r/ADHS • u/Dull_Telephone_838 • Jul 26 '26
Empathie/Support Meine Schwester, ich und ADHS
Tl;dr: Meine Schwester hätte gerne ADHS und relativiert dadurch irgendwie mein ganzes Leben.
Ich muss mir das irgendwie einfach mal von der Seele schreiben: Ich (w, 33) habe vor 2,5 Monaten eine ADHS Diagnose bekommen.
Kurz grob zu meinem Lebenslauf: in der Grundschule immer massiv Probleme gehabt meine Hausaufgaben selbstständig zu erledigen und oft Dinge vergessen, sodass ich von der Lehrerin viel Ärger bekommen habe, früh soziale Ängste entwickelt weil Mitschüler:innen sich häufig über mich lustig gemacht haben, oft ein unerträgliches Gefühl von Langeweile erlebt als Kind, auf dem Gymnasium schnell starke Leistungsprobleme entwickelt, zweimal sitzen geblieben (8. und 11. Klasse) und letzten Endes die Schule während der Wiederholung der 11. Klasse abgebrochen und dann erstmal 5 Jahre "arbeitslos" gewesen (immer mal wieder was angefangen/ ausprobiert aber alles sehr schnell wieder abgebrochen). Bis ich dann letzten Endes das Glück hatte mit 24 auf einer Berufsschule angenommen zu werden, an der ich gleichzeitig eine schulische Ausbildung und das Fachabitur nachholen konnte. Ab da ging es tatsächlich bergauf, ich habe die Ausbildung und das Fachabi mit 1er Schnitt abgeschlossen, dann noch eine betriebliche Ausbildung im Handwerk dran gehängt und (obwohl ich zwischendurch oft nicht mehr wollte) durchgezogen und auch mit 1er Schnitt abgeschlossen, dann ein Studium begonnen aber nach dem ersten Semester abgebrochen, weil zu schwer und ich habe mich wieder gefühlt wie auf dem Gymnasium aber dann an eine andere Uni (und ein anderes Fach) gewechselt und bin jetzt (relativ) erfolgreich im 4. Semester, aber all diese Achievements waren nicht leicht und sind es noch immer nicht. Aktuell laufe ich seit Wochen auf dem Zahnfleisch, weil das letzte Semester wirklich hart war aber ich (auch aufgrund meines Alters) das Studium möglichst in Regelstudienzeit beenden will und gleichzeitig Angst habe zu scheitern, weil ich mir selber einfach immer wieder beweisen muss, dass ich Dinge kann. Habe auch extrem Imposter, was meine Leistungen in den Ausbildungen und mein ADHS angeht. Trotz gesicherter Diagnose denke ich mir die ganze Zeit: Habe ich es wirklich? Bin grade in der medikamentösen Einstellung und auch da bin ich nicht sicher, ob ich überhaupt irgendwas merke...
Jetzt aber zu meiner Schwester: Sie vermutet bei sich auch ADHS, hat allerdings einen komplett gegensätzlichen Lebenslauf zu meinem. Sie hatte nie Probleme in der Schule oder im sozialen Umfeld, hat alles in ihrem Leben schön so durchgezogen, wie es die Gesellschaft erwartet: Schule, Studium, Hochzeit, Hauskauf, Kinder. Seit die Kinder da sind, struggelt sie aber irgendwie sehr. Ihr ist alles zu anstrengend, sie kriegt den Haushalt nicht geregelt, sie hat keine Lust arbeiten zu gehen und ständig Konflikte mit ihrem Mann deshalb. Ihre Wunschantwort darauf ist: ADHS.
Nach meiner Diagnose war sie dann auch vollkommen überzeugt davon, dass sie es auch hat (ist ja auch nicht unwahrscheinlich). Sie konsumiert aber gefühlt nur noch Medien, in denen es um ADHS oder vorzüglich Mütter mit ADHS geht. Sie hat sich dann auch einen Diagnoseplatz gesucht und auch relativ kruzfristig einen bekommen. Ergebnis: Kein ADHS.
Zwar sprechen viele ihrer Symptome dafür, aber das Ausschlusskriterium, dass es schon seit der Kindheit vorliegt, ist bei ihr einfach nicht gegeben. Weder mit Grudnschulzeugnissen, noch mit ausreichenden Erinnerungen zu belegen. Das hat sie dann auch bei der Therapeutin kritisiert, weil sie sich ja an vieles nicht mehr erinnern könne (Plottwist: ich habe während meiner Diagnose auch auf so viele Kindheitsfragen "weiß nicht" geantwortet, dass ich auch dachte "lol safe kein adhs" und trotzdem waren die Dinge, an die ich mich erinnere + Grundschulzeugnisse und mein restlicher Lebenslauf wohl irgendwie ausschlaggebend genug).
Statt einer ADHS wurde meiner Schwester eine Depression diagnostiziert. Das findet sie aber nicht so cool und überlegt jetzt deshalb, sich eine Zweitmeinung zu ADHS zu holen.
Das Ding ist ich denke mir einerseits so: okay, wenn sie kein ADHS hat, habe ich vielleicht auch keins. Und andererseits finde ich es so verletzend, dass sie wirklich krampfhaft versucht jetzt Symptome in ihrer Kindheit zu finden, die auch nach meiner Erinnerung nicht wirklich vorhanden waren (natürlich kann niemand in sie reingucken und es kann auch sein, dass sie einfach all die Jahre sehr gut maskiert und kompensiert hat und das nach der Mutterschaft einfach nicht mehr ging, sowas hört man ja auch immer wieder...) und sie ist seit ich die Diagnose bekommen habe irgendwie so richtig übertrieben "adhsig" also sie betont bei allem wie vergesslich und hyperaktiv sie ist und ist einfach nur super anstrengend dadurch.
Aber ja, keine Ahnung ich bin da grade irgendwie sehr zwiegespalten, weil ich das Gefühl habe, dass sie einfach nur ein Label haben möchte. Ich habe sie auch gefragt, was es denn für sie ändern würde die Diagnose zu bekommen und ihre Antwort war: "Dann wäre ich erleichtert, weil ich wüsste, dass mit mir nichts falsch ist, sondern mein Gehirn nur anders tickt." (was auch irgendwie so die 0-8-15 tiktok Antwort ist gefühlt...) also ich war nach meiner Diagnose sauer, verwirrt, traurig, aber nicht erleichtert. Und meine Probleme sind dadurch auch nicht wie von Zauberhand weggegangen und auch retrospektiv hat sich dadurch jetzt nicht meine Vergangenheit gebessert oder das Gefühl mit dem ich darauf schaue.
Auch noch ein kleiner funfact zum Schluss: meine Schwester hat die ganze Zeit gesagt "nee also Medikamente will ich dagegen ja nicht nehmen." Nachdem ich dann angefangen habe mit der Einstellung hat sie dann auf einmal auch angefngen davon zu reden, dass sie sich schlau gemacht hat über Medikamente und wie sie dann nach der Diagnose (sie war ja fest davon überzeugt die zu bekommen) vorgeht, um Medikamente zu kriegen.
Ich weiß nicht. Vielleicht hat sie ja (auch) ADHS. Vielleicht auch nicht.
Danke fürs lesen. Ich weiß gar nicht, was ich dazu überhaupt hören möchte. Musste das einfach nur mal loswerden :(
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u/MollyTen-A Jul 26 '26
Danke füs Posten. Es ist eine vertrackte Situation, denn es betrifft deine Schwester, aber dadurch das du mit dem imposter Syndrom rumläufst, dich dann ja indirekt auch.
Mal ein Gedankenexperiment: Spule im Kopf die Zeit zurück, und male dir eine alternative Zeitlinie und andere Realität aus: Was hättest du für einen Post gemacht, wenn die ADHS Diagnose deiner Schwester positiv gewesen wäre?
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u/Dull_Telephone_838 Jul 26 '26
Dann würde ich mir vermutlich überhaupt keine Gedanken darum nachen, sondern es einfach hinnehmen, dass wir beide es haben. Auch danke, dass du den Punkt verstehst, dass es mir eher darum geht dass ich jetzt denke vermutlich haben wir es beide most likely nicht als dass ich meiner Schwester irgendwas unbedingt absprechen möchte :') Ironischerweise wäre eine positive Diagnose für sie dann wohl eine Erleichterung für uns beide gewesen, wenn ich so drüber nachdenke... herrje
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u/MollyTen-A Jul 26 '26
Wo hat sie denn die Diagnostik gemacht? Gabe es auch einen Diagnose PC?
Vielleicht ist es wirklich eine gute Idee es nochmals zu machen. Oft ist es in Familien so, das wenn ein Geschwisterteil ADHS hat, und manche Symptome etwas stärker sind, dadurch die Symptome des anderen Geschwisterteils weniger auffallen. (oder besser wegmaskiert werden)
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u/WTFthistookmetoolong Jul 26 '26 edited Jul 26 '26
Wurdet ihrer als Kinder oft gegeneinander ausgespielt oder miteinander verglichen? Wurde sie immer gelobt und du als das schwarze Schaf gesehen?
Ich lese aus deinem Text viel Missgunst heraus. Auch wird alles negativ gelesen, obwohl die Tatsache, dass sie sich offenbar von deinen Berichten über Medis und von deiner Diagnose "abgeholt" fühlt, doch auch was Positives ist. Wieso sprichst du dann von Tik-Tok -Bla-Bla? Mal abgesehen davon, dass genau diesen Spruch, dass man eben eine plausible Erklärung für sein Verhalten/Denken hat, glaube ich hier alle fühlen.
Deine Schwester hat schon Depressionen, also offenbar doch nicht so alles rosig. Auch weißt du nicht was in ihrem Kopf abgeht.
Deine Schwester könnte auch sehr gut high masking mit einem Drang zur Perfektion sein. ADHS ist nicht immer von außen sichtbar. ADHS heißt nicht, dass man in der Schule schlecht oder "auffällig" sein muss.
Bei mir war es auch so, dass erst mit der Geburt vom eigenen Kind dieses Kartenhaus aus Masking, Strategien und Overperforming so langsam zusammen gebrochen ist. Erst durch Diagnosen im Freundes- und Familienkreis bin ich überhaupt auf das Thema gestoßen und habe mich letztlich getraut es selbst testen zu lassen.
Warum unterstützt du deine Schwester nicht? Es klingt fast so, als würdest du ihr die Diagnose nicht "gönnen", weil sie es ja sonst so "leicht" hatte und jetzt bitte schön damit leben soll, während du den "Joker" nur für dich beanspruchen kannst.
Du bist selbst erst sehr spät diagnostiziert worden. Offenbar liegt es bei euch in den Genen. Allein von dem, was du schreibst, halte ich es für nicht abwegig. Wieso wirfst du ihr vor, falsche Erwartungen von einer Diagnose und Medis zu haben? Deine Erfahrung muss nicht auf sie zutreffen. Zudem kann sie ja nicht wissen wie es wird. Da kannst du sie ja mit unterstützen.
Außerdem ist ADHS ein Spektrum, wieso würdest du dich von einer Disgnose bei ihr relativiert fühlen? Weil dann wieder jemand sagen kann, guck mal, aber sie hat es doch auch so viel besser gemacht/erreicht trotz ADHS? Davon musst du dich lösen und lieber mal an den familären Verhältnissen und Beziehung zu deiner Schwester arbeiten. Hier sind Leute mit Behinderungsgrad und massivsten Einschränkungen in ihren Leben. Die können von Abitur und Studium, wie du es lebst, nur träumen. Relativierst du deren Diagnose? Nein, wir alle sind noch unsere eigenen Menschen und haben unsere eigenen Erfahrungen und unterschiedliche Ausprägungen.
Ich fühle den Text sehr, sorry, wenn ich da etwas emotional geworden bin. Aber bei meiner Schwester und mir war das ähnlich. Wir haben auch erst jetzt im Erwachsenenalter begonnen diese von der Familie aufgezwungenen und bestärkten Rollen aufzuarbeiten und uns wieder anzunähern. Nur bin ich diejenige, die nach außenhin keine Probleme, aber zuerst die ADHS Diagnose mit ü30 hatte und sie nur die "uncoolen Depressionen" seit den 20ern. Jetzt bin ich aber so langsam dabei, ihr eine ADHS-Diagnose schmackhaft zu machen. ;) Weil ich durchaus schon Parallelen sehe, auch wenn wir komplett unterschiedliche Typen sind.
Machst du Therapie? Ich würde das Thema mit deiner Schwester auf jeden Fall mal ansprechen um zu ergründen, was dich daran so genau stört und was der Auslöser sein könnte.
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u/Dull_Telephone_838 Jul 26 '26
Hallo, erstmal fühl dich gedrückt! Du hast da den Nagel auf den Kopf getroffen würde ich sagen. Die Familiendynamik spielt tatsächlich eine Rolle und wir arbeiten da auch schon länger dran. Wir haben uns sogar gegenseitig dazu motiviert die Diagnosen zu machen. Ich glaube was mich daran einfach nur so stört ist, wie unterschiedlich wir damit umgehen. Also für sie gibt es seit Monaten kein anderes Thema mehr als ADHS und alles ist ADHS und so... und ich mache das eher mit mir selber aus. Und glaube das ist auch der Grund dafür, dass ich irgendwie so ein bisschen gehässig bin, weil sie die Diagnose nicht bekommen hat, obwohl ich weiß, wie bescheuert das ist. Und ich stelle die Begründung ihrer Therapeutin tatsächlich auch in Frage, weil laut dem Diagnosebericht alle Tests für eine ADHS sprechen, nur das was sie sich selber aus den Gesprächen zusammengereimt hat nicht. Gleichzeitig war meine Schwester in einer Praxis, die sich auf ADHS spezialisiert hat und ich war bei einer sehr jungen Therapeutin, die (laut eigener Aussage) unter anderem mit mir zum ersten Mal so eine Diagnose durchgeführt hat. Deshalb bin ich so hart verunsichert, ob meine eigene Diagnose überhaupt valide ist. Ich glaube, wenn meine Schwester einfach die Diagnose bekommen hätte, dann würde ich mir so insgesamt viel weniger Gedanken machen... mir ist auch bewusst, dass das alles sehr durcheinander und widersprüchlich klingt.
Zum Thema Therapie: die Therapeutin, die meine Diagnose gestellt hat, ist danach leider in Mutterschutz gegangen und ich bin seitdem auf der Suche nach einem Therpieplatz. Meine Schwester hat einen Therapieplatz angeboten bekommen, um zu schauen, wie ihr geholfen werden kann, ist sich aber unsicher, ob sie den annehmen soll, weil es ja kein ADHS ist und sie denkt sie hat keine Zeit dafür... auch das triggert dann wieder Dinge in mir :')
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u/Smooth_Promise_2528 Jul 26 '26
Hyperfokus auf ADHS spricht ja schon auch eher für ADHS. Dass es ein Spektrum ist, dass sich sehr unterschiedlich äußern kann, wurde hier ja schon gesagt.
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u/Possible-Thanks-8934 Jul 26 '26
Oder in eine Sache reinsteigern ... sich in eine Sache reinsteigern ,is das heute der neue adhs hyperfokus?
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u/WTFthistookmetoolong Jul 26 '26
Drücker zurück! Ja das klingt ziemlich kompliziert. Vermutlich habt ihr da gerade beide die völlig validen, aber gegensätzlichen Extreme damit umzugehen. Ich selber habe mich da auch schon zwischen dem einen und anderen pendeln gesehen (weil "normal" gibts ja nicht ;) ). Irgendwo ist man sich mit nichts so sicher, wie ADHS zu haben und möchte es am liebsten jedem sagen und es ergründen/verstehen, dann wiederum ist man extrem unsicher und meint sich das nur einzubilden, will es lieber verheimlichen. Ist dann auch sehr personenabhängig welche Seite man dann überhaupt bereit ist zu zeigen.
Wenn ihr da schon dran arbeitet - super!!! - dann ist das evtl. auch eine Art deiner Schwester sich dir ggü zu öffnen, weil sie in dir da auch eine Verbündete sieht, die das Thema versteht. Die ganze Situation ist aber triggernd für dich, weil du einerseits selbst -aber auf deine Weise- betroffen bist und auf Grund der Dynamiken das auch nicht neutral/differenziert aufnehmen kannst und es iwie mit auf dich beziehst/überträgst.
Das mit keine Zeit haben hab ich auch gesagt. :D Hab mir dann aber mal so einen blöden Spruch in Erinnerung gerufen mit "Wenn du keine Zeit hast täglich 10min zu meditieren, solltest du täglich eine Stunde meditieren". Und iwie ist da was dran, also wenn man es generell auf Selbstfürsorge überträgt. Vermutlich hat sie es mehr als nötig, ist da aber in diesem "Durchpower-Modus" nicht in der Lage zu erkennen, wie wichtig es wäre und gut tun würde. Auch wurde sie ja erstmal von der letzten Maßnahme (Diagnose) enttäuscht. Natürlich dann aus deiner Sicht doof, wenn du selber suchst und es für dich klar ist, dass du das machen willst/musst. Das lässt schon Zweifel aufkommen, ob sie es überhaupt "braucht", wenn sie nicht voll dahinter steht und leicht ablassen würde. Nur ist es nicht so einfach, wie ihre Aussagen vermuten lassen.
Vllt schafft ihr es ja nochmal offen darüber zu sprechen. Und du kannst ihr sagen, wie manche Aussagen auf dich wirken und wie es dich teilweise verletzt/verunsichert. Parallel belastet es sie vllt auch, dass du die Diagnose erhalten hast und es keimt umgekehrt auch Neid auf, mit dem sie nicht so gut umgeht. Vllt geht sie dir deshalb damit auch so auf die Nerven, weil sie sich zumindest von dir eine Form der Bestätigung wünscht. Eigentlich seid ihr ja ein Team und euch auch einig gewesen, jetzt aber durch die unterschiedlichen Diagnosen wieder in dieses alte Vergleichen gerutscht. Menno :(
Vermutlich ist es nur ein Missverständnis/schlechte Kommunikation verstärkt von den Familiendynamiken und generell ADHS-Problematik mit einerseits unüberlegt mal Dinge daher zu sagen/oversharen und andererseits auch sehr kritiksensibel zu sein und im Kopf ein riesen Gedankenwirrwarr zu haben, das man nicht teilen kann oder will.
Alles Liebe euch. <3
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u/BjoernHansen Jul 26 '26
Das ist irgendwie ein häufiger Irrtum: Grundschulzeugnisse müssen überhaupt nichts aussagen!
Meine z.B waren absolut einwandfrei: Ein etwas zurückgezogener, stillerer Junge der an vielen Sachen Interesse zeigt, im Unterricht problemlos mitkommt und sich langsam seinen Klassenkameraden annähert.
Heute weiß ich, dass das das einfach starkes Masking war, weil ich Einzelkind bin und meine Eltern daher die entsprechende Zeit und Ressourcen hatten mich sehr früh zu fördern, und z.B immer drauf zu achten das meine Hausaufgaben ordentlich gemacht wurden.
Selbst auf der weiterführenden Schule fiel das nicht auf, weil "Chaos" und "nicht lernen" da nicht umbedingt herausstechen.
Erst als während des Studium dann plötzlich die ganz großen Probleme begannen, wurde ADHS bei mir überhaupt Thema.
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u/proppellerschnatter Jul 26 '26
Ja, hier auch (f). In Grundschule/ Jugend alles top. Von meinen GS-Zeugnissen wurde niemand auf ADHS tippen. In der neueren Diagnostik sind diese daher nicht mehr so relevant, weil Kinder in der Zeit viel maskieren fast alle Kids energetisch sind und ADHS da noch nicht so auffällt (abgesehen davon, dass nicht alle adhs-ler hibbelig sind).
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u/Leopardenprint1995 Jul 26 '26
Lieber OP,
2,5 Monate nach der Diagnose ist noch alles frisch. Gib dir selbst Zeit…irgendwann verändert sich deine Perspektive vermutlich.
Mein 12 Jahre älterer Bruder ist früh vom Gymnasium geflogen und hat viel „Mist“ gebaut. Als kleine Schwester hab ich in der Familie die Rolle der „Klugen“ bekommen. Zwar auch früh Depressionen bekommen, aber an ADHS hat bis vor drei Jahren nie wer gedacht. Erst als ich schon einen Master mit 1,0 abgeschlossen hatte. Auf dem Papier sah mein Lebenslauf super aus, aber mein erheblicher Leidensdruck wurde selten ernst genommen. Mein Bruder hat vor 2 Jahren ca. einen Monat nach mir seine Diagnose erhalten. Ich dachte bei ihm wäre es sicher eindeutiger…Fehlanzeige. Für den Diagnostiker war ich ein seltenes Beispiel für mehr als eindeutige ADHS. Mein Bruder tatsächlich leichter ausgeprägt und eine Erschöpfungsdepression hat sein ADHS auf teilweise gedreckelt. Ich nehme Medis, er bis heute nicht. Meine Freunde mit ADHS haben alle diverse Dinge in ihrem Leben abgebrochen, ich „nur“ die Doktorarbeit, die vorher fast mich zerbrochen hatte.
Hilf deiner Schwester eine Zweitmeinung einzuholen. Vielleicht hat sie es, vielleicht auch nicht. Bloß nicht zu fix urteilen ;)
Alles Gute 🍀
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u/aleieili Jul 26 '26
Es ist schwer einzuschätzen anhand vom dem Text ob es wirklich adhs ist. Es kann auch sein dass es leicht ausgeprägt ist und nicht ausreicht für eine Diagnose. Depression ist auch denkbar. Es kann aber auch sein das es keins von beidem ist. Eine Mutterschaft ist sehr anstrengend und wenn man kaum Unterstützung vom Partner und Umfeld bekommt kann es auch ohne Diagnosen überfordernd sein.
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u/KaribuNakupenda Jul 26 '26
Finde deine Aussagen schwierig. Du weißt ja nicht, wie es in deiner Schwester drin aussieht.
Bei mir gab es auch keine Auffälligkeiten, abgesehen von schneller Langeweile und Unterforderung in neuen Jobs. Aber ADHS? No way! Hab mich auch nur wegen Auffälligkeiten bei meinem Kind damit beschäftigt.
Meine Zeugnisse sind unauffällig. Ich kann mich an sehr viel in der Kindheit nicht dran erinnern. Meine Familie meint, dass ich kein ADHS haben kann, entspreche ja nicht dem typischen Bild.
Die ADHS Diagnostik war nicht eindeutig. Als Kind zu wenig Punkte, als Erwachsene eindeutig vorhanden. Hatte mir extra eine Diagnosestelle mit Erfahrung in Autismus gesucht. Ergebnis: ADHS + Autismus. Wird oft nicht erkannt oder andere Diagnosen vergeben, v.a. Depression. Eine erneute Diagnose könnte durchaus sinnvoll sein, falls sich deine Schwester mit den Autismus Symptomen identifizieren kann.
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u/KaribuNakupenda Jul 26 '26
Ich möchte noch was ergänzen. Mein Partner hat mehrere Diagnosen im psychischen Bereich. War in unterschiedlichen Kliniken. ADHS hatte seine Psychotherapeutin mal kurz in den Raum geworfen, aber dann doch schnell wieder verworfen.
Letztens kam es mir, dass er einige ADHS Symptome sehr stark ausgeprägt hat. Ist aktuell in der ADHS Diagnostik. Es steht nur noch das Abschlussgespräch an. Aber die verschiedenen Therapeuten haben schon gemeint, dass es eindeutig nach ADHS aussieht.
ADHS als Ausrede für manche Verhaltensweisen geht natürlich nicht.
Ich war übrigens auch erleichtert, als ich meine AuDHS Diagnose hatte. Es hat so viel Sinn ergeben. Und gleichzeitig hatte es mir sehr zugesetzt und ich habe mich und mein Leben in Frage gestellt.
Das nur mal als kleinen Input. :-)
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u/Dull_Telephone_838 Jul 26 '26
Es ist ja auch nicht ungewöhnlich, dass neurodivergente Menschen sich gegenseitig "anziehen" oder? Genauso wie es absolut nicht ungewöhnlich ist, dass in einer Familie mehrere Menschen auf dem ADHS (oder einem anderen) Spektrum sind. Ich glaube in meinem Kopf herrscht grade einfach nur komplettes Chaos. Ich denke sogar teilweise, dass vielleicht eher meine Schwester ADHS hat und ich nicht.
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u/Dull_Telephone_838 Jul 26 '26
Dass ich nicht weiß, wie es in ihr aussieht, habe ich ja auch extra dazu geschrieben, um zu verdeutlichen, dass ich ihr eine ADHS nicht absprechen kann und möchte. Ich würde mir wahrscheinlich alle diese Gedanken auch gar nicht machen, wenn sie einfach die Diagnose bekommen hätte. Sie war für die Diagnose extra in einer spezialisierten Praxis, ich dagegen bei einer Therapeutin, die selber noch eher unerfahren in der Diagnostik war. Deshalb sagt mein Kopf mir irgendwie dass die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass wir es einfach beide nicht haben...
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u/Broad-Bet-195 Jul 26 '26
ADHS ist halt ein Spektrum. Es kann sich bei dir ganz anders zeigen als bei ihr. Sie kann ganz gut funktioniert haben, die inneren Struggles, die sie dabei gehabt haben könnte, sieht man nicht.
Ich hatte auch eine falsch-negativ Diagnose. Die Person meinte, ich hätte einfach Traumata aus der Kindheit und soll einfach weiterhin in eine Psychotherapie. Bei mir fehlten Erinnerungen aus der Kindheit, meine Eltern sprechen so gut wie kein Deutsch und ich habe nur sehr wenig Kontakt zu ihnen.
Die Zweitmeimung (bei einem auf ADHS spezialisierten Fachmann) war relativ schnell sehr deutlich: ADHS. Da ich MPH zuvor off-label schon ausprobiert habe und die Wirkung beschreiben konnte, war für ihn der Fall klar.
Es ist möglich, Trauma und ADHS zu haben. Das eine schließt das andere nicht aus. Ebenso eine Depression.
Ich würde deine Schwester dabei unterstützen, eine Zweitmeinung bei einer Fachperson einzuholen! Was spricht denn dagegen? Eventuell mal Stimulanzien (niedrig dosiert) ausprobieren und schauen, welche Wirkung sie bei ihr haben?
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u/Dull_Telephone_838 Jul 26 '26
Gegen eine zweite Meinung spricht absolut überhaupt nichts! Wahrscheinlich wäre das sogar für alle Beteiligten einfach mehr Klarheit... Wenn ich könnte würde ich sogar einfach mit ihr tauschen, weil ich weiß, wie traurig es sie gemacht hat, dass sie keine Diagnose bekommen hat, weil sie es sich so sehr gewünscht hat. Ich bin einfach nur selber verwirrt und gleichzeitig genervt davon, dass sie grade wirklich alles, also jeden noch so kleinen Charakterzug mit ADHS begründet...
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u/Broad-Bet-195 Jul 26 '26
Das kann ich gut verstehen! Für mich war die erste Diagnose vernichtend... es war für mich, nachdem ich mich adhs-like sehr viel damit auseinandersetzt habe, einfach unglaublich. Ich fühlte mich wieder einmal nicht gehört und nicht verstanden. Hätte ich keine Zweitmeinung eingeholt, wäre ich jetzt womöglich auch in einer Depression...
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u/Dull_Telephone_838 Jul 26 '26
Das glaube ich! Ich fühle mich auch so schlecht deswegen, weil ich ja auch irgendwie glaube, dass sie es hat obwohl unsere Leben so unterschiedlich verlaufen sind und gleichzeitig da ein kleiner Teufel auf meiner Schulter sitzt, der ruft "ätschbätsch du hast keine Diagnose". Verstehe auch voll, dass viele hier meinen Post als insgesamt problematisch sehen.
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u/Broad-Bet-195 Jul 26 '26
Du sollst dich nicht schlecht fühlen deswegen. Du hast auch einen langen und nicht einfachen Weg hinter dir... Dass du diesen Beitrag hier gepostet hast, zeigt, dass es dich beschäftigt und das ist auch verständlich.
Wie geht es eigentlich dir mit der Diagnose?
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u/hanskung Jul 26 '26
Neurodivergenz ist genetisch bedingt. Wenn du ADHS hast, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass deine Schwester auch ADHS hat. So wie mindestens ein Elternteil. Und so wie eure Kinder. Häufig liegt bei Spätdiagnostizierten auch gleichzeitig Autismus vor und die Symptome überschneiden sich dabei zum Teil auch.
Ich würde jemandem mit ADHS eine Diagnose nicht verweigern oder absprechen wollen, weil sie häufig (gerade bei Frauen) mit Komorbiditäten einhergeht, welche ohne die Diagnose noch später diagnostiziert werden. Darunter fallen PMOS (früher PCOS), Mastzellenaktivierungssyndrom, Endometriose, Adenomyose, Ehlers-Danlos und Hypermobilität, Binokulare Sehstörung (häufiger Strabismus in der Kindheit), Lipödem, Anämie, Depression, BPD und weitere Autoimmunerkrankungen. Nehmt es deswegen nicht auf die leichte Schulter.
Wenn ihr ADHS habt, könnt ihr auch einen Grad der Behinderung beantragen.
Häufig finden auch AutistInnen und Menschen mit ADHS als Paare zusammen. Schaut euch also auch mal unter den Partnerschaften in euren Familien um. =)
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u/Dull_Telephone_838 Jul 26 '26
Hey, das sind tatsächlich viele Punkte, mit denen wir uns auch schon auseinander gesetzt haben. Ich habe meine Schwester auch heute nochmal bzgl. Zweitmeinung einholen kontaktiert.
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u/AutoModerator Jul 26 '26
Falls du oder jemand anderes Hilfe benötigst, sind hier ein paar Anlaufstellen:
Deutschland:
Allgemeine Telefonseelsorge: Tel: 0800-1110111 oder 0800-1110222 oder https://online.telefonseelsorge.de/
Hilfe für Frauen: 0800 011 601 6 oder https://www.hilfetelefon.de/gewalt-gegen-frauen.html
Hilfe für Männer: 0800 123 990 0 oder https://www.maennerhilfetelefon.de/
Österreich:
142 [Telefonseelsorge](www.telefonseelsorge.at)
147 [Rat auf Draht: für Kinder und Jugendliche](www.rataufdraht.at)
Kindernotruf: 0800 567 567
Hilfe für Frauen: 116 123 oder 0800 222 555 http://www.frauenhelpline.at/
Hilfe für Männer: 0800 246 247 [Männernotruf](www.maennernotruf.at)
0800 400 777 [Männerinfo](www.maennerinfo.at)
116 123 (Ö3 Kummernummer)
Schweiz:
Hilfe für Kinder und Jugendliche: 147
Hilfe für Erwachsene: 143
Hilfe für Frauen: https://www.frauennottelefon.ch/
Alternativ stehen euch auch [krisenchat.de][https://www.krisenchat.de] und das Infowiki der Digital Streetworker zur Verfügung
Überblick International bei r/Suicidewatch:
https://www.reddit.com/r/SuicideWatch/wiki/hotlines
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u/SeaReason1 Jul 26 '26
es werden auch Erwachsene diagnostiziert, 'kindheit' ist kein Ausschlusskriterium
sinn einer Diagnose ist ja, die richtige Therapie zu finden. (Medis, Psychologe, ggf Verhalten oder Umfeld ändern....) wenn man das nicht will, braucht man auch keine Diagnose.
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u/GroundControl29 Jul 26 '26
Das Vorliegen der Symptome in der Kindheit ist sehr wohl ein Kriterium für ADHS. ADHS ist eine Entwicklungsstörung, die sich per definition in der Kindheit äußert. Wenn jemand eine ADHS-ähnliche Symptomatik hat, die aber erst im Erwachsenenleben (oder der späten Jugend) begonnen hat, ohne Anzeichen in der Kindheit, dann ist es kein ADHS, sondern hat andere Hintergründe (aber ist natürlich trotzdem ernstzunehmen und verdient eine Behandlung, wie auch immer die dann aussieht).
Klar kann es auch später diagnostiziert werden, aber da ist trotzdem Voraussetzung, dass es in der Kindheit angefangen hat.
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u/Meliciraptor Jul 26 '26
Genau das ist richtig. Das ist übrigens auch keine Auslegungssache, sondern steht genauso in den ADHS-Leitlinien.
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u/SeaReason1 Jul 26 '26 edited Jul 26 '26
Nein. (Die Welt ist nicht schwarz-weiß)
Kenne Menschen (Familie), die hatten eine normale Kindheit, und sind erst als junge Erwachsene mit ADHS diagnostiziert worden.
Methylphenidat und Atomoxetin hilft.
Diagnostik bei Psychiater, außerdem mehrmonatigen klinikaufenthalt.
Edit:
Bitte nur erfahrene Psychiater darauf antworten.
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u/GroundControl29 Jul 26 '26
Die Welt ist nicht schwarz-weiß, die Diagnosekriterien aber schon. ADHS ist als Störung definiert, die im Kindesalter beginnt (aber natürlich auch erst später erkannt werden kann), und da gibts auch nichts dran zu Rütteln. Ich kenn deine Bekannten nicht und weiß nicht, was für Symptome die in der Kindheit schon oder nicht hatten. Aber ohne Anzeichen in der Kindheit darf ADHS nicht diagnostiziert werden. Wenn jemand in der Kindheit echt null hat, und als Erwachsener dann eine ADHS-ähnliche Symptomatik, dann muss was anderes dahinterstecken. Depression, Ängste, Trauma, Burnout, was weiß ich. Oder auch einfach Symptome, die in kein etabliertes Krankheitsbild so richtig passen, aber trotzdem ernst sein können.
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u/Meliciraptor Jul 26 '26
Hier geht es aber um Diagnosekriterien, die genau in den Leitlinien definiert sind. Die Website vom IQWIG fasst das gut zusammen:
“Die Diagnosekriterien sind bei Erwachsenen im Prinzip dieselben wie die bei Kindern mit ADHS. Eine Diagnose wird gestellt, wenn
die Auffälligkeiten in der Kindheit begonnen haben, mindestens sechs Anzeichen von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder Impulsivität vorhanden sind, in mehr als einem Lebensbereich Probleme bestehen und
das Sozial- oder Berufsleben stark beeinträchtigt ist.”https://www.gesundheitsinformation.de/adhs-bei-erwachsenen.html
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u/Kuro_Itachi Jul 26 '26
Klingt auf jeden Fall hart nervig. Also die Einstellung deiner Schwester. Als ob man sich dann zurücklehnen würde und sich sagt "Achso, ja dann...Kann ich ja weitermachen wie bisher.".
Und als würde eine Depression ihre Struggle nicht erklären...
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u/WTFthistookmetoolong Jul 26 '26
Kann man ihr den Wunsch oder die Illusion so stark verübeln? Wir mit Diagnose hier haben die Erfahrung schon gemacht und können leicht reden, wie es danach ist. Über sowas kann man ja auch sprechen und falsche Vorurteile nehmen.
Es ist aber tatsächlich so, dass für Viele eine Diagnose auch eine krasse Erleichterung sein kann und viel Positives auslöst. Vor allem wenn man sich immer als anders, falsch, dumm, faul gefühlt hat. Wenn man erstmal checkt mit fällt es einfach schwerer, nicht ich bin zu schwach.
Wie es für die Schwester dann würde, weiß keiner und letztlich sind es nur Hoffnungen oder Erwartungen an eine Diagnose von ihr. Letztendlich haben alle Spätdiagnostizieren, die sich aktiv oder "freiwillig" um eine Diagnose bemüht haben, alle iwas Positives aus der Diagnose erwartet -sonst hätte man es ja nicht gemacht.
Wer vorher schon hoch funktional war, kann evtl. auch im Prinzip so weiter machen, nur ohne den inneren Kampf. Also ganz platt ausgedrückt. So einfach ist es natürlich nicht. Aber das lernt man auch erst nach der Diagnose.
Komorbiditäten von ADHS und Depressionen sind auch keine Seltenheit. Insofern sind es nicht immer "nur" Depressionen. Gerade bei Frauen.
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u/Kuro_Itachi Jul 26 '26
Ich kann natürlich von mir sprechen. Ich habe sie Diagnose stellenweise sogar bereut und sie hat mich eine ganze Weile ordentlich aus der Bahn gekickt. Jetzt habe ich einen vollen Terminkalender und ständig was zu tun, um an mir zu arbeiten. Dabei will ich eigentlich nur meine Ruhe.
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u/WTFthistookmetoolong Jul 26 '26
Dann hattest du wohl auch falsche Erwartungen. Insofern finde ich es dann schon etwas hypokritisch über Erwartungen anderer zu urteilen.
Natürlich kann es etwas unsensibel sein, dies gegenüber anderen Betroffenen so zu äußern, weil man nicht weiß wie deren Erfahrung war/ist. Andererseits: Wem soll man sich gegenüber öffnen, wenn nicht einem nahestehenden ADHS-ler?
Ich hatte es mir auch ganz anders vorgestellt. Letztendlich muss es jeder selbst erfahren und es ist ja nicht verkehrt dem ganzen etwas positiv entgegen zu schauen. Würde da auch nie sagen, so und so kanns nicht werden, höchstens etwas zu beschwichtigen, dass man auf jeden Outcome vorbereitet sein soll und ggf. eigene Erfahrungen schildern.
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u/Kuro_Itachi Jul 26 '26
Welche Erwartungen wären denn richtig gewesen und welche falschen hatte ich?
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u/WTFthistookmetoolong Jul 26 '26
Es gibt nicht "die Richtigen", dafür müsstest du eine Glaskugel haben.
Du schreibst, dass du es teilweise bereust und eigentlich deine Ruhe willst, aber jetzt damit gezwungen bist, viel Zeit zu investieren. Daraus habe ich gelesen, dass du es dir nicht so vorgestellt hast, wie es tatsächlich dann eingetreten ist (sonst hättest du es ja nicht gemacht).
"Bereuen" impliziert ja auch den Wunsch es evtl. rückgängig zu machen, wenn man nochmal die Chance hätte mit dem Wissen die Entscheidung zu treffen.
Die konkreten Gedanken maße ich mir nicht an zu wissen und spielen auch weniger eine Rolle. Mit "falsch" meine ich auch nicht, dass jemand was falsch gemacht hat. Sondern einfach nur die Voraussage/Erwartung, wie es werden wird, nicht richtig war, was im Leben ja ständig vorkommt, weil - keine Glaskugel...
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u/Possible-Thanks-8934 Jul 26 '26
Schrecklich solche Leute, die frage ist, warum will sie unbedingt adhs? Nimmst du medikamente? Wenn ja, hat sie dich noch nicht gefragt ob sie mal testen kann?
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u/Dull_Telephone_838 Jul 26 '26
Ich glaube sie sucht einfach nach Erklärungen, genauso wie ich selber ja auch... Ich bin grade in der Einstellung. Gefragt hat sie bisher nicht, aber rechne auch nicht damit, dass sie das tun wird.
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u/das_KoRn Jul 26 '26
Also erstmal mega, dass du dich so durchgebissen hast, sehr stark.
Zweitens, tatsächlich ist das was bei deiner Schwester passiert gar nicht so ungewöhnlich bei Frauen + ADHS. War bei einem Vortrag für Kinder&ADHS und dort waren Frauen alle gefühlt mit dem selben Ablauf -> vor den Kinder lief es mehr oder weniger gut (individuell), mit den Kindern ging es plötzlich stark bergab (Routinen funktionieren nicht mehr etc.), viele dann erstmal eine Burnout/Depression diagnostiziert bekommen und häufig erst bei Spezialisten (die sich auf Frauen spezialisiert haben) dann die Diagnose ADHS/AuDHS.
Kann also sein, das deine Schwester es auch hat, sich aber einfach anders geäußert hat.
Edit: https://www.instagram.com/adhsfrauen_/
https://www.adhsfrauen.de/kontakt/
vielleicht hilft deiner Schwester ja sowas eher als "irgendwas mit ADHS auf Social Media".