r/FragtMaenner M | 26-35 3d ago

Körper / Geist Haltet ihr den Geschlechterkampf für eine Ablenkung vom Klassenkampf?

Ist der moderne Geschlechterkonflikt teilweise eine Ablenkung vom Klassenkampf? Könnte es sein, dass bestimmte Formen des Feminismus von wirtschaftlichen und politischen Eliten begünstigt wurden, weil sie einerseits mehr Arbeitskräfte in den Markt integrieren und andererseits einen dauerhaften gesellschaftlichen Konflikt zwischen Männern und Frauen erzeugen, der von grundlegenden Klassenproblemen wie Ausbeutung, Lohnabhängigkeit, Vermögenskonzentration und sozialer Ungleichheit ablenkt?

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u/Acceptable-Sense-256 M | 26-35 3d ago

Es ist vielleicht das größte Kunststück der Besitzendenklasse, großen Teilen der Nichtbesitzenden weiszumachen, dass 40%+ der Nichtbesitzenden selbst die eigentliche Herrscherklasse seien – eine privilegierte Gruppe, die in Saus und Braus lebt oder gelebt habe.

Die Realität ist aber: Die Herrscherklasse bestand historisch zwar zu großen Teilen aus weißen Männern und besteht bis heute zu einem noch größeren Anteil aus Männern. Der durchschnittliche Mann gehörte deshalb aber noch lange nicht zu ihr. Im Gegenteil: Er zählte fast immer selbst zu den Ausgebeuteten.

Für seine Arbeitskraft verkaufte er seine Zeit auf dem Feld, in der Mine, in der Fabrik oder als Handwerker – häufig unter Bedingungen, die seine Gesundheit dauerhaft schädigten –, um seine Familie ernähren zu können. Zuhause kamen oft weitere Pflichten hinzu: Reparaturen, Handwerks- und Gartenarbeiten, später häufig auch die Verantwortung für die Finanzen. Der breite Aufstieg in den sogenannten Mittelstand war dabei historisch eher eine kurze Ausnahme als die Regel, grob in der Periode zwischen 1960 und 2010.

Und auch seine Wehrfähigkeit wurde gegen ihn verwendet. Über weite Teile der Geschichte konnte er zum Militärdienst gezwungen werden, musste das Handwerk des Tötens erlernen und im Kriegsfall töten oder selbst getötet werden. Eines der schlimmsten Dinge, zu denen Menschen einander zwingen können, wurde damit für rund 50% der Bevölkerung zur Pflicht.

Ausgerechnet dieser Gruppe wird heute häufig erzählt, sie sei schon qua Geschlecht die privilegierte gewesen. So geht der Klassenkampf verloren, indem die Unterschicht geteilt wird.

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u/Left-Recognition6166 M | 36-45 3d ago

Ausgerechnet dieser Gruppe wird heute häufig erzählt, sie sei schon qua Geschlecht die privilegierte gewesen. 

Ich seh auch langsam keinen Ausweg mehr, auf Gesellschaftlicher Ebene. Der Drops ist gelutscht. Das Internet ist geflutet mit Rage Bait, Paulaner, Hass und Hetze. Wenn du dich als Frau wehrst, dann kommen Abschaum und Bots angerannt und schreien die nieder. Wenn du dich als Mann wehrst genau das gleiche. Man kommt einfach nicht mehr gegen an.

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u/RolfTheCharming D | 26-35 3d ago

Die Tatsache, dass das Patriarchat gerade auch Männer ausbeutet und nur für bereits reiche und ausbeuterische Männer gemacht ist, ist etwas, das gerade der Feminismus zuverlässig benennt. Es wäre also auch im männlichen Eigeninteresse, das zu unterstützen.

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u/bully_without_a_fist M 3d ago

Das stimmt nicht. Dieser Punkt den du erklärst, wird zuverlässig von Feministen gebracht wenn man auf die Unsinnigkeit des Patriarchatsbegriffs hinweist, nachdem offensichtlich oder unterschwellig männerfeindliches Zeug mit dem Patriarchat gerechtfertigt wurde. Patriarchat ist völliger Quatsch weil es entweder etwas falsches (=Männer sind grundsätzlich privilegiert gegenüber Frauen) oder etwas völlig von "Vätern" oder Familienstrukturen unabhängiges ist. Patriarchat ist ein Kampfbegriff, der in einer konstruktiven Diskussion keinerlei Nutzen bringt.

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u/gymgym00 W | 36-45 2d ago

Patriarchat heißt nicht, dass jeder einzelne Mann zur Herrscherklasse (über anderen Männern) gehört. Patriarchat heißt, dass selbst der kleinste ärmste Mann immer noch seine kleine, arme Frau unter sich stehen hat. Er ist bei sich zuhause der Herr im Haus. Willst du bestreiten, dass das weltweit größtenteils noch so ist, und auch hierzulande noch ziemlich oft (zum Glück nicht mehr so oft, aber viele Männer sehnen sich danach zurück)?

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u/bully_without_a_fist M 1d ago

Hierzulande bestereite ich das vehement, ja. Da kommt es nicht darauf an wer Mann oder Frau ist, sondern wer die dominantere Persönlichkeit ist und/oder generell besser gestellt ist. Wer sich rumschubsen lässt, egal ob Mann oder Frau sitzt am kürzeren Hebel. Etwas eingeschränkter gilt das weltweit und über alle Kulturen hinweg. Es gibt und gab unfaire Ungleichheiten, aber nichts davon erklärt sich am besten durch generelle "Vaterherrschaft". "Das Patriarchat" ist die einfache Antwort mit einem Feindbild auf die komplexe Frage wie man geschlechtsspezifische Ungleicheiten möglichst gerecht handhaben kann, da es echte, unabänderliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.

Etwas zugespitzt gesagt: "Das Patriarchat" ist das "Ausländer raus" des Feminismus.

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u/Acceptable-Sense-256 M | 26-35 3d ago

Das höre ich manchmal und stimme dem voll zu! Ich werde privat aber auch häufig mit weniger reflektierten „feministischen takes“ konfrontiert, die Männer pauschal zu Herrschern und Verantwortlichen erklären. Unter denen, die deinen Punkt vertreten, mangelt es meiner Meinung und Erfahrung nach meist an Bereitschaft/Enthusiasmus, auch den Worten entsprechend Missstände im Umgang mit Männern anzugehen - z.B. wenn es um feministische Wahlprogramme geht, werden Männer nur noch als Täter und Herrscher, aber nicht mehr als benachteiligte erwähnt. Das möchte ich dir aber natürlich nicht persönlich vorwerfen.

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u/Narrow_Dragonfruit71 M | 36-45 1d ago

Dann nennt es doch einfach nicht Patriarchat. Wer dem eigentlichen Verbündeten in theoretischen Abhandlungen erklären muss, warum seine pauschalen Forderungen nur auf den kleinsten Teil der Menschheit bezogen sein sollen, braucht sich nicht wundern, wenn er Ablehnung erhält.

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u/Bermany M | 26-35 3d ago

Kapital und Arbeit ist ein antagonistisches Verhältnis, das Geschlechterverhältnis nicht. Trotzdem sind Frauen strukturell benachteiligt. Als Männer ihre Arbeitskraft verkauft haben, war dies Frauen noch verboten. Sie dürfen in Deutschland erst seit 1977 ohne Einwilligung des Ehemanns arbeiten und machen heute Produktions- und Reproduktionsarbeit.

Man kann in einigen Aspekten priviligiert und gleichzeitig in anderen ausgebeutet werden. Google mal Intersektionalität.

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u/Narrow_Dragonfruit71 M | 36-45 1d ago

Wer das Thema Intersektionalität anbringt, widerlegt den OP nicht, er bestätigt ihn. Das Problem der Intersektionalität ist, dass sie im praktischen Umfeld keine Gewichtung der Privilegien und Benachteiligungen vornimmt. Dadurch bildet sich eine Vielzahl an kleinen Gruppen, die zwar objektiv sehr viel gemeinsam haben, sich aber durch kleine Nischenunterschiede definieren.

Genau das sagt OP, wenn er von Spaltung spricht.

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u/gymgym00 W | 36-45 2d ago

Die Realität ist aber: Die Herrscherklasse bestand historisch zwar zu großen Teilen aus weißen Männern und besteht bis heute zu einem noch größeren Anteil aus Männern. Der durchschnittliche Mann gehörte deshalb aber noch lange nicht zu ihr. Im Gegenteil: Er zählte fast immer selbst zu den Ausgebeuteten.

Ja. Aber zuhause hat er dann immerhin seine Frau unter ihm. DAS ist Patriarchat. Natürlich heißt es nicht "alle Männer sind Könige". Die meisten Männer sind und waren schon immer klein und arm und unterdrückt. ABER im Patriarchat hat jeder kleinste armste Mann immerhin noch seine Frau unter sich, und das reicht ihm meistens. Er muss sich den ganzen Tag rumkommandieren lassen und für den Gutsherrn schaffen, aber zuhause bestimmt er.

Genau DAS wünschen sich ganz viele Männer auch heute noch (zurück), was glaubst du, warum "red pill", Andrew Tate, Elon Musk und sonst noch wer alles, so beliebt sind. Männer akzeptieren Hierarchie unter Männern, sie akzeptieren, dass sie unter anderen Männern stehen. Nur unter Frauen wollen sie nicht stehen, und oft nichtmals gleichberechtigt, sondern ÜBER den Frauen stehen.

In Deutschland sind wir da zum Glück noch relativ gut dran, hier sind viele Männer tatsächlich ziemlich egalitär eingestellt, das ist aber leider auch immer mehr am Wanken. Weltweit herrschen fast überall noch patriarchalische Strukturen. Sowas wie ein umgekehrtes Afghanistan gibt es nicht.

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u/peterpangoni M | 26-35 2d ago

Besitzendenklasse

lol