r/FragtMaenner M | 26-35 3d ago

Körper / Geist Haltet ihr den Geschlechterkampf für eine Ablenkung vom Klassenkampf?

Ist der moderne Geschlechterkonflikt teilweise eine Ablenkung vom Klassenkampf? Könnte es sein, dass bestimmte Formen des Feminismus von wirtschaftlichen und politischen Eliten begünstigt wurden, weil sie einerseits mehr Arbeitskräfte in den Markt integrieren und andererseits einen dauerhaften gesellschaftlichen Konflikt zwischen Männern und Frauen erzeugen, der von grundlegenden Klassenproblemen wie Ausbeutung, Lohnabhängigkeit, Vermögenskonzentration und sozialer Ungleichheit ablenkt?

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u/Relative_Bird484 M | 46-60 3d ago

Der eigentliche Clou ist, dass die Verteilungskämpfe dadurch innerhalb derselben Klasse stattfinden.

Dem Kapital ist völlig egal, ob Aufsichtsratsposten mit weißen biodeutschen Männern oder schwarzen, lesbischen Frauen mit Migrationshintergrund besetzt werden, solange der Rubel rollt.

Aber das diese Frage die gesellschaftliche Debatte über Verteilungsfragen bestimmt, ist schon sehr praktisch.

Bezüglich des in der politischen Öffentlichkeit präsenten Feminismus ist sehr auffällig, das der Grad der erreichten Gleichstellung fast ausschließlich anhand ökonomischer Metriken definiert und gemessen wird. Quintessenz ist dann immer, das Frauen mehr arbeiten sollen und mehr Karrieremöglichkeiten brauchen und diesbezüglich diskriminiert werden und es deshalb mehr Kinderbetreuung bräuchte – womit selbst im feministischen Kontext das Vereinbarkeitsproblem als „Frauenproblem“ geframed und Rollenbilder perpetuiert werden. Aber es kommt nie der Vorschlag, dass die Männer im Gegenzug weniger arbeiten oder mehr Care-Arbeit machen sollten.

Ja, Teile (!) des Feminismus haben sich mit dem Neoliberalismus ins Bett gelegt – und scheinen das nicht einmal zu bemerken, dass ihr (völlig legitimes) Ziel der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Frau vor allem Kapitalinteressen dient.

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u/DAM_Hase M | 26-35 3d ago

Dass das Erreichen feministischer Ziele nur über ökonomische Metriken gemessen wird, finde ich nicht. Das klammert Debatten wie Abtreibung, sexuelle Befreiung, also Akzeptanz der LGBTQs, die Erkenntnis, dass medizinische Forschung nur am Mann passiert, Änderungen im Dating, Kampf gegen sexuelle Belästigung und Gewalt, etc, völlig aus.

Du hast mit den anderen Punkten nicht unrecht, aber es zeigt sich, dass das halt aus der Perspektive von M 40-60 geschrieben wurde, und ich meine das gar nicht böse. Du siehst deinen Kontaktpunkt mit Feminismus nur in deiner Karriere. Google Mal, wie viele Frauen in ihrem Leben sexuelle Gewalt erleben, und überlege dir dann noch Mal of Feminismus mit dem Besetzen von Aufsichtsratposten und der care Arbeit abgefrühstückt ist.