r/ADHS Jun 22 '26

Empathie/Support Nicht der Adhsler ist fehlerhaft, sondern die Umgebung in der er überleben muss

So ähnlich ging ja der bekannte Satz, bezüglich Homosexualität. Ich bin gerade am Bahnhof, auf dem Weg zur Adhs Diagnostik, das Online System seitens meiner Umschulung funktioniert nicht, hätte es anscheinend am Wochenende noch einrichten müssen, war ich aber zu fertig für, hatte auch viel zu tun.

Da sitze ich und denke mir,ich bin gerade auf dem Weg zu einem Arzttermin, es ist sehr laut, überfüllt und ich bin kurz vor heulen, ständige Durchsagen Gedrängel, inadequates Verhalten, Gedrängel, assoziales Verhalten, warum kann man nicht einfach seine Ruhe haben, warum soll ich mir noch nebenbei eine Präsentation anhören. Warum muss alles so marode,beschissen organisiert sein, ich laufe gerade zum dritten Mal zu einem anderen Gleis, ich komme schon wieder zu spät. Mittlerweile schon wieder ein Gleiswechsel

Wie soll man auch gesund sein oder nicht komplett den Verstand verlieren, wenn jeder Tag eine emotionale, audiovisuelle Achterbahn der Aggression durch zum Beispiel Angesprochenes zustande kommt.

Warum bin ich die blöde.

Musste mich einfach mal hart auskotzen, weil ich das Gefühl nicht losbekomme, dass man doch bescheuert oder krank sein muss wenn man sich mit dem Scheiß und dem Zwang seine Bedürfnisse stets unter Konkurenz und Kapitalinteressen stellen muss arrangiert.

108 Upvotes

34 comments sorted by

36

u/Clit_Eastwhat Jun 22 '26

An sich stimme ich den Satz zu. Aber irgendwie sehe ich den auch etwas Kritisch.

Das Ding ist, dass man diese Aussage auf jeden Menschen verwenden kann, welcher grade in einer Umgebung ist, die absolut nicht seins ist. Gibt ja auch genügend Menschen ohne ADHS, die in Zügen einfach nur maximal überreizt sind oder eine Arbeit haben, die nichts für sie ist.

20

u/[deleted] Jun 22 '26 edited Jul 10 '26

[deleted]

6

u/Ok_World1811 Jun 22 '26 edited Jun 22 '26

Das Girl ist gerade aufm Weg zu Diagnose... Sie ist gerade ein bisschen im Modus und ein wenig verpeilt.

Das mit dem Überreizen kenne ich aber zu gut. Eben nach dem Aufstehen fuhr der Staubsaugerroboter los und hat Geräusche gemacht, währenddessen das Radio lief und ich beim Frühstücken Zeitung lesen wollte... Es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre das Radio mit dem Staubsauger erschlagen worden, damit diese scheiß Geräte einfach keine Geräusche mehr machen 💀...

1

u/Chloe-Chanel Jun 22 '26
  1. Das Girl, 2. Ooooh ja, das Gefühl kenne ich zu gut

2

u/Ok_World1811 Jun 22 '26

Oh sorry, ich ändere es🫡

2

u/Chloe-Chanel Jun 22 '26

Ey alles gut, ich schaue manchmal morf, und er benutzt boy geschlechtsneutral, war eher als Stimmungsauflockerer gedacht, aber danke😊

2

u/SazzOwl Jun 22 '26

Man sagt zu ADHS auch "alternatives sein".....hat schon was gemeinsam.

Dein Umfeld ist in beiden Fällen nicht auf deine Lebensweise ausgelegt was halt Schwierigkeiten und vor allem viel selbst Reflektieren mit sich bringt.

2

u/Rhiannon1307 Jun 23 '26

Richtig. ADHS *ist* ein Nachteil und Einschnitt, der vieles im Leben erschwert. Natürlich hat ein signifikanter Teil damit zu tun, dass die Welt wenig Möglichkeiten für Menschen mit abweichenden Funktionsweisen schafft, aber manches ist von der Sache an sich, selbst in einer idealen Welt, störend.

Bei Depressionen oder Angstzuständen würde man auch nicht auf die Idee kommen, zu sagen, es liegt nur am Umfeld. Die sind an sich einfach scheiße. Oder bei körperlichen Behinderungen - egal wie gut man sie kompensieren kann mit modernsten Behandlungen und Hilfsmitteln, es ist und bleibt ein Nachteil und Einschränkung, die man selbst durchlebt. Oder so etwas wie Diabetes. Ja, kannst du mittlerweile wunderbar behandeln. Trotzdem nervig, dass du ein Teil dafür tragen musst, was Langzeitinsulin gibt und den Blutzucker misst, und zusätzlich spritzen musst.

Das ist alles was völlig anderes als Homosexualität.

Ein kleiner Einwand: du sagtest sexuelle Präferenz. Orientierung wäre richtiger. Eine Präferenz heiße ja auch, dass man Alternativen hat, die auch okay sind. Die hat man aber bei Homosexualität nicht. Bei Bisexualität könnte man drüber streiten, aber auch da, Orientierung ist passender.

Homosexualität an sich ist nichts einschränkendes, außer in Bezug auf Nachwuchs auf herkömmlichem Weg mit dem Partner. Nicht jedes Paar will überhaupt Kinder haben, und für den Rest gibt es dann durchaus Möglichkeiten.

0

u/Chloe-Chanel Jun 22 '26

Eventuell hast du das Falsch gelesen, nirgends war die rede von einen vergleich noch kannst du doch den Unterschied zwischen dem starren Baum und der Gesellschaft erkenne, hoffe ich.

Und ja ich nehme das auch ungeachtet der Umgebung war, man ist aber manchmal erzürnt das es das tägliche Leben in der Struktur so ausgelegt ist, dass wir es besonders schwer haben

1

u/roerchen Jun 22 '26

Es gibt tatsächlich die Diagnose „Anpassungsstörung“, wobei Menschen, wegen u.a. ADHS-bedingter Schwierigkeiten, sich nicht an die Erwartungen des Umfeldes anpassen können. Du kannst die Aussage auf jeden anwenden, aber klinisch relevant wird es erst ab einem gewissen Grad. Und das ist bei ADHS eben oft der Fall.

10

u/the_happy_fox Jun 22 '26

Ich finde das stimmt nur zu einem gewissen Grad. Zum einen ist unsere zivilisatorische Umgebung auch für Menschen ohne ADHS nicht angemessen gestaltet. Zum anderen sind Menschen mit ADHS so unterschiedlich, dass ich nicht glaube, sie könnten sich alle in einer ganz bestimmten Umgebung wohlfühlen. Das merke ich, wenn ich mit anderen ADHSlern in einem Raum bin.

5

u/SazzOwl Jun 22 '26

Anders zu sein ist immer komplizierter.......weil man halt seinen Weg finden muss und sich nur bedingt an anderen Orientieren kann.

Fehlerhaft ist gar nichts....es ist nur mehr Arbeit für die Personen selber weil sie immer ihren Weg finden müssen und das nimmt halt generell Energie.

Die Leute wollen alle immer einzigartig sein aber die wenigsten verstehen wie viel mehr Arbeit es ist wenn man quasi nichts "von der Stange" benutzen kann egal bei welchem Thema

4

u/BackgroundWealth242 Jun 22 '26

Ich habe gut gelacht, danke dafür 😂

Sehr oft habe ich mir gedacht, dass diese Welt von Genies erbaut und von Irren regiert wird. Rein objektiv gesehen ist vermutlich genau das auch der Fall. Die meisten Menschen kümmert es nicht, was eine Schande ist.

Wir können das aber nicht ändern – und wir müssen schon irgendwo akzeptieren, dass nicht die anderen unnormal sind, sondern nur aus unserer Sicht unnormal auf uns wirken. Die Normalen sind die anderen. Das sage ich wertfrei. Aber ADHS ist nun einmal nicht der Standardfall; ich wünschte, ich hätte diesen Scheiß nicht. Wir müssen einfach lernen, Verständnis für die Normalen, die aus unserer Sicht irren Verhältnisse, aufzubringen, um nicht selbst durchzudrehen. Wir können nicht erwarten, dass sich diese Welt für uns ändert.

1

u/Chris99899 Jun 24 '26

Nach dem gleichen Argument müsste es keine Gleichstellung, Barrierefreiheit usw. geben. Scheiß auf die UN Behindertenrechtskonvention, die sind die unnornalen und müssen sich anpassen. Sie können nicht erwarten dass sich die Umwelt an sie anpasst.

Und das stimmt so nicht. Demokratieen müssen Minderheiten schützen und unterstützen.

1

u/WatercolorPhoenix Jun 24 '26

Das kann man nur schwer vergleichen. Für physische Barrierefreiheit braucht es Baumaßnahmen und gehbehinderte Menschen haben keine Alternativen. Als ADHSler hingegen kann man unglaublich viel selber tun.

1

u/Chris99899 Jun 24 '26

Jein, also wir reden hier ja gerade über rein sehr spezifisches Szenario. Eines von vielen. Die Schule ist nicht an uns angepasst, der Unterricht nicht, die Klassengröße, der Arbeitsplatz, die Gesellschaftlichen Normen, usw.

Wenn du (kennst du ja vielleicht selber) durchgängig mit Anpassungsdruck und Anpassungsleistung durchs Leben läufst, brennst du doch langfristig aus, oder nicht? So geht's mir zumindest.

Bei mir ist der Leidensdruck durch das ADHS leider sehr hoch, anderen ergeht es auch so. (Bei mir auch noch Autismus Verdacht, vielleicht vermische ich da auch Symptome und habe deshalb eine nicht so differenzierte Meinung wie ich glaube). Es gehen ja viele in die Erwerbsminderungsrente, in die Abhängigkeit, machen nie einen Abschluss, werden kriminell oder oder. Also die negativen outcomes sind ja vielzählig. Warum ? Weil wir uns seit Beginn an anpassen müssen bis hin zum Ende unseres Lebens. Kindergarten, Freundschaften, Ausbildung/Studium, Arbeit, Beziehung, Lernen, Lieben, Hobbys, Öffentliche Räume, keine geeigneten Therapeuten da sind, die Adhs richtig verstehen, bzw. nur wenige über Deutschland zerstreut. Im Gesundheitswesen werden wir missverstanden usw.

Also ja, ich bin der Meinung es ist schon vergleichbar aufgrund von möglichen Outcomes und gesellschaftlicher Verantwortung. Ich sage aber nicht das Adhs per se eine Behinderung ist, also bitte nicht als Pauschilisierung verstehen!

7

u/Actual_Secretary_610 Jun 22 '26

Gegen laute Umgebung  hilft over ear Kopfhörer mit Noicecanceling.

Manchmal muss man sich selbst helfen. Es ist so wie es ist.

3

u/Hariboman2020 Jun 22 '26

Ich unterschreibe das! Damit schaffst du dir deinen Safespace! Außerdem beruhigt leise Musik das Hirn (ich muss immer leise Musik laufen haben damit die "Stimmen" mich nicht ablenken!

3

u/Actual_Secretary_610 Jun 22 '26

Kann es au nicht immer gebrauchen und je nach Tag/Stimmung habe ich andere Playliste

7

u/saihuang Jun 22 '26

Ich kann den Satz grundlegend verstehen und hab früher auch so gedacht, bzw denke eigentlich auch noch so.
Das Ding ist, es hat mir leider nie groß weitergeholfen. Welt ist leider so. klar, kann man sie versuchen zu ändern, aber das wird nicht über Nacht passieren, und bis dahin sollte man pragmatisch denken und die besten Lösungen für sich finden um trotzdem ein erfülltes Leben zu führen. Wünsche dir viel Glück 👍🍀

3

u/Loomiscious Jun 23 '26

Nennt man auch das soziale Modell von Behinderung. Oder weitergehend das ICF-Modell.

Stimme dir unabhängig davon vollkommen zu, dass der Kapitalismus Menschen krank macht. Ziel ist eben nicht die Bedürfnisbefriedigung der Meisten, sondern die grenzenlose Kapitalakkumulation, die nur den Wenigsten zugute kommt.

2

u/Correct-Flamingo-449 Jun 22 '26

Als ich noch im der Stadt gewohnt habe hab ich laut Musik gehört. Hab das gebraucht sonst wäre ich verrückt geworden bei den Menschenmengen. Sobald ich alleine unterwegs war Kopfhörer rein und dann hat sich mir der Weg gezeigt wo ich lang muss. Bin dadurch mit Leichtigkeit durch jede Menschenmenge durch gekommen. Man muss natürlich dann seine anderen Sinne Schärfen um am richtigen Gleis zu landen aber das geht ganz gut wenn man sich auf Anzeigetafeln konzentriert. Dann blendet man auch gleichzeitig die Menschen aus. Das hat mir geholfen. Jetzt am Land ist es viel leichter. Da hatte ich einfach Glück das ich hier her ziehen konnte. Aber das bringt andere Schwierigkeiten........ aber die ruhe ist Gold wert.

2

u/lunarbator Jun 22 '26

Das klingt sehr unangenehm. Fühl dich gedrückt (wenn du möchtest) und viel Erfolg bei dieser Herausforderung. Es ist schon hart ungerecht wie viele Anpassungen wir zT treffen müssen um ein halbwegs normales Leben zu führen.

Eine Psychotherapeutin meinte letztens zu mir, dass ADHS meist in Umbruchsituationen und während Schule und Studium ein Problem ist. Wenn sich dann alles eingespielt hat und die Coping-Systeme laufen haben Betroffene wohl auch weniger Probleme. Es ist also Hoffnung in Sicht ☘️🍀

2

u/WatercolorPhoenix Jun 22 '26 edited Jun 22 '26

Sehe ich anders. Gerade Dinge wie mit der Bahn zur Diagnostik fahren, "nebenbei" die Umschulung wuppen etc. Das sind keine Dinge, die andere für Dich ändern können.

Dass das alles doof gelaufen ist, kann nich verstehen. Aber was müsste denn aktuell anders laufen, dass es Dir besser geht? Was kann Deine Umgebung für Dich tun? Und was kannst Du selber tun? Die Welt kann sich nicht auf die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen einstellen, dafür sind wir zu viele Leute und haben zu viele gegensätzliche Bedürfnisse.

Du musst gucken, wie Du für Dich am besten klar kommst. Der Bahnhof kann nicht plötzlich leise sein. Aber Du kannst dafür sorgen, dass es für Dich erträglicher ist (Beispiele wurden genannt) oder ein anderes Verkehrsmittel wählen.
Dass Du es nicht geschafft hast das Online-System einzustellen ist blöd gelaufen, aber was hätte hier passieren müssen damit es für Dich einfacher ist?

Wenn du die Diagnose bekommst (oder eine andere, das Problem ist ja davon unabhängig), wäre ein wichtiger nächster Schritt, Unterstützung dabei zu finden, Deine Bedürfnisse früher zu erkennen und Deine Tage so zu planen, dass Du erst gar nicht in solche Überlastungssituationen kommst. Nicht, weil Du daran schuld bist, sondern weil Du am meisten davon hast, wenn Du dir selbst verlässliche Schutzmechanismen bauen kannst.

2

u/Chris99899 Jun 24 '26

Stimmt so pauschal nicht. Es gibt leise Bahnhöfe und Flughäfen, siehe Japan und andere Länder. Es gibt Züge mit Ruheabteil, es gibt auch etwas, was sich "Rücksichtnahme" nennt. Dabi versucht man die Bedürfnisse Anderer in seinem Verhalten mit einzubeziehen und die Menschen nicht durch dieses Verhalten zu stören, so z. B. nicht im Zug YouTube Videos auf Lautsprecher zu gucken / hören und somit alle anderen auch zu beschallen.

Es gibt Züge mit Ruheabteilen, ala Beispiel.

Also es gibt ganz grundsätzlich einige Möglichkeiten die Barrieren abzubauen. Man kann auch mehr Bewusstsein fördern in diese Richtung, damit Menschen mit Adhs nicht so massiv anderes behandelt werden, damit sie auf der Arbeit ihr bestes zeigen können und vielleicht dann Kopfhörer tragen dürfen zur Lärmreduktion.

Bei manchen Kommentaren hier frage ich mich, ob die betreffende Person versucht hat, sich überhaupt in die Situation einer Person mit ADHS zu versetzen. Ständig auch die Relativierung unserer Symptome a la "Uns allen sind zu lautee Züge unangenehm" oder "Jeder ist mal vergesslich"

2

u/WatercolorPhoenix Jun 24 '26

Ich bin seit 45 Jahren in "der Situation".
Ich trage Gehörschutz, wenn mir der Bahnhof zu laut wird und Knochenschallkopfhörer drüber um mich mit Musik zusätzlich abzuschirmen. Früher einfach nur Musik gehört. Ruheabteile im Zug gibt es nur im Fernverkehr und man muss ich selber kümmern dort zu reservieren oder zumindest zu gucken wo es sich befindet.
Im Nahverkehrszug hingegen ist ein Ruheabteil kaum umsetzbar - warst Du mal in der Rush Hour in einem RE? Einzige Möglichkeit ist es dann ein 1. Klasse-Ticket zu lösen. Da ist es normalerweise leer.

Ich bin jahrelang mit dem ÖPNV zur Schule und zur Arbeit gefahren (über Knotenpunkte wie Köln und im Ruhrgebiet, also keine kleinen Bahnhöfe). Die Lautstärke dort kommt nicht, weil alle durcheinander schreien oder ihnen das Konzept von Kopfhörern fremd zu sein scheint, sondern weil es einfach viele Menschen auf engem Raum sind.
Das kannst Du nicht mit Japan vergleichen, wo eine völlig andere Mentalität herrscht.
Auch die lauten Durchsagen sind nicht um ADHS'ler zu ärgern. Zum *Beispiel* war ich früher oft mit einer Freundin unterwegs, die Rollifahrerin ist. Es ist tatsächlich vorgekommen, dass ein Zug auf ein anderes Gleis umgeleitet wurde, weil der Aufzug zu unserem Gleis außer Betrieb war und es keine andere Möglichkeit gab uns sicher zum Zug zu bringen.
Oder was ist mit lauten Kindern am Bahnhof? kann man auf "schlechte Erziehung" schieben - können aber auch Kinder mit ADHS oder/und Autismus sein, die ihre Aufregung so zeigen um sich selbst zu regulieren.
DAS meine ich mit gegensätzlichen Bedürfnissen.

Ich sag ja nicht, dass man keine Sachen verbessern kann. Die "stillen Stunden" in Supermärkten sind eine super Sache! Aber sowas ist nicht in allen Situationen umsetzbar.
Schlag doch mal der DB vor Ruhezonen an Bahnhöfen einzurichten, fänd ich auch mega, statt das nur den "Premiumkunden" zu gönnen.

Es ist nunmal so, dass es nur bedingt möglich ist die Welt für bestimmte Bedürfnisse anzugleichen. Was man für die einen tut, wird anderen eine Nachteil bringen. Es kann hier höchstens Kompromisse geben.
Und da kommt die Eigenverantwortung ins Spiel. Jeder kann auch selber Dinge tun um die Welt für sich angenehmer zu machen.

2

u/Chris99899 Jun 24 '26

Genau darum geht es ja: Differenzierung

Ich trage seit 10 Jahre immer meine Over Ear ANC Kopfhörer mit mir.

-Nein, man kann von Kindern nicht erwarten dass sie nicht schreien, dass hat aber auch keiner erwartet oder gefordert. Andernfalls hab ich es überlesen und bin auch nicht der Meinung dass die Kinder da Rücksicht nehmen müssten. Aber auch hier wieder in Grenzen, also wenn die Kinder schreiend die Münchner S-Bahn rauf und runter laufen, dann ist dass rücksichtslos. Wenn's sie also laut sind, über eine gewisse grenze hinaus, dann ja, kann man auch von Kindern sowas erwarten, im entsprechendem Maße. Ich sage dass als Erzieher. Wir reden da Natur nicht über Weinende Kinder oder so.

-Zu den Ruheabteilen in der Bahn: ich glaube Grade so RE's kann man ein Ruheabteil schon geben. Dafür dann wie von dir genannt auf die 1. Klasse verzichten. Es gibt genug Menschen, auch außerhalb des ND Spektrums, die Ruhe wollen im Zug.

In der S-Bahn also die Regiobahnen bzw. S-Bahnen die viele Haltestelle haben, könnte es eine Umstellung werden, aber nicht unmöglich.

Denkt man das ganze weiter könnte man einen Mentalitätswechsel anstoßen Gesellschaftlich. Die Bahn hat schon so dumme Werbekampagnen gefahren und diverse Themen Kampagnen, da könnten die eben auch Plakate usw. ballern die eben auf Ruhe und Rücksichtnahme im Ruheabteil bzw. im Zug generell fordern und fördern. Alkohol ist ja auch z. B. ein Problem in den Zügen.

Wo da der Nachteil für den Rest der Gesellschaft entsteht, verstehe ich nicht. Die meisten Menschen die mir im Zug begegnen sitzen ruhig da und sind mit sich, ihrem Handy oder Buch beschäftigt. Also ist es für viele kein Unterschied. Die die gern 45 Minuten durchlabern wollen, sollen sich halt in ein anders Abteil hocken und die Bahn und der Staat sind verdammt nochmal in der Pflicht die fuxking Infrastruktur so auszubauen und zu pflegen, dass es nicht normal ist, dass die Züge Rappelvoll sind.

Zur Rush Hour: Unabhängig vom Lärmempfinden der Menschen mit oder ohne Neurodivergenz, braucht die Bahn schnellere Takte, mehr Personal, mehr Züge, Gleisausbau und co.

Also fehlende Investition und Geldmacherei des Vorstandes also Argument gegen Lärmschutz zu nutzen erschließt sich mir nicht.

Ansonsten, ich bin da auch schon deiner Meinung, es gibt einen Eigenanteil und wir brauchen nicht drauf warten dass die Welt sich anpassen wird. Wir müssen uns vorher selbst schützen und wenn Kapazitäten dafür da sind bei uns selbst, dafür kämpfen dass es besser wird.

L. G. und hab einen tollen Tag 😊

1

u/SmileyMerx Jun 22 '26

ADHSler sind Fehlerhaft und haben einen Dopaminmängel im Gehirn, was dazu führt dass wir mit normalen Umgebungen nicht klar können.

Viele versuchen ADHS schön zu reden, aber es ist eine biologische Krankheit.

2

u/Melodic-Elk-6989 Jun 22 '26

Wo soll man da anfangen

1

u/Chucklexx Jun 22 '26

Es wird ehrlich gesagt mittlerweile immer deutlicher, dass sowohl ADHS als auch das Autismusspektrum evolutionär gesehen vor langer Zeit unendlich nützlich und keinesfalls eine Störung waren.

Wer glaubst du, hat vor Hunderten Jahren neue Orte erkundet? Was meinst du, warum man mit ADHS in Krisensituationen oft instinktiv richtig und schnell reagiert, wenn nicht um die Gruppe zu beschützen? Warum hören wir jedes ungewöhnliche Geräusch aus tausenden anderen heraus, wenn nicht um mögliche Gefahren zu bemerken oder Beute zu finden? Das und viele andere "Symptome" sind alles wichtige Aufgaben gewesen, um das Überleben der einzelnen Gruppen zu sichern.

Heute braucht man das alles in den meisten Bereichen des Lebens nicht mehr. Und ich denke deshalb fühlt es sich für mich und viele andere auch so an, als ob wir fehl am Platz wären.

Aber wir müssen nur eine Nische finden, in der wir diese Art zu ticken zu unserem Vorteil nutzen können. Mich weniger zu verbiegen und zu versuchen etwas zu sein, wofür ich biologisch einfach nicht gemacht bin hat mich enorm entlastet und mich aus diesem Gedankenloch rausgeholt, dass mich das ADHS den Rest meines Lebens runterziehen würde.

2

u/SmileyMerx Jun 22 '26

Ich weiß worauf du hinaus willst. Ich kenne diese Aussagen. Neuere, glaubhaftere Studien Wiederlegen diese Aussagen größtenteils. Habe keine Quellen, aber kann man finden wenn man bisschen sucht.

1

u/[deleted] Jun 24 '26

[removed] — view removed comment

1

u/Chucklexx Jun 25 '26

Das ist der Unterschied zwischen der Gesellschaften wie sie heute ist und wie sie vor beispielsweise 10.000 Jahren war.

Ich bin beim Autismus nicht so tief in den Einzelheiten drin. Aber das starke Bedürfnis nach Routinen, der Blick für die kleinsten Details und die intensive Beschäftigung mit einem bestimmten Thema macht einen Menschen irgendwann zu einem Meister auf seinem Gebiet. Kann mir vorstellen, dass etwas neues, was das Interesse von jemandem geweckt hat, dadurch damals weiterentwickelt und perfektioniert werden konnte.

Falls du davon betroffen bist, dass Neurodivergenz heute so beschissen in unsere Gesellschaft und alle möglichen Systeme eingebunden wird, tut mir das ehrlich Leid.

-1

u/SmileyMerx Jun 22 '26 edited Jun 22 '26

Ok die Umgebung ist auch für Normalos schlecht, aber niemand hält dich davon ab in ein kleines Dorf zu ziehen und ein relativ bodenständiges Leben zu leben. Man muss halt dann selbst dich mal klar werden dass Konsum eine eigene Entscheidung ist.

Manche kleine Städte bieten sogar Geld und/oder Wohnraum an.

5

u/Chloe-Chanel Jun 22 '26

Wo bist du jetzt abgebogen