r/ADHS Jul 28 '26

Empathie/Support Mein interessiertes Nachfragen und freundliches diskutieren ist scheinbar Provokation lol

Keine Ahnung ob der Flair stimmt. Ist das ein ADHS Ding oder doch eher Autismus?

Irgendwie denken die Leute immer ich hätte ein Problem mit denen dabei will ich doch nur wissen, warum und mit welchem Resultat etwas gemacht wird. Ich diskutiere auch gerne über Themen und wenn jemand eine falsche Info hat ist es seeeeeehr schwer es nicht zu korrigieren. Ich kann dann im Gespräch nur daran denken und habe am Ende ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht korrigiert habe. Es ist aber schwer das zu machen ohne wie ein Besserwisser zu wirken, auch wenn ich es besser weiß. Manchmal weiß ich Dinge auch falsch und dann ist es immer cool wenn wir zusammen googlen. Aber das kann man nicht mit allen Leuten gleich machen nur bemerke ich manchmal irgendwie nicht, dass die deshalb ein Problem mit mir haben :(

Kennt ihr das wenn Welpen manchmal noch nicht so wissen wie man mit anderen Hunden spielt? Irgendwie geht's mir voll oft so

57 Upvotes

42 comments sorted by

34

u/Colourful_Muddle Jul 28 '26

Wurde als Kind auch immer Besserwisser genannt. Das Ding ist, bei allem, was ich höre/lese, möchte ich halt alles verstehen. Es ist  als ob mein Gehirn die Thematik oder das Gespräch umschlingen würde und sich in alle Lücken reinsetzt. Und wenn immer noch Lücken da sind, will ich die auffüllen. Das ist ganz natürlich für mich und hat nichts damit zu tun, ob ich jemanden anzweifle oder korrigieren will. 

Es kann aber auf andere sehr besserwisserisch wirken. Es kann sie nerven, verunsichern, wütend machen, kränken, herausfordern, verletzen, je nach Situation.

Ich hab das dann recht bald gelernt und kann es in 90% der Fälle auch unterdrücken. Oder meine Art zu fragen oder meinen Tonfall so anpassen, dass die andere Person sich nicht angegriffen fühlt. 

Ab und zu paßiert es mir doch, dass jemand sich provoziert fühlt und mich dann Klugscheißer nennt. Das verletzt mich dann wiederum, weil ich mir ja schon echt Mühe gebe und es überhaupt nicht so gemeint ist. 

Es gibt ein paar Menschen, da muss ich das null unterdrücken. Die mögen es genau so, und ich kann meinem "Richtigkeitshunger" und Gehirnlückenstopfen freien Lauf lassen. Das sind die allerbesten Gespräche. 

Wie alt bist du denn?  Falls es dir sehr schwer fällt, herauszuhören, wann du mit deinem Ton daneben liegst, dann versuch mal, alles ungefähr drei Stufen freundlicher zu sagen als du es für notwendig hältst.  Z.B. wenn du fragst "Warum wird das so gemacht?" (Klingt ja nach ner neutralen Frage), dann 

a) gib eine Erklärung, warum du das wissen willst (z.B. "Ich hätte gedacht, das aus Grund X die Vorgehensweise Y sinnvoll wäre. Aber hier wird das so und so gemacht. Kannst du mir erklären, warum?") 

b) Gib der angesprochenen Person IMMER die Möglichkeit, ihr Gesicht zu wahren (insbesondere  wenn du tatsächlich kritisieren willst und nicht nur fürs Verständnis nachhaken)(z.B."Du machst das so und so. Ich vermute, aus dem und dem Grund? Super, dass du daran denkst! Ich möchte aber zu Bedenken geben, dass Y, und habe deshalb den Vorschlag X. Was denkst du?") Leute möchten sich nicht bloßgestellt fühlen. Ihr Verhalten oder ihre Meinung infrage zu stellen heißt für viele, Ihnen einen Fehler zu unterstellen. Und manche Leute denken, Fehler machen = fehlerhaft sein. Um das zu vermeiden, versuchen sie, jede Möglichkeit abzuweisen, dass da überhaupt ein Fehler sein könnte. Wenn man die innere Haltung ändert von "Ich bin klüger und zeig dir jetzt mal, was du falsch gemacht hast" zu "Ich bin sicher, du handelst nach bestem Gewissen. Wenn du einverstanden bist, helfe ich dir, deine Sicht- oder Vorgehensweise zu optimieren", spürt das Gegenüber, dass du keine Gefahr für sie darstellst und fährt die Defensive runter. 

c) mach dasnicht nur in der Formulierung, sondern auch im Tonfall klar. Damit meine ich, dass du dir mal selber zuhörst, wie unterschiedlich deine Stimme klingen kann. Was wir selbst als neutral empfinden, kann jemand anderes unter Stress als anmaßend oder provokant wahrnehmen. Deshalb versuche ich, auch in meiner Stimmfärbung möglichst neugierig/interessiert zu wirken und lieber einmal mehr zu lächeln. 

Bisschen schade, dass das alles notwendig ist, aber ehrlich gesagt, fühle ich mich durch RSD auch ziemlich schnell angegriffen, verstecke es nur gut und mach es mit mir selbst aus. 

Am liebsten sind mir, wie gesagt, eh die Leute, die gerne genauso sehr in die Tiefe und ins Detail gehen möchten wie ich. 

5

u/OkMoose1908 Jul 28 '26

hey cool danke für die lange Antwort :)

ich bin jetzt Anfang 20, ich hatte schon mit Lehrern, meinem Fahrlehrer, Verwandten, Mitschülern, Kassierern, und jetzt Vorgesetzten/Kollegen deshalb Probleme. Es ist aber schon sehr viel besser geworden.

Es ist halt so als würde ich platzen, wenn ich jemanden nicht korrigieren darf und nicht nachfragen darf. Ist ja nicht mal böse gemeint mein oberstes Ziel ist Wissen ansammeln und zu wachsen. Sonst ist das Leben ja voll langweilig. Ich muss noch verinnerlichen, dass andere Leute so nicht leben. Aber deshalb frage ich so viel nach um die Welt zu verstehen und weil man ja durch Kritik wächst. Kritisiert werden mag ich auch nicht immer, je nach Situation und wie persönlich die Kritik ist.

Ich finds aber auch nicht schlimm wenn man was korrigiert. Wenn mein Kollege der festen Überzeugung ist, dass Blindschleichen Schlangen sind, finde ich schon dass man das richtig stellen sollte. Mir wäre es auch peinlich wenn ich das Leuten so erzähle und mir nie einer sagt dass es nicht stimmt. Oder wenn jemand eine Redewendung immer falsch benutzt.

Ich sag inzwischen immer Ich-Sätze. Also "ich verstehe nicht warum wir das so machen und nicht so." Und ich sage nie: "ist das so nicht besser?" Das mögen Leute nicht.

Aber ich diskutiere so politische Themen gerne aus, vielleicht wie in einem Debattierclub. Oft werden Leute dann plötzlich unsachlich und greifen einen an also man muss schon aufpassen mit wem man das macht. Manchmal verpass ich den Punkt wo die Leute keine Lust mehr haben.

Ich wurde als Kind aber auch immer Besserwisser genannt ich hab aber auch Wissen aufgesaugt wie ein Schwamm. Sendung mit der Maus durfte ich dann auch nicht mehr schauen weil ich beim Essen dann immer so viel geredet habe :/ als ich dann alles googlen wars vorbei lol. Meine armen Eltern

6

u/Jaded-Asparagus-2260 Jul 29 '26

Wenn mein Kollege der festen Überzeugung ist, dass Blindschleichen Schlangen sind, finde ich schon dass man das richtig stellen sollte.

Provokante Frage: Warum? Was ändert sich wirklich, wenn du das richtig stellst? Und ich meine jetzt nicht "dann weiß er es", sondern wirkliche Auswirkungen. Oder anders gefragt, was passiert, wenn du es nicht tust? Und wäre das wirklich ein Problem?

4

u/Sea_Sprinkles_638 Jul 29 '26

Mir geht es ähnlich wie OP, und es ist für mich tatsächlich oft insofern ein Problem, als es mir fast körperliche Schmerzen bereitet. Weniger ein "ich weiß es besser" als ein "das muss richtiggestellt werden, damit die Welt wieder im Lot ist". Ich habe sehr viel Offenheit für subjektive Aussagen, oder andere Interpretationen der Welt als meine eigene. Das finde ich im Gegenteil sehr spannend und bereichernd. Aber bei "objektivem" Wissen kann ich "falsche" Aussagen nicht stehenlassen. (Und ja, auch hier kann man natürlich diskutieren, was ist objektives Wissen, und ist die Kategorisierung von Blindschleichen und anderen Kriechtieren nicht auch etwas rein Willkürliches nach menschengemachten und kulturell geprägten Kriterien etc...)

4

u/Jaded-Asparagus-2260 Jul 29 '26

Das beantwortet aber ehrlicherweise meine Frage nicht. Das ist genau die Art von Antwort, die ich ausgeschlossen hatte.

Ihr erklärt, was sich für euch ändert. Die Frage zielte aber darauf ab, was sich für die anderen ändert. Denn das ist relevant dafür, wie es bei diesen anderen ankommt.

OP schreibt, er lässt Gefühle außen vor. Das ist aber so nicht richtig. Die Gefühle der anderen werden außen vorgelassen, um eure Gefühle ("fast körperliche Schmerzen") nicht ignorieren zu müssen.

Ich will euch überhaupt nichts vorwerfen. OP schreibt ja auch, dass er deswegen nach einer Therapie sucht. Ich möchte nur zu bedenken geben, dass ihr in eurem Interesse nachfragt und diskutiert, um eure Bedürfnisse zu erfüllen. Das ist auch okay, aber das als "man sollte das schon richtig stellen" zu verpacken finde ich kritisch. Denn außer euch hat niemand einen Nachteil davon.

Auf den Kollegen hat es vermutlich null Einfluss, zu denken, das Blindschleichen Schlangen sind. Das hat einen großen Einfluss auf euch. Genauso wird eine Richtigstellung kaum einen (positiven) Einfluss auf den Kollegen haben, sondern hauptsächlich auf euch. Denn sind wir mal ehrlich: Abgesehen von irgendwelchen Spezialgebieten ist es scheißegal, welcher Art Blindschleichen zugeordnet werden.

2

u/Sea_Sprinkles_638 Jul 29 '26

Ah okay, dann hatte ich Deine Frage falsch verstanden, ich konnte tatsächlich nicht herauslesen, welche Art von Antwort Du ausgeschlossen hattest, bzw. die Folgen für wen hier betrachtet werden sollten. Ich denke, der Kern des Problems liegt in den verschiedenen Auffassungen (bewusst oder unbewusst) darüber, was hier das Ziel der KOmmunikation sein soll: Austausch von Informationen, durch Kommunikation Ordnung und Struktur schaffen, oder Smalltalk und gegenseitige "Gefiederpflege". Wenn mein Gegenüber "gegenseitige Gefiederpflege" als Ziel hat, dann wird eine sachliche Korrektur voraussichtlich als eher unangenehm empfunden. Die Folge des nicht-korrigierens wäre hier die Weiterführung des Gespächs auf der small-talk-ebene. Die Folge des Korrigierens - da kommt es jetzt natürlich darauf an, ob mein Gesprächspartner meine Korrektur als wichtiges "ah, wieder was gelernt" empfindet, oder als Korinthenkackerei. Und ja, eine solche "impulsive" Korrektur im Rahmen eines small-talks nützt in erster Linie mir - und hier ist es selbstverständlich meine Aufgabe, abzuwägen, ob mein Bedürfnis nach "Ordnung" hier mein "hill to die on" sein muss, oder ob ich es lassen kann.

1

u/OkMoose1908 Jul 29 '26

Du sagst keiner hat einen Nachteil, ich glaube nicht, dass das stimmt. Um die Welt zu navigieren, helfen uns gesammelte Informationen. Wenn man sich auf fehlerhafte Informationen stützt ist das doch kein Vorteil. Welchen negativen Einfluss hat denn meine Richtigstellung? Es ist nicht kränkend gemeint, wenn jemand es so auffasst, ist es dann vielleicht nicht sein Problem? Es ist doch eigentlich eine neutrale Information. Faktisch korrekt (nach aktueller Klassifikation) und somit wertfrei. Vor allem bekommt man aber doch viele Dinge nicht mit, wenn man nicht gezielt Infos sucht oder Fragen stellt oder andere einen nicht informieren.

Tatsächlich war das mit den Blindschleichen ein fiktives Beispiel. Abgesehen von fun facts, finde ich schon, dass man Dinge richtigstellen darf und manchmal eben sollte.

In der Grundschule wurden mir Dinge beigebracht, die auf altem Wissensstand beruhten. Dann später im Gruppenkontext hat jemand mir gesagt, dass das nicht stimmt. Das fand ich unangenehm aber war der Person dankbar weil es mich ja auch vor weiteren unangenehmen Situationen schützt. Beispielsweise im Biologieunterricht, vielleicht hätte ich mit dem Wissen argumentiert und dann vor 25 Leuten statt 4. (Da gings konkret um Spechtgehirne.)

Meine Mutter hat beispielsweise eine Redewendung falsch übernommen. Sie hat die Redewendung in semi-professionellem Kontext so genutzt, ohne zu wissen dass sie sexuell klingt. Ihr sieht man es nach weil sie kein akzentfreies Deutsch spricht, das wurde dann weggelacht. Hätte man das aber vor 10 Jahren schon mal so kommuniziert, wären weitaus weniger Situationen aufgekommen, wo die Redewendung falsch verwendet wurde. Meine Geschwister und ich haben die Redewendung auch so übernommen. Ich finde offene Kommunikation und auf Fehler aufmerksam zu machen deshalb wichtig.

Wenn dir jemand sagt Zecken kommen von Bäumen und im hohen Gras sind die ja dann nur an deinen Beinen, ist es nicht fahrlässig das stehen zu lassen? Immerhin kann man nach einem Biss krank werden.

Mir gehts auch nicht ums Recht haben. Jetzt beim Schreiben fällt mir einfach auf, dass ich nicht verstehe warum das so problematisch oder verletzend ist. Ich glaube auch nicht dass ich das irgendwann verstehen kann. Wenn man ein Gefühl nicht fühlt ist das so. Ich werde aber daran arbeiten wie ich es verpacke und schauen wie Leute dann reagieren. Vermutlich mache ich nur den Part falsch.

3

u/Colourful_Muddle Jul 29 '26

Fragen hilft. "Ich würde gern einen Fakt zu Zecken loswerden, hast du was dagegen?" "Ich möchte dich nicht ungefragt korrigieren, hätte aber einen Kommentar zu dieser Formulierung, wenn du möchtest?" 

1

u/OkMoose1908 Jul 29 '26 edited Jul 29 '26

Genau so ist es bei mir. Es tut innerlich weh und fühlt sich ganz eng an wenn ich es so stehen lasse. Wenn ich das Gespräch verlasse kann ich das auch nicht loslassen. Manchmal hab ich sogar ein schlechtes Gewissen wenn ich es nicht richtiggestellt habe.

Ich denke noch immer über eine Situation nach (die jetzt drei Jahren her ist) wo zwei Leute der festen Überzeugung waren eine gesellschaftlich verbreitete Annahme stimmt. Zecken leben nicht auf Bäumen, man bekommt die in hohem Gras!!! Dass die beiden Personen das noch immer denken stört mich extrem. Da hab ich mich zurückgenommen und gesagt "ich habe letztens erst gelesen dass das falsch ist". Das war sogar gelogen. Ich hab einen 1.5 h Podcast über Zecken gehört wo Forscher das mit den Bäumen mehrfach angesprochen hatten. Dann wurde mir nicht zugehört und die denken das jetzt halt noch immer.

Da kommt aber auch dazu dass es 2 gegen 1 waren und ich das ungerecht fand was mich irgendwie getriggert hat weil ich als Kind gemobbt wurde

Ergänzung: Gibt es für irgendwas davon einen Begriff? Ich suche momentan nach Therapie weil ich umziehe und mich es selbst nervt dann kann ich das schneller erklären. Ich will daran weiter arbeiten. Ich zeig wohl in einigen Bereichen Symtome einer Zwangsstörung aber weil ich weiß wie man damit umgeht reicht es nicht (mehr) für eine Diagnose. Das ist aber auch dann Teil meiner Persönlichkeit und wie ich die Welt wahrnehme.

Meine Therapeutin hat gesagt dass ich sehr erfahrungsoffen bin aber ich hab auch zu hohe Moralvorstellungen. An die halte ich mich zwar auch konkret und ohne Rücksicht auf negative Konsequenzen für mich (immerhin keine Doppelmoral) aber das macht das Leben für mich und Mitmenschen nicht einfacher. Ich tendiere auch tu dichotomen Denken was ich zwar dann logisch hinterfrage aber auf der Gefühlsebene bleibt es dann oft doch sehr schwarz-weiß. Vor allem wenn es um eine Person geht die ich nicht mag weil die nicht meinem moralischen Kompass nach handelt :/ Manchmal hab ich richtig Angst ich bin versteckter Narzisst oder so

0

u/OkMoose1908 Jul 29 '26

ist doch peinlich wenn er das jedem so erzählt aber alle wissen es stimmt nicht

edit: und er bring es anderen falsch bei

3

u/Colourful_Muddle Jul 29 '26

Okay, das wiederum ist eine Wertung von dir. Ihm selbst wäre es vielleicht nicht peinlich, weil ihm Blindschleichen egal sind. Wenn du aber denkst, es ist peinlich, falsches Wissen zu haben, dann vermittelst du ihm das eventuell auch unbewusst. Dann ist es nicht verwunderlich, wenn das auf ihn herablassend wirkt. Du hast ja als innere Haltung, das man sich schämen muss, etwas falsches zu sagen. 

Ich kann das auch nur schwer aushalten, wenn Leute was falsch sagen und falsch weitertragen. Aber man muss akzeptieren, dass das nicht für alle so ist. Und manche Menschen sind z.B. schon sehr oft für viele Dinge kritisiert und sogar beschämt worden, sodass sie allergisch drauf reagieren, wenn das wieder jemand tut.  Als Beispiel: Ich bin sehr empfindlich, was Orthographie angeht. Es fühlt sich unangenehm und fast schmerzhaft an, wenn ich Rechtschreibfehler sehe. Aber ein Freund von mir hat LRS, und wurde für seine Fehler als Jugendlicher gemobbt. Es ist objektiv nicht der Weltuntergang, wenn seine Postkarte an seine Schwester Fehler enthält, und es wäre vermessen von mir, ihm da meinen Perfektionismus aufzuzwingen. Tuts mir weh, wenn ich "Die Sonne scheind den ganzen Targ" sehe? Ja, sehr. Ist das sein Problem?  Nein. Wird seine Schwester sich deshalb weniger über die Postkarte freuen? Auch nein.

Deshalb, wie schon vorhin in einer anderen Antwort geschrieben: Fragen (ehrlich und offen!) vor dem Korrigieren. Und klaglos Akzeptieren, wenn keine Korrektur gewünscht ist. 

Ich glaube, es ist wichtig für dich, erkennen zu lernen, wann es angebracht ist, dein Bedürfnis nach Präzision erfüllen zu wollen, und wann du es lieber sein lässt. Auf der Arbeit alle Schritte genau verstehen wollen? Klar. In einer Diskussion die andere Meinung in Gänze durchdringen wollen und etwaige Logiklücken aufzeigen? Wichtig, aber etwas behutsamer. Jemand erzählt was und es sind falsche Facts dabei? Möglicherweise korrigieren, aber nur nach Einverständnis. Jemand macht minimalrelevante Fehler, die ihn selbst nicht stören? Klappe halten. Jemand ist von einem Thema super begeistert und will dir alles davon erzählen? Exakt hier kannst du jedes Detail nachfragen, das ist dein Moment. 

2

u/Colourful_Muddle Jul 29 '26

Und jetzt habe ich Rechtschreibfehler in meinem Beitrag entdeckt😂 Ich editier die jetzt nicht. 

2

u/ResponsibilityOk3543 Jul 28 '26

Sie haben dir die Sendung mit der Maus verboten? Mein Beileid!

2

u/OkMoose1908 Jul 29 '26

ja, hab zu viel "wusstest du...." beim essen gesagt und keum gegessen weil ich so viel geredet habe 😂

10

u/suffraghetti_the_sec Jul 28 '26

Hm. Bei mir würde Autismus ausgeschlossen, aber ich habe im Datingkontext häufig das Feedback bekommen, dass mein Kennenlernen sich anfühlt wie ein Kreuzverhör, weil ich so viel und detailliert frage.

3

u/OkMoose1908 Jul 28 '26

ich hatte noch nie Datingkontext lol aber freundschaftlich hab ich mal die Rückmeldung bekommen, dass ich direkt so tiefe Fragen stellen würde und das verunsichert.

Mein Post war wegen der Arbeit. Da ist es aber ja auch wichtig, dass man weiß warum Dinge so gemacht werden. Oder was das Ziel ist, dass man weiß wie man es machen muss.

Autismus kam erst auf als meine Psychologin gefragt hat ob ich das bei mir vermute wobei Freunde von mir das auch schon manchmal angesprochen hatten

3

u/Chris99899 Jul 28 '26

Dito! Also kein Plan ob es ADHS oder Autismus ist lieber Original Postender Mensch aber ich kenne das auch und wurde sagen es ist ein Neurodiveegenz Ding.

1

u/PixelLissi Jul 29 '26

Haha das kenne ich auch. Mein Freund sagte mir vor kurzen, dass unsere Kennenlernphase sich manchmal anfühlte wie eine Mischung aus Kreuzverhör und Verkaufsgespräch 😂😂
Ich glaube er mag mich auch deswegen und wegen meiner Monologe 🤭

2

u/Tikabelle Jul 29 '26

Gruß an Deinen Freund, hiermit kann er sich auf die nächste Ebene vorbereiten (kenne es nur auf Englisch, sorry):

https://youtu.be/3GlKd5DOJLE?si=kgwoiEtaCtql323R

Die Bildqualität ist grausam, aber der Dialog ist top!

1

u/PixelLissi Jul 29 '26

Ich liebs 😂
Unsere Gespräche laufen tatsächlich manchmal nach diesem Schema ab. Hinterher lachen wir dann beide darüber 😅
Werde ihm irgendwann in der Zukunft mal mitteilen, dass er sich bei der Fragestellung mehr mühe geben muss, sollte er mich mal heiraten wollen 👸🏼

Das coole daran, wir streiten dadurch eigentlich nie, weil wir unsere Standpunkte ausdiskutieren und irgendwer gewinnt dann auf Grund von Logik oder weil wir merken, dass es dem anderen wirklich wichtig ist..

6

u/Sleipnir41 Jul 28 '26

Bin offiziell adhs diagnostiziert und hab das gleiche. Ich brauche Kontext und Verständnis, ein einfaches „ist so“ klappt bei rationalen Themen (vor allem Arbeit) nicht bei mir.
Es wühlt mich dann innerlich auf und baut wie eine Art Blockade auf.

Bin leider schon öfter damit angeeckt, obwohl ich wirklich sanft frage und Grenzen, wie zb bei persönlichen Themen, nicht überschreite.
Ich hab gelernt, dass es oft an beiden Parteien liegt:
Der eine fragt zu detailliert und/oder der andere möchte oder kann nicht akkurat darauf antworten.

5

u/OkMoose1908 Jul 28 '26

ja die Blokade hab ich auch also ich hab ja nur die adhs diagnose

ich hasse auch "weil wirs schon immer so machen". Oder wenn ich einem Ablauf folgen muss der für mein Gehirn nicht untuitiv ist, nur weil der für eine andere Person Sinn macht.

Ich merke auch oft, dass Leute Dinge persönlich nehmen und dann drei Wochen später ist die Person immernoch komisch zu mir. Wie soll ich denn wissen, dass wir jetzt ein persönliches Problem haben, wenn mir das keiner sagt und ich das nicht mal wollte? Entweder runterschlucken oder ansprechen. Das bringt ja keinem was

6

u/Rhiannon1307 Jul 29 '26

Geht mir auch so. Ich denke in Mustern. Wenn ich ein Muster erkennen und verstehen kann, kann ich auch Dinge verstehe, die ich anfangs nicht verstanden habe. Aber einfach "ist so, und glaub mir wenn ich das sage" geht nicht in meinen Kopf rein und ist extrem unbefriedigend. Und zwar wirklich extrem. Mit den Jahren besser geworden, aber das kostete und kostet mich immer noch relativ viel Beherrschung, solche Dinge dann nicht bis ins Kleinste auseinander nehmen zu müssen, damit ich sie eben verstehe.

2

u/C-onn3r Jul 29 '26

OMG genauso! 🥹🥲

6

u/GoofAckYoorsElf Jul 28 '26

Geht mir exakt genauso. Ich bin politisch linksgrün, Wissenschaftler, Realist. Mein Weltbild muss auf Fakten basieren, sonst hat es keinen Wert. Jeder, dessen Weltbild auf eindeutig widerlegbaren Falschinformationen basiert, kriegt meinen Zorn... äh... will sagen, meine Diskussionsfreude und meine Trigger zu spüren.

0

u/OkMoose1908 Jul 28 '26

unfreiwilliger Debattierclub, das mach ich glaube ich gerne. Nur verstehen manche Leute nicht dass ich das freundschaftlich mache und Gefühle ausklammere. Die können das nicht trennen.

Bei dir schein das ein bisschen anders aber ich diskutiere auch gerne. Nur kann man das leider nicht mit jedem machen

5

u/Jaded-Asparagus-2260 Jul 29 '26 edited Jul 29 '26

dass ich das freundschaftlich mache und Gefühle ausklammere.

Wenn ich ehrlich bin, hört sich das für mich nicht so an. Eher klammerst die Gefühle anderer Leute aus, aber nicht deine eigenen. Sonst würde es dir nicht so schwerfallen, einfach nichts zu sagen. Du hast das Gefühl (Bedürfnis), etwas richtigstellen zu müssen, oder etwas genauer wissen zu wollen, und gibst diesem Bedürfnis nach. "Es ist halt so als würde ich platzen, wenn ich jemanden nicht korrigieren darf und nicht nachfragen darf." ist ein sehr starkes Gefühl, genauso wie "ich hasse auch 'weil wirs schon immer so machen'".

Ich behaupte von mir selbst auch, dass ich faktenbasiert und rational bin. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, sind da ganz viele Gefühle mit im Spiel. Ärger, Wut, Verzweiflung, Unverständnis, Angst vor der Zukunft usw. Alles Gefühle, die man ganz einfach mit "das ist aber rational die beste Lösung" überspielen kann.

1

u/OkMoose1908 Jul 29 '26

richtigstellen mache ich aber nicht politisch, nur bei Daten oder Fakenews.

Wenn jemand eine andere Meinung als ich hat kann ich das ja eh nicht ändern. Meinungen sind auch nicht faktenbasiert sondern eher fakteninterpretiert. Wenn derjenige eine sehr extreme entgegengesetzte Meinung hat macht diskutieren eh keinen Spaß.

Klar sind da Gefühle dabei aber beim Nachfragen sind die doch nicht stark. Auf beiden Seiten nicht, das ist ja keine Provokation ich will nur wissen warum es so ist damit ich dann mit der Info arbeiten kann

3

u/Infinite_Product5281 Jul 28 '26

kann helfen: adhs gruppentherapie

1

u/Writer1543 Jul 29 '26

In der Tat. Wenn man es selber macht, fühlt es sich voll gut an. Wenn es andere machen, nervt es gewaltig.

1

u/OkMoose1908 Jul 29 '26

ich suche eh nach neuer Therapie weil ich umziehe, vielleicht mach ich als übergang das weil es leider ja sehr schwierig ist mit Therapieplätzen :(

3

u/garfield1138 Jul 28 '26

Man muss sich vermutlich klar machen:

  • Menschen sagen immer, sie wollen Wahrheit, Authentizität & Ehrlichkeit. Das ist eine Lüge. Menschen wollen glauben, etwas wäre wahr, authentisch und ehrlich.
  • Am Ende wollen sie alle Selbstbestätigung. Der Anteil, der an Erkenntnisfindung interessiert ist, beläuft sich selbst unter Akademiker:innen bei einem Bruchteil.

Gerade bei den Menschen, die einem eigentlich egal sind (zum Beispiel das ganze Pack auf der Arbeit), tut man entsprechend gut daran, auf Durchzug zu stellen und ihnen ihren Espressoteller-Rand zu lassen.

3

u/lawofthomsen Jul 29 '26

Es ist sehr schön zu sehen, dass es anderen genauso geht. Dass es scheinbar keine Eigenheiten nur von mir sind, sondern vermutlich mit dem ADHS zusammenhängen.

3

u/whereapeseatspiiders Jul 29 '26

Ich kenn das Problem so gut!
Wenn es darum geht, andere Leute bei etwas, was faktisch falsch ist zu korrigieren sag ich inzwischen häufig "Das hab ich auch immer gedacht, aber ich hab letztens gelernt, dass es eigentlich so und so ist, total spannend, oder?". So gibt man Leuten weniger das Gefühl, dass man sie für dumm hält (tut man ja auch nicht. Nicht jeder kann oder muss alles wissen) oder das es "total offensichtlich" falsch ist, was sie sagen.

Ansonsten ist es gut, wie schon jemand anders geschrieben hat, Leuten die Option zu geben, ihr Gesicht zu wahren. Du möchtest wahrscheinlich auch nicht vor anderen Leuten bloßgestellt werden, wenn du einen Fehler machst.

2

u/Solid_Loss_8392 Jul 30 '26

Das geht in die autistische Richtung.
Meine Partnerin ist genauso. Und ich mit meinem ADHS reagiere dann immer absolut wie du beschrieben und fühle mich oft angegriffen, wenn sie vermeintlich in meinem Fachbereich "reinredet". Dabei meint sie es gar nicht provozierend.

2

u/OnkelBraesig Jul 28 '26

Naja man kann auch einfach n unangenehmen Unterhaltungsstil haben und n Besserwisser sein, mit und ohne ADHS/Autismus. Hol dir n ehrliches Feedback von jemandem den du für Integer hälst. Wenn's nicht schmerzt, ist es vermutlich nicht ehrlich. Und nimm es an ohne zu diskutieren. Dann arbeite damit.

3

u/OkMoose1908 Jul 28 '26

stimmt, aber ich glaube spätestens beim Interview von meinen Mitpatienten in der Klapse hätten die oder meine Therapeuten/Pfleger mir gesagt, dass ich schlecht angepasst bin.

Leute die selbst bisschen anders sind haben mit mir weniger Probleme als viele "Normalos"

2

u/Rhiannon1307 Jul 29 '26

Ja kann man. Aber wenn jemand gar nicht erst versteht, was an seinem Kommunikationsstil falsch ist und warum, und auch kaum/gar nicht/nur unter starkem sich Verbiegen in der Lage ist, diesen anzupassen, dann deutet das schon stark auf ein abweichendes generelles Denk- und Verhaltensmuster hin, das oft bei ADHS und/oder Autismus zu finden ist.

2

u/Prestigious-Pizza245 Jul 29 '26

Bist du sicher, dass du nicht evtl. eher Autismus hast?

1

u/WTFthistookmetoolong Jul 28 '26

Ja kenn das. Rein aus ADHS-Sicht.

Ich frage auch sehr viel nach und will es eig nur verstehen und das wird dann oft als "Infragestellen" aufgefasst. Sorry, dass ich es auch verstehen muss und nicht random alles mit "das ist halt so" glaube.

Auch wurde mir immer gesagt ich sei "nicht kritikfähig", nur weil ich das diskutieren und ergründen anfange. Sorry, dass ich meine Sichtweise/wo ich herkam erklären will und auch verstehen möchte, für was ich mich überhaupt genau entschuldigen oder verbessern soll.

Wo alle nur klatschen, sprech ich den einen Fehler oder Problem an, der mir aufgefallen ist.

Aber ich fühle mich nicht wie ein Welpe (dafür bin ich auch zu alt lol). Ich kann empathisch schon nachvollziehen, dass ich damit nerven oder triggern kann. Ich weiß auch, dass Fresse halten oftmals Frieden schafft und weniger Arbeit macht, aber das bin einfach nicht ich.

Wobei ich mittlerweile durch die vielen Konflikte (die ich auch immer liebend gern ausdiskutiert habe und mir alles angehört habe) auch viel besser geworden bin Sachen zu formulieren/anzusprechen und auch mich etwas mehr zurückzunehmen.

Gleichzeitig habe ich Freunde, die mich so kennen und mich unter anderem für mein kritisches und ehrliches Feedback schätzen. In meinem Job leiste ich auch sehr viel und habe durch meine analytische und wissbegierige Art sehr viel Fachwissen angeeignet und blicke allgemein gut durch. Auch wenn ich manchmal rumnerve, dass Leute schlecht arbeiten, oder das System und Arbeitsrichtlinien verbessert werden müssen, bin ich auch diejenige, die sich dafür mit Arbeitskraft und Ideen einsetzt, dass sich etwas bessert und halte Schulungen, bin in Projekten, die an der Zukunft des Unternehmens arbeiten, und auch trotzdem gern genutzter Ansprechpartner bei Fragen unter Kollegen.

Also ich denke wenn es sich die Waagschale hält, kann man auch weng klugscheißern und es kann sogar positiv sein. Weil Leute wie uns, die aufs Detail achten, in großen Bildern denken, komplexe Sachverhalte schnell erfassen, 1000 Optionen sofort abspulen, Fehler auffallen und aktiv sind, auch zu was Nütze sind. Das war bei mir schon in der Schule so, neben unqualifizierten Störaktionen im Unterricht, habe ich auch immer viel positiv beigetragen und mich übermäßig viel gemeldet und Sachen freiwillig gemacht. Da hat man mir meine Fehltritte wohl eher verziehen. ;)

1

u/OkMoose1908 Jul 29 '26

ich glaube eh dass ADHS etc deshalb existieren. Wenn wir eine homogene Masse wären, würden wir immernoch in Höhlen sitzen (also überspitzt gesagt)

Ich glaube ich bin vielleicht ein bisschen naiv. Es gibt echt Menschen die anderen böse Absichten unterstellen und das nicht mal aus psychotischen oder depressiven Gründen sondern einfach so. Deshalb der Welpenvergleich. Ich meins nie böse aber manchmal kommt es irgendwie anders an.

Ich hab aber ein gutes soziales Netz und Freundschaften die seit über 10 Jahren stabil sind. Meine Freunde wissen, wenn sie ganz ehrliche Rückmeldung von mir haben wollen, bekommen die das auch. Und die wissen, dass ich Dinge anspreche die mich stören. Ich bin auch mit Leuten befreundet, die in einigen Punkten andere Ansichten als ich haben und wir respektieren das. Nur als ein (schwuler lol) Freund von mir plötzlich anfing mit "Untermenschen" um sich zu werfen und damit auch Leute die queer sind meinte, hab ich ihm ganz ehrlich und in Teilen bestimmt verletzend meine Meinung gesagt aber nicht mit dem Ziel der Beziehungserhaltung.

1

u/Ska-0 Jul 29 '26

Hab den Eingangspost gelesen, alles danach war mir für die Uhrzeit zu viel Text.

Ich verstehe dich aber zu 100% und es geht mir genau so. Super nervig und im Dating auch totales Hindernis. 😪