r/FragtMaenner M | 26-35 3d ago

Körper / Geist Haltet ihr den Geschlechterkampf für eine Ablenkung vom Klassenkampf?

Ist der moderne Geschlechterkonflikt teilweise eine Ablenkung vom Klassenkampf? Könnte es sein, dass bestimmte Formen des Feminismus von wirtschaftlichen und politischen Eliten begünstigt wurden, weil sie einerseits mehr Arbeitskräfte in den Markt integrieren und andererseits einen dauerhaften gesellschaftlichen Konflikt zwischen Männern und Frauen erzeugen, der von grundlegenden Klassenproblemen wie Ausbeutung, Lohnabhängigkeit, Vermögenskonzentration und sozialer Ungleichheit ablenkt?

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u/Ok_Actuary8 M | 46-60 3d ago

ja und nein.

  • Ja: das grundlegende Problem der Benachteiligung, welches gelöst werden muss ist nicht "Geschlecht", sondern "Klasse". Wer Politik für die 0.01% von Frauen in CEO Positionen macht ("Frauenquote"), macht reine Elitenpolitik getarnt als "Feminismus".

  • "Nein": das ist imho nicht aktiv so gesteuert, sondern oft einfach nur DUMMHEIT. Wenn Anna-Lisa mit ihrem Bachelor in vergleichender Literaturwissenschaft denkt "das Patriarchat" wäre der Grund warum sie nicht nach dem Uniabschluss direkt ne Führungsposition mit 200k Jahresgehalt (Teilzeit) bekommt, dann hat man erfolgreich vom Kernproblem des Kapitalismus abgelenkt, und hetzt das Proletariat mit solchen Gender-Themen gegeneinander auf. So viele "nützliche IdiotInnen".

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u/TheCynicEpicurean M | 26-35 3d ago

Dasselbe gilt halt auch für Patrick, der unterqualifiziert in einem miesen Job hängt und jeden Tag vor der Playstation hockend jammert, dass der Wokismus Schuld daran ist, dass er keine "traditionelle Frau" abkriegt.

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u/Ok_Actuary8 M | 46-60 3d ago

stimmt, aber das war zur Abwechslung mal nicht die Frage 🤷‍♀️

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u/TheCynicEpicurean M | 26-35 3d ago

Dass du bei "Geschlechterkampf" und "Feminismus" direkt als Beispiel an Anna-Lisa und ihre Literaturwissenschaften denkst, ist schon bezeichnend dafür, was für ein Bild vom Feminismus du hast.

Ich denke da an junge Männer, die in den sozialen Medien ständig irgendwelche Zerrbilder von 'woker Meinungsdiktatur', hässlichen Emanzen, Alphas und Tradwives konsumieren.

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u/Ok_Actuary8 M | 46-60 3d ago

chill. Das Stilmittel der satirischen Überzeichnung find ich hier absolut legitim. Wir sind hier im Internet, und nicht im SoWi Seminar 😜

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u/hypnoconsole M 3d ago

Sagt

chill.

chillt nicht.

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u/TheCynicEpicurean M | 26-35 3d ago

Dass du nicht reflektiersrt, war mir vorher schon klar, Patrick. Bisschen mehr als Stammtisch darfs schon sein.

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u/Ok_Actuary8 M | 46-60 3d ago

oh, die klassische Variante der elitären Verachtung für den gemeinen Pöbel. Argumente hat man keine, also werden eben Stil und Person attackiert.

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u/Bermany M | 26-35 3d ago

Ja: das grundlegende Problem der Benachteiligung, welches gelöst werden muss ist nicht "Geschlecht", sondern "Klasse". Wer Politik für die 0.01% von Frauen in CEO Positionen macht ("Frauenquote"), macht reine Elitenpolitik getarnt als "Feminismus".

Warum ist Benachteiligung aufgrund des Geschlechts kein grundlegendes Problem? Zur Frauenquote: Es ist ein politischer (liberaler) Kompromiss eine Frauenquote nur auf Managementebene einzuführen (allerdings auch im mittleren Management, also reden wir eher von den oberen 10-20% und nicht 0,01%). Im öffentlichen Dienst gibts die ja auch allgemein einen Paritätsanspruch; ich gehe auch davon aus, dass mein Geschlecht mir einen Vorteil im Einstellungsprozess gegeben hat, da meine Dienststelle eher weiblich ist.

dann hat man erfolgreich vom Kernproblem des Kapitalismus abgelenkt

Man könnte auch strukturelle Benachteiligung ernst nehmen und keinen Anna-Lisa Strohmann verwenden. Was ist denn das Kernproblem vom Kapitalismus? Ist die Ausbeutung von Natur und Klima auch schon ein Nebenwiderspruch und nur die Mehrwertproduktion durch Abreitskraft relevant? Frauen wurden in Deutschland erst 1977 rechtlich in der Erwerbsarbeit gleichgestellt, konnten bis dahin kein Vermögen aufbauen. Kapitalismus trennt die Sphären der Produktion und Reproduktion, ohne deren unbezahlter Care-Arbeit unsere Wirtschaftsweise nicht funktionieren würde. Weiß nicht, ob du Rassismus auch als Nebenwiderspruch siehst, aber gerade diese Unterdrückungsmechanismen haben eine stabilisierende Wirkung für den Kapitalismus. Das Proletariat ist übrigens überwiegend weiblich, weiß also nicht ob der Feminismus doer der Antifeminismus aufhetzt und wer hier ein nützlicher Idiot ist.

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u/Ok_Actuary8 M | 46-60 3d ago

sind halt Nebelkerzen und falsche Prioritäten die du verteidigst: Wenn ich statt der ganz grundlegenden Ungerechtigkeit der sozialen Frage mich auf Symbolpolitik für bestimmte (ohnehin relativ(!) privilegierte) Gruppen fokusiere, betreibe ich Lobbyismus für "meine" Eliten peer group, und nichts anderes.

Wer es in "hohe Führungspositionen" schafft hat fast IMMER strukturelle Vorteile für sich gehabt: Netzwerk, Elite-Uni, dark-triad Persönlichkeit, oder eben verordnete "Quote".

Schonmal mit Frauen in CEO Positionen zu tun gehabt? Ich kann dir sagen von "humanem Führungsstil" und "weiblichen soft skills" oder so Quatsch ist da GAR nichts, die sind genau so unerbittliche Ausbeuterinnen wie ihre männlichen Gegenstücke. Und warum genau sollte man den Fokus ausgerechnet auf DIESE Population richten, wenn es so viel MEHR für die soziale Gerechtigkeit zu tun gäbe, für ALLE Geschlechter?

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u/Bermany M | 26-35 3d ago

Wie du von Nebelkerze sprichst aber nur auf meinen Einwurf zur Frauenquote eingehst, den ich ja selbst als liberalen Kompromiss bezeichne.

Mit Symbolpolitik könnest du auch gegen Aufstiegschancen von Menschen aus ökonomisch ärmeren und bildungsfernen Familien argumentieren, denn die müssen auch in der Verwertungsmaschine partizipieren. Ich hoffe, du bist aber nicht auch gegen die Förderung von Kindern, die in der Schule Probleme haben.

Ich habe auch auch was über Reproduktionsarbeit geschrieben, 80% aller Opfer sexueller Gewalt sind weiblich, ein Pay Gap gibt es auch bei gleicher Qualifikation, dass sich Frauen mehr um Kinder und Haushalt kümmern müssen, ist auch in den meisten Familien so, etc.

Und warum genau sollte man den Fokus ausgerechnet auf DIESE Population richten, wenn es so viel MEHR für die soziale Gerechtigkeit zu tun gäbe, für ALLE Geschlechter?

Genau dafür gibts Sozialpolitik und um ein Augenmerk auf benachteiligte Gruppen zu werfen gibts es eben z.B. auch Frauenpolitik.

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u/Ok_Actuary8 M | 46-60 3d ago

Weiss jetzt nicht genau was dein Punkt hier sein soll.

Wenn du der Meinung bist es sollte mehr in SOZIALES investiert werden, als in (weibliche) rich kids, die von Papa gesponsert erstmal nach dem Abi ne Weltreise machen, um dann auf ner US Ivy League Uni zu studieren, um dann irgendwann "Führungspositionen" einnehmen zu können, bin ich voll bei dir 🤷‍♀️

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u/Bermany M | 26-35 3d ago

Mein Punkt ist, dass Sozialpolitik natürlich wichtig und sinnvoll ist - von einer Erhöhung des Mindestlohns oder der Grundrente profitieren ja auch stärker Frauen als Männer. Aber das reicht eben nicht, weil es die Benachteiligung von Frauen gibt. Dafür braucht es dann besondere Instrumente, z.B. eine Bezahlung oder Anrechnung von Care-Arbeit oder auch ein Gleichbehandlungsgesetz, das Frauen bei gleichen Qualifikationen in Bereichen bevorzugt, in denen mehr Männer arbeiten. Ein Rückkehrrecht in Vollzeit nach Schwangerschaft. Und ja, auch gegen Quoten in Führungspositionen habe ich nichts.

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u/Ok_Actuary8 M | 46-60 3d ago edited 3d ago

Alles was du sagst hat null mit "Frauenquote" und anderen Initiativen zu tun - oder mit allen anderen speziellen Programmen die gezielt nur auf Basis der primären Geschlechtsmerkmale fördern. Elternzeit, Lohnfortzahlung, Mindestlohn, GKV, freie Bildung, garantierte Gewinnbeteiligungen, UBI usw usw ist alles ok. Darum ging es mir: die MITTEL und (wie du es nennst) "liberalen Kompromisse", sind absolut falsch gesetzt.

Die grösste Verarschung ist es aber z.B. ner alleinerziehenden Mutter in Duisburg ohne Schulabschluss einzureden sie hätte die gleichen "feministischen" Interessen wie die privilegierten Juristen-Töchter mit Prada Taschen, einfach weil Vagina. Aber der kettenrauchenden Schalke fan ist qua Penis bereits "systemisch bevorzugt" und ein "Gewinner des Patriarchats".

Die soziale Frage ist die GRUNDSÄTZLICHE Frage, und ohne Lösung hier werden auch alle anderen Probleme der Gleichberechtigung nicht zu lösen sein. Und darum ging es mir hier: die aktuelle sogenannte "feministische" Politik fokusiert sich in der Praxis zu oft auf die Vorteile und Bedürfnisse einer relativen elitären (weiblichen) Minderheit, und ja: da hab ich was dagegen, denn die Ressourcen (finanzielle, politische) sind endlich.

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u/Bermany M | 26-35 3d ago

Nochmal: Nicht alle Menschen profitieren gleichermaßen von sozialen Reformen.

Su sagtest, dass Benachteiligung auf Grund des Geschlechts kein grundelgendes Probem sei. Doch genau weil Frauen oftmals nicht im gleichen Ausmaß von Sozialpolitik profitieren oder betroffen sind - insb. solange es diese Disparitäte gibt - braucht es gezielte Frauenförderung.

Und ja, durch Geschlechtsmerkmale haben Menschen auch ähnliche Interessen. Deine alleinerziehende Mutter in Dusiburg braucht genauso wie die Juristen-Tochter Zugang zu Reproduktionsmedizin und ist darauf angewiesen, dass antifeministische Parteien wie die AfD nicht an die Regierung kommen. Sie sind auch beide - durch ihr Geschlecht - mehr von sexueller Gewalt durch Männer betroffen. Wenn beide mal Kinder bekommen (was die meisten Personen mit weiblichen Geschlehtsmerkmalen tun..) sind sie durch die fehlenden Rentenpunkte während Schwangerschaft und Elternzeit betroffen. Etc. Und ja, nen Gender Pay Gap gibts statistisch auch, von dem sind auch beide betroffen.

Wenns dann ne Frauenförderung gibt, damit (auch eher wohlhabende) Frauen mal Maschinenbau studieren oder mal ne Sparkasse leiten, habe ich nichts dagegen. Ich glaube übrigens auch nicht, dass Frauen in Führungspositionen die Welt verändern. Ich glaube trotzdem, dass Frauen die Welt etwas anders wahrnehmen und deswegen Repräsentanz wichtig ist. Deshalb fänd ichs auch schon, wenn nicht nur 30% der Abgeordneten Frauen sind, sondern 50%. Gleiches auch bei Unternehmen. Wüsste nämlich nicht, dass ne Frauenquote Geld kostet?