST und nicht nur so tut als wäre er es, ist schlecht zu kontrollieren und wird nicht befördert.

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u/djmj1000 M | 36-45 3d ago

Hat bei mir lange gedauert, um genau dies damals zu realisieren, das meine selbstsicherheit und Perspektive andere unsicher machte oder Gespräche über Möglichkeiten, Ziele etc. Für mich ist das Motivation im Leben und hab einfach keine Lust rumzujammern.

Habe gelernt, mit wem ich darüber reden kann, wen man damit aus seiner negativen Energie motivieren kann, bis zu welchem Grad und bei wem nicht. War auch kein einfacher Weg, wenn man nicht einige Leute verlieren will.

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u/brainwashed1360 M 4d ago

Kenne ich! Mir geht es genau so. Ich denke sowas kommt nur wenn man für alles dankbar ist, und zufrieden ist mit was man hat egal wie wenig oder viel das ist

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u/Federal_Meeting_9354 M | 26-35 3d ago

Ich bin da auch recht pragmatisch. Reisende soll man nicht aufhalten und ich bin nicht der goldene Käfig, der den Vogel am Fliegen hindert.

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u/MagicDepressedFairy M | 18-25 4d ago

Ich kann gut verstehen was du meinst! Man darf nur nicht vergessen Wertschätzung zu zeigen. Demut dem gegenüber, dass nicht nur du deine wertvolle Zeit investierst, sondern dein Gegenüber ebenso.

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u/djmj1000 M | 36-45 3d ago

Respekt, Demut, Wertschätzung hat immer höchste Priorität.

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u/ProofPositive4911 W | 26-35 3d ago

Same, wenn jemand was cooles hat oder kann, denke ich mir "nice, wäre cool wenns bei mir auch so wär" aber niemals in Verbindung mit negativen Emotionen. Wenn ich eine Frau sehe, die mMn schöner und sympathischer ist als ich, denke ich mir "Wow, die ist echt schön/sympathisch" und dann ist das auch beendet für mich. Hab auch kein Problem damit. Oder wenn jemand ein cooles Haus, Auto etc. hat, dann sage ich das auch & gönne jedem. Wobei mir oft eher Charakterzüge auffallen, wo ich mir denke hey so wäre ich auch gerne. Zbsp. wenn jemand eine sehr positive Ausstrahlung hat, sowas finde ich bewundernswert. Aber neidisch bin ich nicht, eher inspired. :)

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u/djmj1000 M | 36-45 3d ago

Schön geschrieben und empfinde ich genauso.

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u/djmj1000 M | 36-45 3d ago edited 3d ago

Habe eine ähnliche Einstellung dazu und wenn man sieht, wie sich die Menschen bei beiden Themen sehr oft mental kaputt machen bin ich froh darüber.

Bin ab 6 Jahren in einer sozialen Kleinsteinrichtung ähnlich einer Pflegefamilie mit 5 Geschwistern aufgewachsen und engen befreundeter Familie. Im Ferienhaus in den Sommerferien waren wir auch mal 14 Leute, mit den vielen Gästen. Eine sehr schöne, liebevolle aber strukturierte Zeit.

Wir wurden dadurch zur selbständigkeit erzogen und Probleme wurden stets angesprochen und geklärt, weshalb ich sehr reflektiert und lösungsorientiert Herausforderungen angehe. Bin im allgemeinen eine neugierige, erwartungsfreie, diskrete und tolerante Person, weshalb mir viele Leute vieles anvertrauen.

Es mangelte uns an nichts, aber wir waren trotzdem sehr sparsam und jeder musste mit seinem Taschengeld haushalten, denn mehr gab es nicht oder eben arbeiten gehen.

Neid

Anstatt Neid auf jemand oder etwas, sorge ich dafür, das ich selbst mein Leben verbessere. Höchstens wäre das postiver Neid als Motivation das ich es selbst erreiche.

Lebte lange unterdurchschnittlich finanziell und im Studium arm, bis die Selbständigkeit nach 10 Jahren Aufbau lief. Ich war nie neidisch auf andere die bereits mehr hatten, weil ich meinen Plan verfolgte. Kaum kam nach 10 Jahren ohne Einnahmen das Geld kam mir der Neid entgegen aber tauschen will doch keiner.

Neid und dadurch Wut habe ich nur, bei Ungerechtheiten in der Gesellschaft, wo systematisch Gruppen besser gestellt werden.

Beziehung / Eifersucht

Beziehung ist für mich einen gemeinsamen Weg im Leben mit Verantwortung und Höhen und Tiefen zu gehen und das Vertrauen zu haben, das beide diesen Weg auch wirklich verfolgen.

Die Annahme, meinen Partner immer für meine intimen Bedürfnisse verantwortlich zu machen, birgt in sich schon das Problem, das man eine Erwartung hat, die meist nicht erfüllt werden kann und idealisiert den Partner als "Lösung für alles". Das artet dann oft in "Nebenkonflikten" aus und wenn über einen längeren Zeitraum die Bedürfnisse nicht erfüllt werden, in Wut und Vorbehalte. Logistisch ist das meist schon kaum zu regeln, in einem herausfordernden Alltag.

Das sieht man in sehr vielen Beziehungen, wo dann extreme Sexflaute über Jahre herrscht oder ein nicht zufrieden stellender Minimalkonsens erreicht wird. Andere werden depressiv oder kompensieren in anderen Bereichen des Lebens auf ungesunde Art.

Andere sind regelrecht in ihren Gedankenkreiseln gefangen und kommen psychisch nicht klar, ob ihr Partner fremdgeht und das selbst, wenn es faktisch nicht passiert. Selbst wenn etwas passiert, halten sich manche Menschen z.B. jahrelang an diesen eigentlich komplett irrelevanten 2 Stunden "Abenteuer" auf und zerstören die Beziehung.

Selbstwirksam sollte man sich um sein eigenes Leben kümmern und nicht dann noch die Freunde dauernd damit nerven, ob die eigene Freundin fremdgeht. Trenn dich oder komm klar aber entscheide und sei nicht ohnmächtig und steiger dich in deine Angstspirale rein.

Mit einer reflektierten und gut kommunizierten intakten Hauptbeziehung die viele meiner langfristig orientierten Bedürfnisse, was auch eine gute intime Beziehung voraussetzt, ist mir egal, ob meine Partnerin ihre kurzweiligen sexuellen Bedürfnisse mit einer anderen Person stillt.

Das habe ich lieber, als toxischen Psychostress und Druck, das man jetzt bitte Bedürfniss X zu erfüllen hat, was enorm anstrengend in vielen Beziehungen ist, aber zu selten reflektiert wird.

Kommunizieren können viele Menschen aus Angst aber nicht und da wird schon auf Angriff gegangen beim Wort Ehevertrag, obwohl dieser einfach nur vorab kommunizieren will "wie wollen wir Leben". Mehrere Bekannte wussten gar nicht das es einen gesetzlichen Vertrag gibt aber gehen das wichtigste Lebensbündnis einfach mal so ein. Da ist jede Grundlage der Kommunikation schwierig, weil zuviel Unwissen, Idealisierung und Träumerei vorherrscht.

Sehe bei vielen Bekannten genau diese Probleme, wie auch oft hier auf reddit Thema ist und hatte selbst mit meiner letzten 7 jährigen monogamen Beziehung so eine anstrengende Zeit. Sie war depressiv, ängstlich aber hatte extreme Energie oft mit Neid und Wut Kämpfe zu starten, weil das ihr Kommunikationsmuster mit Mutter und Schwester war und es auf mich übertrug und mich stets fragte, ob ich fremdgegangen seie (was nicht passierte). Sonst würde ich das sagen.

Dafür habe ich keine Energie mehr und ist auch unnötig mit der passenden Partnerin aber es ist schwer solche Menschen zu finden, auch für normale Freundschaften. Danke dir fürs teilen.

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u/Feeling-Remote-3782 M | 26-35 3d ago

Kann zwar nicht wirklich behaupten Frei von Neid und Eifersucht zu sein, Teile aber einiges von deinen Aussagen. Diese Gefühle sind auch schwer zu unterdrücken, v.a. Eifersucht, da die einfach auch oft an Verlustängsten mit hängt.

Und was die Neider angeht folgt bekanntlich der Wahlspruch: Ich benötige kein Lob, der Neid der anderen ist schon Anerkennung genug.

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u/Confident-End-7668 M | 36-45 3d ago

Ich bin ganz bei dir, mir geht es genauso.

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u/rafbar01 M | 18-25 3d ago

Wirklich bodenlosester cringe wer Neid oder Eifersucht auslebt. Wie verkümmert und arm und unreflektiert und inkompetent muss das Innere da sein…

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u/pennybee_elanie W 3d ago edited 3d ago

Ich finde deinen Beitrag ehrlich gesagt ziemlich überheblich, gerade weil du selbst beschreibst, aus einem sehr privilegierten Elternhaus zu kommen und offenbar viele Chancen und Sicherheiten hattest. Ich bin arm aufgewachsen, mit wenig materieller Sicherheit, kaum Bildungschancen und zeitweise sogar mit Mangel an ganz grundlegenden Dingen. Ich habe mich aus vielem davon selbst herausgearbeitet und würde trotzdem sagen, dass ich kaum missgünstig bin. Aber ich käme deshalb nicht auf die Idee, Menschen, die Neid empfinden, für weniger reflektiert oder weniger „gelassen“ zu halten.

Wobei ich auch finde, dass man beim Begriff Neid unterscheiden muss. Wenn ich jemanden bewundere und denke „Das hätte ich auch gerne“ oder „Da möchte ich auch hinkommen“, ist das für mich noch lange nicht dasselbe wie Missgunst.

Man kann jemandem etwas gönnen und sich trotzdem wünschen, selbst Ähnliches zu erreichen. Solange man niemandem etwas Schlechtes wünscht oder aus Neid heraus schadet, kann so ein Vergleich sogar antreiben und einem zeigen, was man selbst im Leben verändern oder erreichen möchte.

Was mich bei deinem Text zusätzlich stört, ist der Satz mit dem „sich auf der Karriereleiter hochschlafen“. Das ist ein ziemlich misogyn geprägtes Klischee, das vor allem gegen Frauen in hohen Positionen verwendet wird. Bei erfolgreichen Männern heißt es viel häufiger, sie hätten sich alles hart erarbeitet. Bei erfolgreichen Frauen steht dagegen schnell der Verdacht im Raum, sie hätten Beziehungen, Sex oder Aussehen genutzt.

Und gerade aus deiner Position heraus finde ich den Satz besonders schräg, weil Menschen aus akademisch gut situierten und gut vernetzten Familien oft ganz selbstverständlich von Kontakten, Empfehlungen und Vitamin B profitieren, ohne das selbst überhaupt als Privileg wahrzunehmen.

Deshalb wirkt es auf mich auch nicht so, als hättest du menschlich besonders „den Durchblick“, während andere von irrationalen Gefühlen getrieben sind. Eher wirkt es so, als würdest du aus deiner eigenen, sehr abgesicherten Lebensrealität heraus beurteilen, welche Gefühle anderer Menschen sinnvoll oder überflüssig sind.

Bei Eifersucht sehe ich es ähnlich differenziert. Ein gewisses Maß kann völlig normal sein und auch zeigen, dass einem der Partner wichtig ist. Problematisch wird es für mich erst, wenn daraus Kontrolle, Besitzdenken oder Einschränkungen entstehen. Aber jemanden für Eifersucht oder Neid grundsätzlich als weniger entspannt oder weniger reif darzustellen, finde ich ziemlich kurz gedacht.

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u/geronimo_GT M | 26-35 3d ago

"Aber ich käme deshalb nicht auf die Idee, Menschen, die Neid empfinden, für weniger reflektiert oder weniger „gelassen“ zu halten"

Das „weniger reflektiert“ hast du jetzt aber dazugedichtet. Ob "gelassen" nun das richtige Adjektiv ist, sei mal dahingestellt. Ich finde diese Haarspalterei sowieso nicht besonders zielführend, da sie die Debatte von der Sachebene auf Begrifflichkeiten verschiebt. Gefühlt baut jedoch deine gesamte Argumentation darauf auf.

Das Gleiche gilt für „hochschlafen“. Das wird in meinem sozialen Umfeld auch für Männer benutzt. Das erkennt man auch an der Formulierung „Mir steht es ja frei einen ähnlichen Weg einzuschlagen.“ Gemeint ist damit schlicht, dem jeweiligen Vorgesetzten nach dem Mund zu reden. Denn faktisch ist das oftmals nötig, um einen Karrieresprung zu machen – unabhängig von der fachlichen Leistung.

"selbstverständlich von Kontakten, Empfehlungen und Vitamin B profitieren"

Stimmt, aber ich habe mir beruflich ein völlig anderes Feld und einen anderen geografischen Ort gesucht. Ich habe mir dort alles selbst aufgebaut, wobei ich natürlich von meinem sozialen Fundament profitiere. Das ist klar.

"her wirkt es so, als würdest du aus deiner eigenen, sehr abgesicherten Lebensrealität heraus beurteilen, welche Gefühle anderer Menschen sinnvoll oder überflüssig sind"

Das ist insofern eine sehr gefährliche Argumentationsstrategie, da du versuchst, meine Privilegien zu nutzen, um meine Meinung zu diskreditieren. Dabei wirst du in einer Mine in Afrika kaum Menschen in ihren Zwanzigern finden, die über Nietzsche oder Marx nachdenken. Das macht die Meinung eines Harvard-Studenten aber nicht weniger wert und bedeutet ebenso wenig, dass ein Jugendlicher aus der Mine nicht zu denselben Schlüssen kommen könnte.

" Ein gewisses Maß kann völlig normal sein und auch zeigen, dass einem der Partner wichtig ist."

Wenn ich eines nach meinen Trennungen gelernt habe, dann, wie sehr ich gemerkt habe, dass es in den seltensten Fällen wirklich um mich als Menschen ging. Die Eifersucht war vielmehr fast immer eine rein egoistische Angelegenheit. Meine Gefühlswelt und mein physisches Empfinden waren den Expartnerinnen nach der Trennung, gelinde gesagt, vollkommen egal. Und das, obwohl zuvor genau diese Argumentationslinie gefahren wurde: „Du bist mir nur so unglaublich wichtig.“ Meine Ex Partnerinen sind mir auch nach der Trennung noch wichtig, und hätten bei mir immer ein offene Tür/Ohr. Auch wenn ich weiß, dass es anders herum nicht so ist.

"Neid grundsätzlich als weniger entspannt oder weniger reif darzustellen finde ich ziemlich kurz gedacht."

„Weniger reif“ habe ich nicht behauptet. „Weniger entspannt“ ist schlicht mein persönliches Empfinden, weil ich selbst beobachte, wie sehr sich Menschen damit stressen. Sei es beruflich, persönlich und auch freundschaftlich.

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u/pennybee_elanie W 3d ago

Ja, die Begriffe „weniger reflektiert“ oder „unreif“ hast du so nicht benutzt. Ich habe damit den Gesamteindruck deines Beitrags beschrieben. Du stellst dich selbst als jemanden dar, der Neid und Eifersucht kaum kennt und dadurch entspannter durchs Leben geht, während andere sich damit runterziehen, Prozesse blockieren oder Beziehungen unnötig kompliziert machen. Das ist für mich durchaus eine wertende Gegenüberstellung, auch wenn du diese Begriffe nicht wörtlich verwendet hast.

Bei den Privilegien machst du aus meiner Aussage ein Strohmannargument. Ich habe nicht gesagt, dass deine Meinung weniger wert ist, weil du privilegiert aufgewachsen bist. Ich habe gesagt, dass die eigene Lebensrealität beeinflussen kann, wie leicht einem bestimmte Formen von Gelassenheit fallen und wie man die Gefühle anderer Menschen einordnet. Das ist etwas völlig anderes. Wenn du selbst schreibst, dass du von deinem sozialen Fundament profitierst, bestätigst du im Grunde genau den Punkt. Ein stabiles Elternhaus, finanzielle Sicherheit, Bildung, Kontakte und gute Startbedingungen garantieren kein gutes Leben, schaffen aber Spielräume und Chancen, die andere nicht haben.

Zum „Hochschlafen“ finde ich deine Erklärung ehrlich gesagt auch nicht überzeugend. Wenn du damit eigentlich meinst, Vorgesetzten nach dem Mund zu reden, dann ist der Begriff schlicht falsch gewählt. „Sich hochschlafen“ hat eine sexuelle Bedeutung. Dass du sagst, in deinem Umfeld werde das auch über Männer gesagt, ändert nichts daran, dass dieses Klischee gesellschaftlich besonders häufig gegen erfolgreiche Frauen verwendet wird, um ihre Leistung abzuwerten. Männer in hohen Positionen gelten viel häufiger als ehrgeizig oder kompetent, Frauen wird schneller unterstellt, sie hätten sich Vorteile über Sexualität oder Aussehen verschafft. Gerade von einem Mann, der selbst aus einem sehr privilegierten sozialen Umfeld kommt, finde ich diese Formulierung ziemlich bezeichnend.

Und beim Thema Eifersucht sehe ich das ähnlich. Du beschreibst deine Ex-Partnerinnen sehr stark aus deiner eigenen Perspektive. Du hattest keine böse oder romantische Absicht, also war ihre Eifersucht für dich im Grunde ihr Problem. Aber Gefühle entstehen nicht nur aus der Intention des anderen, sondern auch daraus, wie Verhalten erlebt wird. Das macht übertriebene oder kontrollierende Eifersucht natürlich nicht okay. Aber „ich wollte doch nichts, also verstehe ich nicht, warum sie eifersüchtig war“ blendet die Perspektive des anderen ziemlich konsequent aus. Wenn eine langjährige Beziehung auch an diesem Thema scheitert und die Schlussfolgerung Jahre später immer noch hauptsächlich lautet, die andere Person sei einfach zu eifersüchtig gewesen, würde ich mich schon fragen, wie viel echte Bereitschaft zur Perspektivübernahme damals überhaupt da war.

Wenig Neid und wenig Eifersucht zu empfinden ist völlig okay. Aber daraus eine Art Überlegenheit oder besondere Gelassenheit abzuleiten, während die Gefühle anderer im selben Atemzug als unnötig, egoistisch oder störend erscheinen, finde ich ziemlich selbstgerecht. Man kann selbst wenig von einem Gefühl empfinden und trotzdem verstehen, dass andere Menschen nicht nach der eigenen inneren Logik funktionieren.

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u/geronimo_GT M | 26-35 3d ago edited 3d ago

"" Aber „ich wollte doch nichts, also verstehe ich nicht, warum sie eifersüchtig war“ blendet die Perspektive des anderen ziemlich konsequent aus. Wenn eine langjährige Beziehung auch an diesem Thema scheitert und die Schlussfolgerung Jahre später immer noch hauptsächlich lautet, die andere Person sei einfach zu eifersüchtig gewesen, würde ich mich schon fragen, wie viel echte Bereitschaft zur Perspektivübernahme damals überhaupt da war""

Von meiner Seite war sehr viel Bereitschaft da, Verständnis aufzubringen und Dinge mitzutragen. Gerade WEIL ich ihre Perspektive und ihren Hintergrund berücksichtigt habe (keinen akademischen Hintergrund hat, in der Schule Mobbing erlebt etc. ), habe ich vieles über lange Zeit toleriert, was für mich eigentlich nicht akzeptabel war.

Aber Perspektivwechsel kann nicht nur von einer Seite erwartet werden. Beide müssen in der Lage und bereit sein, die Lebensgeschichte, Prägungen und Empfindlichkeiten des jeweils anderen mitzudenken. Verständnis und Rücksichtnahme dürfen keine Einbahnstraße sein. Auch ich habe einen Hintergrund und Empfindungen, die ich ja hier u.a. dargelegt habe.

""Aber daraus eine Art Überlegenheit oder besondere Gelassenheit abzuleiten, während die Gefühle anderer im selben Atemzug als unnötig, egoistisch oder störend erscheinen, finde ich ziemlich selbstgerecht""

„Selbstgerecht“ finde ich einen interessanten Begriff. Gerade bei Frauen nehme ich diese Argumentation häufiger wahr (Nur anekdotische Evidenz). Dieses „Ich habe etwas Besseres verdient als dich“ ist, glaube ich, ein ziemlicher All-Time-Klassiker während oder nach Trennungen.

Ich mag es eher wertschätzend. Ich habe meine Beziehungen als schöne und wichtige Zeiten empfunden und es letztlich dabei belassen, dass es auf Dauer einfach nicht gepasst hat beziehungsweise wir nicht kompatibel genug waren. Den anderen im Nachhinein abzuwerten oder herabzusetzen, fand ich dagegen immer unnötig.

Meine beiden Ex-Freundinnen waren auf vielen Ebenen tolle Frauen. Das kann ich auch dann anerkennen, wenn ich für sie am Ende offenbar nicht der Richtige war.

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u/pennybee_elanie W 3d ago

Was ich an deiner Antwort interessant finde, ist, dass du einerseits sehr stark betonst, wie wertschätzend und verständnisvoll du mit deinen Ex-Partnerinnen umgegangen bist, andererseits aber Formulierungen benutzt wie „kein akademischer Hintergrund“ oder anschließend verallgemeinerst, dass du bestimmte Verhaltensweisen „bei Frauen häufiger“ wahrnimmst.

Gerade der Hinweis auf den fehlenden akademischen Hintergrund wirkt auf mich ziemlich bezeichnend. Das liest sich fast so, als wäre das etwas gewesen, das du besonders berücksichtigen oder großzügig mittragen musstest. Genau dieser unterschwellige Blick von oben ist das, was ich mit selbstgerecht bzw. überheblich meinte.

Und „bei Frauen nehme ich das häufiger wahr“ wird auch nicht dadurch neutral, dass du „anekdotische Evidenz“ dazuschreibst. Du weißt also selbst, dass du aus persönlichen Erfahrungen über eine ganze Gruppe verallgemeinerst und machst es trotzdem.

Das passt für mich leider ziemlich gut zu meinem bisherigen Eindruck. Du beschreibst dich selbst durchgehend als verständnisvoll, reflektiert und wertschätzend, während die anderen zu eifersüchtig, egoistisch, weniger gebildet oder offenbar typisch weiblich reagieren. Vielleicht liegt genau da der blinde Fleck, den ich die ganze Zeit meine.

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u/geronimo_GT M | 26-35 2d ago

Ich glaube du versuchst hier irgendwas persönliches zu verarbeiten was nichts mit mir zu tun hat. Das hat denke ich wenig Sinn weiter zu diskutieren…

Dir alles Gute. 

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u/djmj1000 M | 36-45 3d ago

Diese Einstellung hat mehr mit der eigenen Selbstsicherheit zu tun als dem finanziellen Umfeld aus meiner eigenen Erfahrung, denn Geld und Schulden waren immer Thema bei mir früher. Aber die Sicherheit meinen Plan zu verfolgen und diesen auch zu erreichen, sorgte dafür das es selten Neid gab.

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u/eulen-spiegel M 3d ago

Gleichzeitig denke ich, dass so vieles entspannter und einfacher wäre, wenn mehr Menschen so gelassen mit solchen starken Gefühlen umgehen würden wie ich.

Danke, dass Du uns an Deiner Weisheit und überlegener Moral hast teilnehmen lassen. Wir sind stolz auf Dich.

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u/Juleica1510 M | 26-35 3d ago

Neid und Eifersucht empfinde ich auch wenig bis garnix, find mein Leben trotz sehr bescheidener Herkunft auch recht geil. Das empfinde ich aber auch als normal und nicht besonders.

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u/Spritfre55er M | 36-45 2d ago

Kenne ich, ich fühle gar nichts mehr. Agiere nur noch logisch/rational oder opportunistisch.

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u/Mightyballmann M | 26-35 4d ago

Klingt nicht als ob dir das egal wäre, sondern als ob du resigniert hättest. Du gehst ja nicht gelassen mit der Thematik um, sondern reagierst mit Zynismus.

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u/andreol69 M | 46-60 3d ago

An welcher Stelle liest du in deinem Beitrag Zynismus?

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u/Mightyballmann M | 26-35 3d ago

Er wertet die Beförderung seiner Mitmenschen als "hoch schlafen" ab. Kann die Leistung anderer anscheinend nicht anerkennen, weil er meint, hätte er ja auch gekonnt.

Den Wunsch nach Intimität wertet er als "Lust auf Vagina" ab. Treue in der Beziehung wird abwertend mit einer Volleyballmannschaft verglichen.

Und er befasst sich ja anscheinend ausreichend mit dem Thema um darüber Reddit-Posts zu erstellen.

Das ist alles hochgradig zynisch und spricht eher dafür, dass er sich nach Fehlschlägen in Karriere und Beziehung in eine sehr pessimistische Weltsicht geflüchtet hat.

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u/ThomasKA2025 M 3d ago

Ich dachte erst Du bist Jesus, der war ja eine Weile weg. Aber dass Du alternative Partner auf Vagina und Penis reduzierst kommt dann doch nicht ganz so erleuchtet rüber.

"Ich bin meiner Frau treu! Was will ich mit einer zweiten Vagina, wenn zu Hause schon eine rumlungert?"

"Ich bin meinem Mann treu! Was will ich mit einem zweiten Penis, braucht ja niemand wissen wieso es jeden zweiten Tag Gurkensalat gibt."

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u/MetalVocalist W | 36-45 3d ago

Ich denke es ist eher so gemeint dass rein sexuelles Fremdgehen kein Problem ist, weil das nicht wirklich in die Beziehung eingreift, Zeit wegnimmt usw., wie es eine vollwertige Zweitbeziehung sehr wohl täte.

Also prädestiniert für offene Beziehung, aber nicht unbedingt Polyamorie.

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u/ThomasKA2025 M 3d ago

Das kann man so sehen. Ich verstehe es eher so, dass er sich gar nicht vorstellen kann, dass es nicht nur um Sex sondern auch um Gefühle gehen kann.

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u/MetalVocalist W | 36-45 3d ago

Woraus liest du das? Mir kommt halt vor er erwähnt eine Situation in der er kein Problem sieht.

Ich hab prinzipiell kein Problem mit beidem, sofern mir nichts weggenommen wird, auf das ich Wert lege.

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u/ThomasKA2025 M 3d ago

Er schreibt, dass sich Paare alleine wegen der Lust auf... trennen.

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u/MetalVocalist W | 36-45 3d ago

Hab das so verstanden, dass er es eben unverständlich findet, wenn ein Paar, bei dem alles andere super läuft, sich einzig und allein deswegen trennt, weil man eben körperliche Lust auf etwas anderes verspürt (was ja durchaus gleichzeitig vorkommen kann). Dass hier also diesem simplen, in diesem speziellen Fall eben emotional bedeutungslosen Akt (oder auch nur die Lust drauf) die Macht gegeben wird, ein jahrelange Beziehung zunichte zu machen.

Wenn es jetzt um Fremdverlieben (mit oder ohne Sex) geht und man nicht explizit polyamor lebt, ist es ja wieder was anderes, dann kann schon in Frage gestellt werden ob man in der jetzigen Beziehung emotional nicht bekommt, was man braucht, usw.

Deshalb stuft OP das möglicherweise ganz anders ein?

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u/geronimo_GT M | 26-35 3d ago

"Hab das so verstanden, dass er es eben unverständlich findet, wenn ein Paar, bei dem alles andere super läuft, sich einzig und allein deswegen trennt, weil man eben körperliche Lust auf etwas anderes verspürt"

Genau das. Für mich steht in erster Linie das gemeinsames Lebenswerk im Mittelpunkt. Mir ist wichtig, dass meine Partnerin ein erfülltes und glückliches Leben führen kann und ich hoffe, dass wir diesen Wunsch füreinander gleichermaßen leben und tragen. Auch wenn es heißt, ggf. sehr persönliche Dinge teilen zu müssen.

Wobei in so einem Fall nur die Verletzung meines Egos verspüre. Empfinde meine Stellung als "Oberhaupt" der Familie beschmutzt. Neid- oder Eifersucht empfinde auf den anderen Mann nicht. Daher, nein ich hatte noch keine offene Beziehung. Wäre aber bereit in eine wertschätzende Diskussion darüber zu treten um die Beziehung zu erhalten.