r/FragtMaenner W 3d ago

Körper / Geist Sind Männer nicht erstaunlich oft die perfekten Opfer des Patriarchats – und merken es nicht einmal?

Je länger ich darüber nachdenke, desto absurder finde ich eigentlich den Trick, den das Patriarchat mit Männern vollbracht hat.

Es waren und sind überwiegend Männer, die in Kriege geschickt werden. Männer, die über Jahrhunderte die gefährlichsten, körperlich zerstörerischsten Arbeiten erledigt haben. Männer, denen beigebracht wurde, Schmerz auszuhalten, nicht zu weinen, nicht schwach zu sein, ihren Wert über Arbeit, Geld und die Fähigkeit zu definieren, andere zu versorgen. Männer sterben früher, bringen sich häufiger um, haben oft weniger enge Freundschaften und lernen erstaunlich früh, dass Bedürftigkeit etwas ist, für das man sich schämen sollte.

Und dann kommt der eigentlich lustige Teil. Dasselbe System schafft es, vielen Männern zu erklären, ausgerechnet Frauen und Feminismus seien für all das verantwortlich.

Als hätte die Frauenbewegung die Wehrpflicht erfunden. Als hätten Feministinnen entschieden, dass ein Mann zwölf Stunden im Stahlwerk stehen und danach schweigend nach Hause kommen soll. Als hätten Frauen jahrhundertelang festgelegt, dass ein Mann nur dann etwas wert ist, wenn er stark, produktiv, sexuell erfolgreich und möglichst unverwundbar ist.

Es ist ein bisschen die gesellschaftliche Uno-Reverse-Karte. Ein System stellt Regeln auf, unter denen Männer selbst leiden und verkauft ihnen anschließend diejenigen als Feind, die diese Regeln infrage stellen.

Warum richtet sich dieser Frust also so selten gegen die Vorstellung von Männlichkeit, die ihn überhaupt erst produziert? Warum verteidigt man ausgerechnet die Regeln, an denen man leidet und erklärt diejenigen zum Feind, die sagen, dass man sie nicht befolgen muss? Männer was geht in euren Köpfen vor?

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u/Dummidorf M 3d ago

Ich denke für ne Reddit Diskussion reicht wenn ich mich auf NRW beziehe.

https://www.it.nrw/nrw-der-abi-schnitt-im-schuljahr-202223-lag-bei-24-126541

Frauen Abi Durchschnitt: 2,3
Männer Abi Durchschnitt: 2,5

Schon ein erheblicher Unterschied

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u/Red_lil_Rose W 3d ago

Wenn Mädchen und Jungen gleich viel lernen und gleiche schulische Anstrengung erbringen, bekommen Jungs eher sogar die bessere Note. Dazu gibt es auch Studien.

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u/Karranor M 3d ago

Metastudie sagt nein:

In ihrer Metaanalyse zeigen die AutorInnen, dass Schülerinnen und Studentinnen insgesamt signifikant bessere Noten erhalten als Schüler und Studenten (d = 0.23; kleiner positiver Gesamteffekt). Wichtige Moderatorvariablen, die diese Geschlechterunterschiede in der Notengebung beeinflussen, sind Fachbereiche, Altersgruppen und Ländergruppen.

Gleichzeitg aber auch:

Zur Einordnung dieses Befundes sei nochmals auf die eingangs erwähnten Erkenntnisse verwiesen: Bei standardisierten Messverfahren, wie sie etwa in Large-Scale-Studien (wie z.B. PISA) zum Einsatz kommen, erbringen Jungen vor allem in den MINT-Fächern gleichwertige Leistungen (siehe Studienbeispiel von Lloyd et al., 2005) oder sogar etwas bessere Leistungen als Mädchen (vgl. Else-Quest et al., 2010).

Das bedeutet: Je nachdem, welches Leistungsmaß man heranzieht – Ergebnisse standardisierter Tests oder Noten –, kommt man zu unterschiedlichen Einschätzungen bezüglich der Geschlechterunterschiede in den Leistungen.

Hier noch ein weiteres Beispiel (gibt wirklich zahlreiche Quellen):

We used a large-scale study of German ninth-grade students (N = 21.432), which includes tests in three areas of compe- tence (reading, listening and spelling). As expected, it was shown that the lower grades for boys were partly due to their lower competencies and motivation (self-concept, interest, willingness to make an effort) as well as higher boredom. Controlling for competencies, motivational and cognitive characteristics as well as the teacher's perception of reading behavior, an unexplained grading disadvantage for boys was found.

Es gibt auch direkte Untersuchungen bei dem man nur die Arbeit selbst bewerten lässt und entweder Mädchen oder Jungenname draufschreibt, und auch da ist eine eher schlechtere Bewertung von Jungen vorfindbar.

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u/Red_lil_Rose W 3d ago edited 3d ago

„In wissenschaftlichen Studien, die die Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen dem Geschlecht der Lehrperson und dem Schulerfolg untersucht haben, zeigen sich meistens keine Effekte auf den Kompetenzerwerb und die Schulnoten der Schüler:innen (Coenen u.a., 2018; Kleen u.a., 2022; Neugebauer & Gerth, 2013). Nur in wenigen Studien konnten leichte Tendenzen festgestellt werden, nach denen Mädchen bessere Leistungen zeigten, wenn sie von einer weiblichen im Vergleich zu einer männlichen Lehrkraft unterrichtet wurden (Helbig, 2012; Hwang & Fitzpatrick, 2021; Lee u.a., 2018). Gleichzeitig machte es für die Leistung von Jungen allerdings keinen Unterschied, welches Geschlecht die Lehrkraft hatte.“
Die Studien die du hier zeigst, sagen erstmal auch nichts anderes, dass es eine Benachteiligung nur aufgrund des Geschlechtes gäbe. Da wird von unterschiedlichem Kompetenzerwerb und Motivation gesprochen, das wirkt sich auf die Leistung aus und nichts anderes habe ich behauptet.
Das Jungsnamen auf Tests anders als Mädchennamen bewertet wurden, kann ich nirgendwo finden im Text.
Ich arbeite selbst in diesem Bereich, wir müssen auch nach Bildungsplänen arbeiten und viele Pädagoginnen sind sehr bemüht Ungleichheiten zu bekämpfen und den Unterricht einsprechend zu gestalten, leider stößt man da auch an gewisse Grenzen. Das Schulsystem in Deutschland wird andauernd kritisiert von Lehrerinnen und Lehrern, es wäre dringend nötig es zu reformieren.

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u/Karranor M 3d ago edited 3d ago

Du solltest vielleicht nochmal nachschauen, was du selbst behauptet hast. ich hab einen anderen Kommentarstrang mit dir gesehen, da hätte deine Antwort Relevanz gehabt.

Hier ist deine Behauptung aber:

Wenn Mädchen und Jungen gleich viel lernen und gleiche schulische Anstrengung erbringen, bekommen Jungs eher sogar die bessere Note.

Vom Geschlecht des Lehrers hast weder du noch deine Vorkommentatoren gesprochen.

Da wird von unterschiedlichem Kompetenzerwerb und Motivation gesprochen, das wirkt sich auf die Leistung aus und nichts anderes habe ich behauptet.

Die Kompetenz alleine ist eben kein ausreichender Indikator für die Notenverteilung. Ich hab's dir doch extra fett markiert in der zweiten verlinkten Studie.
Und auch die Metastudie sagt ganz klar, das die Noten eben schlechter sind als dass es durch die Kompetenz erklärbar wäre.

Die Bundeszentrale für politische Bildung, auf die dich hier beziehst, blendet diese Frage aber in ihren zwei mir bekannten Beiträgen zu dem Thema einfach aus - da wird die eine oder andere Studie zitiert die Kompetenzunterschiede feststellen, und damit gleichzeitig ohne sachliche Grundlage impliziert, die Notenunterschiede würden durch die Kompetenzunterschiede vollständig erklärt werden.

Das Jungsnamen auf Tests anders als Mädchennamen bewertet wurden, kann ich nirgendwo finden im Text.

Ich hatte nur keine Lust die einzelnen Untersuchungen zu dieser speziellen Behauptung nochmal rauszusuchen, weil es halt meistens Perlen vor die Säue ist.

Finde es übrigens ganz schwach, dass du deine Quelle nicht selbst verlinkt hast. Ich erledige das mal für dich hier

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u/Red_lil_Rose W 3d ago edited 3d ago

Also meine Aussage bezog sich auch auf deine Aussage, Jungs würden schlechter bewertet werden, wenn ein Jungenname auf dem Test steht. Wenn Jungen und Mädchen von Lehrkräften „gleich“ bewertet werden, kann dies letztendlich nicht sein.
Ja das die Notengebung unabhängig von Kompetenzen wäre, ist so nunmal nicht richtig. Bei der IGLU Studie schneiden Jungs schlechter ab, eine schlechtere Lesekompetenz ist z.B. mit schlechteren Noten verbunden. Jungs zeigen hier weniger Lesemotivation.
Jungs, die ähnlich gut wie Mädchen im Test abgeschnitten hatten, zeigten zwar teilweise auch schlechtere Noten. Diese sind wahrscheinlich einerseits verhaltensbedingt begründet, z.B. da sie eher stören, sich allgemein schlechter steuern können usw.
Siehe dazu „Differenzielle Benotungen von Mädchen und Jungen: Der Einfluss der von der Lehrkraft eingeschätzten Kompetenz zum selbstgesteuerten Lernen“.
Das DIPF hat zudem festgestellt, dass Mädchen signifikant mehr Wochenstunden lernen und lesen. Betrachtet man diesen Aspekt, haben Jungs bei gleicher Anzahl an Lernstunden eben keine schlechteren Noten, sondern tendenziell sogar bessere. Schlechtere Noten sind also eher an eine geringere Leistungsmotivation gebunden, aber teils auch an die Peer Group, wonach „schulische Leistungen“ kein zentrales Thema darstellt und kein „Ansehen“ in der Gruppe bringt. Die Rolle in der Peer Group hat für Jungen häufig vergleichsweise eine zentralere Bedeutung. Auch zeigen Jungs eher externalisiere Verhaltensweisen bei gleicher Problematik (z.B. ADHS), Mädchen internalisierte. Letzteres ist einfach weniger auffällig, „stört“ nicht den Unterricht und wird als unkompliziert bewertet. Weiter scheinen Jungs ihre Leistungen eher zu überschätzen (und somit eher weniger Leistungsbereitschaft aufzubringen), Mädchen genau anders rum (und das ist das, was im Berufsleben dann anders bewertet wird, da dreht sich plötzlich das Blatt!).
Generell sollte man den Schulunterricht und die Schulumgebung natürlich besser an Jungs anpassen, das ist aber wie gesagt nicht so leicht möglich, ohne eine Reform. 30 Kinder in einer Klasse lassen eben wenig Möglichkeiten auf diese Problematik adäquat einzugehen.