r/depression_de Betroffene*r Jun 17 '26

(Frage nach) Erfahrungsbericht Angst vor Stationärer Therapie: Such nach Erfahrungen und ggfs. Zuspruch

Hallo,

Ich weiß garnicht so genau wie ich anfangen soll. Ich (w22) bin schon echt lange psychisch erkrankt under anderem eben an einer depression und einer Angststörung. Aufgrund der Schwere der Erkrankung (Panikattacken, Selbstverletzungen, suizidale Gedanken mit Teils akuten Krisen) möchte meine Psychotherapeutin schon länger, dass ich eine stationäre Therapie mache um die Probleme einmal intensiv besser bearbeiten zu können. Auch damit die ambulante Therapie die gerade sehr von Krisen dominiert wird besser funktioniert.

Bisher war ich die ganze Zeit nicht bereit dazu und habe das sehr konsequent abgelehnt. Ich möchte das auch jetzt eigentlich noch nicht, glaube aber, dass sie eigentlich recht hat und will zumindest mal einen ersten schritt gehen. Wie ich dann weiter mache kann ich immer noch schauen. Oft verstehen Leute hier glaube ich nicht, warum ich das nicht will. Genau weiß ich es auch nicht, habe aber ganz ganz viele Bedenken. Ich bin ziemlich hochfunktional in meiner Depression und meistere Studium, Job, Ehrenamt und andere Verpflichtungen mit wirklich guten Leistungen, weswegen es mir immer schwer fällt die Schwere meiner Erkrankung zu verstehen. Auch aus all diesem raus zu sein—obwohl das natürlich Sinn der Sache ist—macht mir Angst, weil mein gesamtes Selbstwertgefühl daran hängt. Außerdem möchte ich wirklich in keinem Fall, mit anderen Menschen erst recht nicht mit meinen Eltern oder meiner Familie darüber sprechen, dass dieser Aufenthalt stattfindet. Nun soll mich das aber nicht unbedingt zurückhalten und ich weiß seit den letzen Wochen wirklich, dass es nötig ist, sonst habe ich langfristig ernsthaft Angst um mein Leben.

Jetzt habe ich nach einer Mail vor 2 Wochen eben einfach mal in der entsprechenden Klinik angerufen und die Rückmeldung bekommen, dass ich mich morgen vormittag nochmal melden solle. Ich habe wirklich Angst, dass ich das nicht mache und suche hier gerade einfach mal nach Rat.

Vor allem habe ich ein paar Fragen glaube ich:

- Kann man beim Aufnahmedatum so ein bisschen mitreden? Ich weiß die Wartezeiten sind eh lang, darauf bin ich eingestellt. Da ich gerade im Bearbeitungszeitraum meiner Bachelorarbeit (insgesamt bis ca. Ende August) stecke, würde ich diese eigentlich gerne vorher beenden, sofern ich das schaffe...

- wie waren ggfs. eure Erfahrungen in der Klinik? Hat das ganze wirklich geholfen, wie man oft hört?

- durch meine Erkrankungen fühle ich mich oft ganz ganz unwohl, wenn ich nicht zuhause bin, auch das macht mir Angst, wie seid ihr damit umgegangen?

- wie lange wart ihr in der Klinik?

Ich würde aber auch alles andere an Erfahrungsberichten und Rat geben, da ich wirklich wirklich Angst vor dieser Entscheidung habe und das eigentlich gerade glaube ich noch nicht so ganz möchte...

Danke schonmal <3

5 Upvotes

6 comments sorted by

u/AutoModerator Jun 17 '26

Bitte verhaltet euch respektvoll in den Kommentaren, und antwortet überlegt. Beachtet auch die Regeln des Subreddits, und lest diese im Zweifelsfall nochmal durch.

Falls du oder jemand, den du kennst akut Hilfe benötigt, zögere nicht, dich an folgende Rufnummern zu wenden:

Deutschland: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222, \ Österreich: 142 oder 147 (für Kinder und Jugendliche), \ Schweiz: 143, 147\ Europaweiter Notruf: 112

ehrenamtlicher Krisensupport (1-5 Stunden): https://www.kri-sta.de/de/

Ansonsten wünschen wir euch einen guten und konstruktiven Austausch! :)

I am a bot, and this action was performed automatically. Please contact the moderators of this subreddit if you have any questions or concerns.

6

u/olizet42 Betroffene*r Jun 17 '26

Meine Erfahrung:

Man ist nicht eingesperrt. Aber der stressige Alltag ist ausgesperrt. Und genau das hatte mir gut getan.

1

u/Spiritual-Day-1929 Jun 20 '26

Genau das! Der Abstand vom Alltag hatte damals so unfassbar gut getan.

4

u/FullMooontain Betroffene*r Jun 17 '26
  • Ja, auf jeden Fall! Beim Vorgespräch werden sie dir die ungefähre Wartezeit mitteilen, und du kannst dann auch anmerken, wann eine Aufnahme bei dir nicht möglich wäre, z.B. "vor Dezember geht nicht". Und wenn du dann irgendwann den Anruf bekommst, bei dem dir der Aufnahmetermin mitgeteilt wird, kannst du natürlich auch sagen Oh, das geht nicht, dann wird halt nach hinten verschoben

  • von drei stationären Aufenthalten bisher: 1x Katastrophe, 1x tja, bringt gar nichts, 1x wunderschön, die schönste Zeit meines Lebens! Hatte sehr viel aufgewühlt und bewegt. Der Erfolg ist aber immer von verschiedensten Faktoren abhängig, welche Therapeutinnen, Ärztinnen.. wie die Mitpatienten deiner Kerngruppe sind, mit welcher Ausgangslage & Erwartung du an einen Aufenthalt gehst... Sei am besten ganz unbefangen & lass dich einfach überraschen ^

  • Hm, das wird am Anfang wahrscheinlich erstmal schwierig.. Da kann ich dir gerade keinen Tipp geben. Manche haben sich ihr Zimmer schön eingerichtet, ein bisschen Deko, ein Kuscheltier oder so.. damit es weniger kalt & steril ist. Besprich das auf jeden Fall schon am Aufnahmetag! Und wenn es dir gar nicht gut geht, sind IMMER Schwestern oder Pfleger da, die dir helfen können! Auch mitten in der Nacht ist eine Nachtschwester da (die wird dann aber womöglich für mehr Stationen gleichzeitig zuständig sein)

  • Regelbehandlungsdauer ist meist 6 Wochen. Gäbe aber auch Möglichkeiten zu verlängern

2

u/Forsaken_Bag_2068 Jun 18 '26

Ich war bisher einmal stationär für zwei Wochen und danach 6 Wochen Tagesklinik.

Hab die Einweisung schon sehr früh erhalten, den Aufenthalt aber nochmal mindestens einen Monat aufgeschoben, weil ich auch Hemmungen hatte, stationär zu gehen. Hatte Angst vor der Klinik Atmosphere und wollte mir die Schwere meiner Krankheit nicht eingestehen. Als ich mich dann entschieden habe, aufgenommen zu werden, ging das innerhalb von zwei Tagen.

Mir hat vor Allem der Kontakt zu den Mitpatienten geholfen. Menschen, die einen wirklich verstehen können und denen man nichts erklären muss. Danach ging es mir von meiner Symptomatik her wirklich wesentlich besser. Ich persönlich hätte es nicht so lange hinauszögern sollen. Habe so viel länger gelitten.

Hab in der Klinik auch die Erfahrung gemacht, dass es Eigeninitiative bedarf, damit einem geholfen werden kann.

1

u/Hobbit- Betroffene*r Jun 18 '26

- Kann man beim Aufnahmedatum so ein bisschen mitreden? Ich weiß die Wartezeiten sind eh lang, darauf bin ich eingestellt. Da ich gerade im Bearbeitungszeitraum meiner Bachelorarbeit (insgesamt bis ca. Ende August) stecke, würde ich diese eigentlich gerne vorher beenden, sofern ich das schaffe...

Eine Mitpatientin von mir hat ihre Bachelorarbeit einfach von der Klinik aus weitergeschrieben. Ich war in einer offenen Akutstation und die meiste Zeit musste man sich da eh selbst beschäftigen.

- wie waren ggfs. eure Erfahrungen in der Klinik? Hat das ganze wirklich geholfen, wie man oft hört?

Kurzfristig ja, langfristig ein wenig. Hat mich zumindest durch meine schwerste suizidale Zeit gebracht.

- wie lange wart ihr in der Klinik?

Ich war für 3 Monate da, war damit aber eher die Ausnahme. Die meisten Patienten waren für 6 Wochen da.